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	<title>Texttheater &#187; Sprache</title>
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	<description>Die kleinste Bühne der Blogosphäre</description>
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		<title>Blogspektrogramm #9</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 09:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinter den Kulissen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum neunten Mal erscheint hiermit das Blogspektrogramm, ein monatlicher Überblick über die deutschsprachigen Artikel von Bloggerinnen und Bloggern mit linguistischem Hintergrund zum Thema Sprache. Im Sprachlog begutachtet Anatol Stefanowitsch das Wort des Jahres 2011, Stresstest, und kurz auch noch einmal &#8230; <a href="http://texttheater.net/blogspektrogramm-9">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://texttheater.net/wp-content/blog-spektrogramm_150.png"><img class="alignleft size-full wp-image-2800" title="blog-spektrogramm_150" src="http://texttheater.net/wp-content/blog-spektrogramm_150.png" alt="Logo des Blogspektrogramms" width="150" height="150" /></a>Zum neunten Mal erscheint hiermit das <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-05-16/blogspektrogramm-1">Blogspektrogramm</a>, ein monatlicher Überblick über die deutschsprachigen Artikel von Bloggerinnen und Bloggern mit linguistischem Hintergrund zum Thema Sprache.</p>
<p><strong><a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2011-12-17/dreh-den-stresstest-auf">Im Sprachlog</a></strong> begutachtet Anatol Stefanowitsch das Wort des Jahres 2011, <em>Stresstest</em>, und kurz auch noch einmal das Jugendwort des Jahres 2011, <em>Swag</em>. Besonders lesenswert und erheiternd finde ich das Rezept zum Erfinden von Jugendwörtern, das bei unrühmlicheren Juryentscheidungen in Vorjahren zum Einsatz gekommen zu sein scheint. Auch nicht unerwähnt bleibt eine Wörterwahl, die erst noch bevorsteht: der <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/">Anglizismus des Jahres</a> 2011.</p>
<p>Von eigenen Korpusuntersuchungen berichten Kristin Kopf <strong><a href="http://schplock.wordpress.com/2011/12/19/was-macht-eigentlich-leaken/">im Schplock</a></strong> und Michael Mann <strong><a href="http://lexikographieblog.wordpress.com/2011/12/08/von-bruchen-1-gute-wunsche/">im lexikographieblog</a></strong>. Erstere versucht herauszufinden, ob der Anglizismus des Jahres 2010, <em>leaken</em>, dauerhaft im Deutschen heimisch geworden ist. Letzterer ist auf die Suche nach Variationen der Redewendung <em>Hals- und Beinbruch</em> gegangen. Mir war nicht klar, wie viele Versionen es da gibt, speziell zugeschnitten auf Singende, Tanzende, Segelnde, Fliegende, Rudernde, Radfahrende, Autofahrende und Bahnfahrende.</p>
<p>Wenn <em>wegen</em> mit Genitiv steht, worauf manche ja bestehen, dann müsste es ja eigentlich statt <em>wegen mir wegen meiner</em> heißen. Gebräuchlicher ist aber die Form <em>meinetwegen</em>. Stephan Bopp erklärt <strong><a href="http://canoo.net/blog/2011/12/16/meinetwegen/">bei Fragen Sie Dr. Bopp!</a></strong>, woher sie kommt.</p>
<p>Ich selbst denke <strong><a href="http://texttheater.net/es-sei-denn-adverbialsaetze-mit-verbzweitstellung">im Texttheater</a></strong> über ungewöhnliche Konditionalsätze nach und darüber, woher die Wendung <em>es sei denn</em> kommt.</p>
<p>Das Blogspektrogramm #10 wird bei Kristin im Schplock erscheinen.</p>
<p>Bisher erschienene Ausgaben:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-05-16/blogspektrogramm-1">Blogspektrogramm #1</a> (im Sprachlog)</li>
<li><a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-06-15/blogspektrogramm-2">Blogspektrogramm #2</a> (im Sprachlog)</li>
<li><a href="../2011/07/15/blogspektrogramm-3/">Blogspektrogramm #3</a> (bei */ˈdɪːkæf/)</li>
<li><a href="http://texttheater.net/blogspektrogramm-4">Blogspektrogramm #4</a> (im Texttheater)</li>
<li><a href="http://schplock.wordpress.com/2011/09/15/blogspektrogramm-5/">Blogspektrogramm #5</a> (im [ʃplɔk])</li>
<li><a href="http://schplock.wordpress.com/2011/10/21/blogspektrogramm-6/">Blogspektrogramm #6</a> (im Sprachlog)</li>
<li><a href="http://lexikographieblog.wordpress.com/2011/11/15/blogspektrogramm-die-siebte-oktober-2011/">Blogspektrogramm #7</a> (im lexikographieblog)</li>
<li><a href="http://www.extraflach.de/blog/2011/12/16/blogspektrogramm-8/">Blogspektrogramm #8</a> (bei */ˈdɪːkæf/)</li>
</ul>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Tempus- und Aspektmysterien der philosophischen Geheimsprache</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 20:21:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitwatch]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt eine philosophische Geheimsprache, an der ich mir immer wieder die Zähne ausbeiße. Peter Sloterdijk zum Beispiel hat seit gefühlten tausend Jahren keinen Absatz mehr geschrieben, der nicht in dieser Geheimsprache abgefasst wäre. Aber auch die folgenden Absätze aus &#8230; <a href="http://texttheater.net/tempus-und-aspektmysterien-der-philosophischen-geheimsprache">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt eine philosophische Geheimsprache, an der ich mir immer wieder die Zähne ausbeiße. Peter Sloterdijk zum Beispiel hat seit gefühlten tausend Jahren keinen Absatz mehr geschrieben, der nicht in dieser Geheimsprache abgefasst wäre. Aber auch die folgenden Absätze aus dem Artikel <a href="http://www.zeit.de/2012/03/Transparenzgesellschaft/komplettansicht">Transparent ist nur das Tote</a> von Byung-Chul Han sind ein gutes Beispiel. Der Karlsruher Philosoph schilt darin die „Ideologie“ der Transparenz (vgl. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Post_Privacy">Post-Privacy</a>) und außerdem die Piratenpartei dafür, dass bei ihr keine Ideologien (!) zugelassen seien, aber das nur am Rande. Einleitend schreibt Han:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Die Transparenzgesellschaft ist eine Positivgesellschaft. Transparent werden die Dinge, wenn sie jede Negativität abstreifen, wenn sie geglättet und eingeebnet werden, wenn sie sich widerstandslos in glatte Ströme des Kapitals, der Kommunikation und Information einfügen. Transparent werden die Handlungen, wenn sie sich dem berechen-, steuer- und kontrollierbaren Prozess unterordnen. Transparent werden die Dinge, wenn sie ihre Singularität ablegen und sich ganz im Preis ausdrücken. Transparent werden die Bilder, wenn sie, von jeder hermeneutischen Tiefe, ja vom Sinn befreit, pornografisch werden. In ihrer Positivität ist die Transparenzgesellschaft eine Hölle des Gleichen.</p>
<p>Die Kommunikation erreicht dort ihre maximale Geschwindigkeit, wo das Gleiche auf das Gleiche antwortet, wo eine Kettenreaktion des Gleichen stattfindet. Die Negativität der Anders- und Fremdheit oder die Widerständigkeit des Anderen stört und verzögert die glatte Kommunikation des Gleichen. Die Transparenz stabilisiert und beschleunigt das System dadurch, dass sie das Andere oder das Abweichende eliminiert. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Die Dichte von Fremdwörtern und Fachbegriffen ist sehr moderat. Ich störe mich auch nicht an vagen Begriffen wie <em>die Dinge</em> oder <em>das Gleiche</em>. Auf deren Bedeutung könnte man wohl im Prinzip aus dem Kontext schließen.</p>
<p>Wovor mein Verständnis aber kapituliert, das sind Tempus und Aspekt.</p>
<p>Die Geheimsprache kennt beinahe ausschließlich solche Verben, die die Änderung eines Zustandes ausdrücken. Das allerwichtigste Verb, wenn nicht Wort, der Geheimsprache überhaupt ist <em>werden</em>. Es kommt in dieser Passage sechsmal vor. Ansonsten zähle ich jeweils ein Vorkommen folgender zehn eindeutiger Zustandsänderungsverben: <em>abstreifen, glätten, einebnen, einfügen, unterordnen, ablegen, befreien, stabilisieren, beschleuningen</em> und <em>eliminieren</em>. Alles wird als Prozess ausgedrückt.</p>
<p>Leider ist keine der beschriebenen Zustandsänderungen auch nur ansatzweise in der Zeit verankert. Han sagt nichts darüber aus, wann Zustand A geherrscht hat, herrscht oder herrschen wird oder darüber, wann Zustand B geherrscht hat, herrscht oder herrschen wird. Es gibt keine Hinweise darauf, wann und wie oft der beschriebene Vorgang eingesetzt hat, einsetzt oder einsetzen wird, wie schnell er verlief, verläuft oder verlaufen wird und ob und wann er abgeschlossen war, ist oder sein wird. Vor allem fehlen Zeitangaben wie <em>in den letzten zehn Jahren</em>, <em>zukünftig</em> oder <em>immer dann, wenn</em>.</p>
<p>Auch das Tempus hilft nicht weiter. Die ganze Passage ist im Präsens geschrieben. Aber ich kann ums Verrecken nicht erkennen, ob das ein <a href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pr%C3%A4sens&amp;oldid=96744109">aktuelles, generelles, historisches, futurisches oder gar szenisches Präsens</a> sein soll. Wird hier ein aktueller Prozess beschrieben oder eine allgemeine Aussage getroffen? Wenn Letzteres, geht es um einen lang andauernden oder einen sich immer wieder wiederholenden Prozess?</p>
<p>Schließlich die Konjunktion <em>wenn</em>, ein weiterer Grundpfeiler dieser Geheimsprache. Sie bedeutet hier sicher mehr, als dass Dinge zur gleichen Zeit stattfinden. Aber was? Kausation, Korrelation, Definition? Wird Transparenz durch das Abstreifen jeder Negativität <em>verursacht</em>? Oder treten Transparenz und das Abstreifen jeder Negativität typischerweise gemeinsam auf? Wenn ja, auf welchen Beobachtungen, in welchem Zeitraum, in welcher Kultur, an welchem Ort, beruht diese Generalisierung? Oder will Han den Begriff <em>Transparenz</em> hier überhaupt erst <em>definieren</em>, als das Abstreifen jeder Negativität (und/oder der ganzen anderen Vorgänge, von denen er schreibt)? Es bleibt das Geheimnis Hans und derer, die seine Sprache sprechen.</p>
<p>Ich will mich hier nicht nur lustig machen über einen schwierigen Schreibstil. Ich verstehe aufrichtig nicht, was gemeint ist. Vielleicht verstehe ich wirklich einfach nur die philosophische Fachsprache nicht. Hat dieses Präsens, haben diese Prozessbeschreibungen, hat dieses <em>wenn</em> in der Philosophie eine konventionelle technische Bedeutung? Wissen Fachleute, wie sie es zu interpretieren haben? Wenn ja, bitte ich um Aufklärung. Bis dahin werde ich wohl annehmen müssen, dass es sich um eine Methode zur Verschleierung handelt. Zur Verschleierung der Tatsache, dass die eigene Positon auf vagen, selbstausgedachten Zusammenhängen beruht, die man nicht begründen, geschweige denn belegen kann. <a href="http://texttheater.net/eleganter-unsinn">Es würde mich nicht wundern.</a></p>
<p>PS: Der überwiegende Rest von Hans Artikel ist dankenswerterweise nicht in diesem Stil geschrieben.</p>
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		<title>Unfug mit Fügungen</title>
		<link>http://texttheater.net/unfug-mit-fuegungen</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Dec 2011 11:32:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Sprache ist auch dazu da, seine Mitmenschen zu verwirren. So bereitet es mir großes Vergnügen, Wortfolgen, die normalerweise in einer eingebürgerten, festen Bedeutung gebraucht werden, in anderen Bedeutungen zu verwenden, die sich aber auch aus den Bedeutungen der einzelnen Wörter &#8230; <a href="http://texttheater.net/unfug-mit-fuegungen">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sprache ist auch dazu da, seine Mitmenschen zu verwirren. So bereitet es mir großes Vergnügen, Wortfolgen, die normalerweise in einer eingebürgerten, festen Bedeutung gebraucht werden, in anderen Bedeutungen zu verwenden, die sich aber auch aus den Bedeutungen der einzelnen Wörter herleiten lassen.</p>
<p>Ein Beispiel ist die Fügung <b>es sei denn</b>, deren Etymologie ich im <a href="http://texttheater.net/es-sei-denn">letzten Blogpost</a> skizziert habe. Wie schön lässt sich der Konjunktiv I zur Wunschform umdeuten und das <i>denn</i> in seiner Bedeutung <i>also</i> verwenden. Schon hat man einen prima Spruch, um sich ins Schicksal zu fügen und den Lauf der Dinge zu affirmieren: <i>Nun gut, es sei denn.</i></p>
<p>Das altertümliche <b>siehe da</b> erstrahlt in neuer Frische, wenn man das <i>siehe</i> in seiner ungebrochen modernen Verwendung für Verweise verwendet und ein Hyperlink das einfache deiktische Adverb mit Sinn erfüllt: siehe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink">da</a>.</p>
<p><b>Oder so</b> kennt man als Ungenauigkeit und Ungewissheit ausdrückende Fügung (<i>er hieß Schymanski oder so</i>), kann man aber auch prima gebrauchen, um einen Gegenvorschlag anzuerkennen: <i>Lass uns zur Pizzeria und dann einkaufen gehen. – Oder wir kaufen heute ein, essen zu Hause und gehen morgen essen. – Oder so.</i></p>
<p>Ab und zu gerät man an einen Gegenstand, der sowohl ästhetisch als auch funktional wenig zu wünschen übrig lässt. Man beschreibe ihn als <b>schön und gut</b> und freue sich daran, wie irreführend die Homonymie mit der abschätzig-einräumenden Formel <i>Das ist ja schön und gut, aber…</i> ist.</p>
<p>Die Mehrdeutigkeit des Wortes <i>schon</i> nutzte @kasia886 für <a href="https://twitter.com/#!/kasia886/statuses/19104637646">einen sehr gelungenen Tweet</a> im Sinne dieses Beitrags (Hervorhebung von mir): <i><b>Du weißt schon.</b> Aber ich noch nicht.</i></p>
<p>Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, wie schön man sich im Adminstrationsbereich der deutschen Version von WordPress <b>zur Seite</b> klicken kann, also zum Frontend des Blogs.</p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>(Es sei) denn: Adverbialsätze mit Verbzweitstellung</title>
		<link>http://texttheater.net/es-sei-denn-adverbialsaetze-mit-verbzweitstellung</link>
		<comments>http://texttheater.net/es-sei-denn-adverbialsaetze-mit-verbzweitstellung#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 01:42:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Adverbialsatz ist ein Nebensatz, der die Wahrheitsbedingungen des übergeordneten Satzes modifiziert. Bei den meisten Typen von Adverbialsätzen ist diese Modifikation monoton, das heißt, wenn das Gefüge aus übergeordnetem Satz und Adverbialsatz wahr ist, ist auf jeden Fall auch der &#8230; <a href="http://texttheater.net/es-sei-denn-adverbialsaetze-mit-verbzweitstellung">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Adverbialsatz ist ein Nebensatz, der die Wahrheitsbedingungen des übergeordneten Satzes modifiziert. Bei den meisten Typen von Adverbialsätzen ist diese Modifikation <em>monoton</em>, das heißt, wenn das Gefüge aus übergeordnetem Satz und Adverbialsatz wahr ist, ist auf jeden Fall auch der übergeordnete Satz wahr. So zum Beispiel bei <em>kausalen</em> Adverbialsätzen, die einen Grund angeben: Wenn das Gefüge <em>Wir gehen nach Hause, weil es regnet</em> wahr ist, ist auch der übergeordnete Satz <em>Wir gehen nach Hause</em> zwingend wahr. Nicht monoton sind dagegen die <em>konditionalen</em> Adverbialsätze (eingeleitet durch Konjunktionen wie <em>wenn</em>, <em>falls</em>, <em>sofern</em>, <em>außer</em>…), die eine Bedingung für das Geschehen angeben: Wenn das Gefüge <em>Wenn es regnet, bleiben wir zu Hause</em> wahr ist, muss deshalb der Satz <em>Wir bleiben zu Hause</em> nicht unbedingt wahr sein.</p>
<p>Im Deutschen erkennt man Adverbialsätze typischerweise daran, dass sie mit einer Konjunktion eingeleitet werden und Verbletztstellung aufweisen, das flektierte Verb also hinten steht. Es gibt aber auch konditionale (und temporale) Adverbialsätze, die keine Konjunktion haben und Verberststellung aufweisen, wie das <em>Hilfst du mir</em> in <em>Hilfst du mir, helf ich dir.</em></p>
<p>Es gibt noch ein weiteres Baumuster für konditionale Adverbialsätze, das allerdings so gut wie ausgestorben ist. Man begegnet ihm in alten Texten, zum Beispiel in der Lutherbibel: <em>Ich lass dich nicht, du segnest mich denn.</em> Die Kennzeichen sind Verbzweitstellung, oft Konjunktiv I und das Wort <em>denn</em>, das sich hier syntaktisch wie ein Adverb, semantisch aber, wenn man so will, eher wie eine Konjunktion mit der Bedeutung <em>wenn nicht, außer</em> verhält. (In anderen Bedeutungen kommt <em>denn</em> ja sowohl als Konjunktion – <em>Wir gehen nach Hause, denn es regnet</em> – als auch als Adverb – <em>Ich brauch denn mal Hilfe</em> – vor.)</p>
<p>Liebe Germanist/inn/en! War diese Konstruktion immer so ungewöhnlich, wie sie heute erscheint, oder gibt es in der deutschen Sprachgeschichte weitere bekannte Beispiele für<s>&#8230; fassen wir den Gegenstand erst mal weit: Adverbialsätze mit Verbzweitstellung?</s> Adverbialsätze mit Verbzweitstellung, die ohne Konjunktion angeschlossen werden?</p>
<p>Im heutigen Standarddeutschen ist die Konstruktion mit <em>denn</em> jedenfalls ein Fremdkörper und wird nicht mehr produktiv verwendet, sie ist allerdings erstarrt in der Wendung <em>es sei denn, X</em> erhalten, wobei <em>X</em> wahlweise ein ganz normaler <em>dass</em>-Satz oder Verbzweitsatz ist.</p>
<p>Siehe auch: <a href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/?lemma=denn">Eintrag für <em>denn</em> im Deutschen Wörterbuch</a> (man suche nach <em>nisi</em>).</p>
<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Blogspektrogramm #8</title>
		<link>http://texttheater.net/blogspektrogramm-8</link>
		<comments>http://texttheater.net/blogspektrogramm-8#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 20:25:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinter den Kulissen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht-koreanische Zeichen auf Seouler Werbeplakaten – was hat es mit ihnen auf sich? Das Adjektiv nah – hat es mehr als einen korrekten Superlativ? Das jüngst erschienene Buch mit hausgemachten Neologismen von Sascha Lobo – ist es gut? Sprache ist ständig &#8230; <a href="http://texttheater.net/blogspektrogramm-8">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht-koreanische Zeichen auf Seouler Werbeplakaten – was hat es mit ihnen auf sich? Das Adjektiv <em>nah</em> – hat es mehr als einen korrekten Superlativ? Das jüngst erschienene Buch mit hausgemachten Neologismen von Sascha Lobo – ist es gut? Sprache ist ständig <em>under construction</em> – wie lässt sich das humorvoll illustrieren? Enten, die aus Wikipedia in Zeitungsartikel und Reden übernommen werden – welche gibt es da noch, außer dem besonders bekannten zehnten Vornamen zu Guttenbergs? Pseudo-Anglizismen – können uns Muttersprachler/innen des Englischen ihrer zweifelsfrei überführen? Und natürlich die Wahl zum Anglizismus des Jahres – was, warum, wie, wer, wann? Die Antworten erreichen Sie über das <strong><a href="http://www.extraflach.de/blog/2011/12/16/blogspektrogramm-8/">achte Blogspektrogramm</a></strong>, die Ausgabe für November 2011, diesmal wieder bei Susanne von */ˈdɪːkæf/.</p>
<p>Die nächste Ausgabe wird voraussichtlich hier im Texttheater erscheinen. Wie unter den derzeitigen Mitmachenden per E-Mail besprochen, soll die Weitergabe der Ausrichtung in Zukunft nicht mehr zentral (über Anatol) erfolgen, sondern jede/r, der/die das Spektrogramm ausrichtet, soll sich hauptverantwortlich um eine/n Nachfolger/in kümmern. Wer also im Februar gerne das zehnte Blogspektrogramm ausrichten möchte, darf sich ab sofort bei mir melden! Ebenso hochwillkommen sind mir ab sofort Vorschläge für tolle Blogs zu Sprachwissenschaft und verwandten Themen, die man für eine Teilnahme gewinnen könnte. Wie das Ganze noch mal funktioniert? <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-05-16/blogspektrogramm-1">Kann man hier nachlesen.</a></p>
<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Arabische Hangulimitate</title>
		<link>http://texttheater.net/arabische-hangulimitate</link>
		<comments>http://texttheater.net/arabische-hangulimitate#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 09:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arabisch]]></category>
		<category><![CDATA[Koreanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://texttheater.net/?p=3019</guid>
		<description><![CDATA[Wir erinnern uns, dass es findigen Seouler Werbemenschen gelungen war, den koreanischen Satz 고맙습니다 („Danke“) so zu schreiben, dass es wie arabische Schrift aussieht: Wir erinnern uns auch, dass ich zuvor aufgegeben hatte, zu entziffern, welche arabischen Buchstaben hier verwendet wurden. &#8230; <a href="http://texttheater.net/arabische-hangulimitate">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Hangulimitate" href="http://texttheater.net/hangulimitate">Wir erinnern uns</a>, dass es findigen Seouler Werbemenschen gelungen war, den koreanischen Satz 고맙습니다 („Danke“) so zu schreiben, dass es wie arabische Schrift aussieht:</p>
<div id="attachment_3033" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://culturenomicsblog.seoul.go.kr/1781"><img class="size-full wp-image-3033" title="Arabische Hangulimitate" src="http://texttheater.net/wp-content/Screenshot-bindings-2d.jpg" alt="" width="450" height="208" /></a><p class="wp-caption-text">Quelle: Seoul Culturenomics</p></div>
<p>Wir erinnern uns auch, dass ich zuvor aufgegeben hatte, zu entziffern, welche arabischen Buchstaben hier verwendet wurden. Es ist schwierig, weil</p>
<ol>
<li>die Buchstaben miteinander verbunden sind, so wie in tatsächlicher arabischer Schrift. Wer nicht arabisch lesen gelernt hat, kann nur raten, wo ein Buchstabe aufhört und der nächste beginnt.</li>
<li>viele arabische Buchstaben stark unterschiedliche Formen annehmen, je nach dem, ob sie allein dastehen, nach links, nach rechts oder nach beiden Seiten verbunden sind. Man spricht von isolierten, initialen, finalen und medialen Formen. Versucht man etwas zu entziffern, muss man also nicht nur mit 28 (so viele Buchstaben hat das arabische Alphabet), sondern mit 66 Glyphen abgleichen, <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Arabisches_Alphabet&amp;oldid=96090818#Buchstaben">siehe diese Tabelle</a>.</li>
<li>die koreanischen Designer sich nicht überall an diese positionsabhängigen Formen gehalten haben, sonst hätte man sich bei der Suche nach einem bestimmten Segment ja jeweils auf eine Spalte der Tabelle beschränken können. Namentlich scheint mir der zweite Glyph von rechts ﻏ zu sein, die initiale Form des Ghain. Diese könnte eigentlich keine Verbindung nach rechts haben; die Verbindung wurde wohl hineingephotoshopt. Abgesehen davon ist es mir letztlich (siehe unten) gelungen, alles ohne illegale Verbindungen nach rechts oder links zu erklären, allein das linke von den beiden Zeichen unterhalb der Grundlinie, meinem Dafürhalten nach ein ج (Dschim) wurde <em>nach oben</em> verbunden.</li>
<li>die koreanischen Designer sich auch sonst mehr künstlerische Freiheit genommen haben als bei den anderen beiden Plakaten: Ich habe mir für diesen Blogeintrag gerade mal so die Grundlagen der arabischen Schrift angelesen und kenne natürlich nicht übermäßig viele arabische Schriftarten, aber mir scheint, dass Teile mancher Buchstaben weggeschnitten und manche Größenverhältnisse manipuliert wurden.</li>
</ol>
<p>Hier nun meine Theorie, welche Zeichen für das gelbe Plakat benutzt wurden, an welcher Stelle und mit welchen Manipulationen:</p>
<table style="background-color: #ffffcc;">
<tbody>
<tr>
<th>Hangul-Silbenblock</th>
<th>Hangul-Buchstabe</th>
<th>Fremdes Zeichen</th>
<th>Schrift</th>
<th>Anm.</th>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">고</td>
<td>ㄱ</td>
<td>ﺤ‎‎ (Hāh, medial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td><sup>5</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅗ</td>
<td>ﺰ (Zāin, final)</td>
<td>Arabisch</td>
<td><sup>6</sup></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">맙</td>
<td>ㅁ</td>
<td>ﻌ ‎‎‎‎‎(’Ain, medial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ﻟ (Lām, medial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅂ</td>
<td>ﺝ‎ (Dschīm, isoliert)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">습</td>
<td>ㅅ</td>
<td>ﻨ‎ (Nūn, medial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅡ</td>
<td>(fehlt)</td>
<td></td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅂ</td>
<td>ظ (Zā, isoliert)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">니</td>
<td>ㄴ</td>
<td rowspan="2">‏ﺴ‎ (Sīn, medial)</td>
<td rowspan="2">Arabisch</td>
<td rowspan="2"><sup>7</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅣ</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">다</td>
<td>ㄷ</td>
<td>ﻏ (Ghain, initial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">ㅏ</td>
<td>ﻟ (Lām, initial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td rowspan="2"><sup>8</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>١ (1)</td>
<td>Indische Ziffern</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><sup>5</sup> Klassischerweise sieht das mediale Hāh deutlich anders aus, aber in modernen Schriftarten mit strenger Geometrie tatsächlich manchmal einfach wie ein Bogen, der an der durchgezogenen Grundlinie endet. Ich habe allerdings noch nie gesehen, dass es sich unten wieder so weit nach links krümmt, wie es auf dem Plakat aussieht, daher habe ich an der Hāh-Theorie noch so meine Zweifel. Auch nicht besser gefallen mir allerdings die Möglichkeiten, der ganze erste Silbenblock könnte durch ein ذ dargestellt sein, das den Punkt in der Öffnung statt oben hat, oder durch ein ن, das nach links statt nach oben geöffnet ist.<br />
<sup>6</sup> Hier brauchte ich irgendeinen Buchstaben, der nur aus einer niedrigen Spitze mit Punkt drüber besteht. Das Zāin passte gut, wenn man seinen Schnörkel links wegschneidet.<br />
<sup>7</sup> Hier wurde m.E. der ganze Silbenblock durch ein Sīn dargestellt, dem allerdings die mittlere Spitze entfernt und die rechte möglicherweise noch etwas nach oben verlängert wurde. Dafür spricht auch der große Abstand zu dem Nūn links daneben, den man in manchen Schriftarten wiederfindet, <a href="http://www.worldaccent.com/blog/images/modern-arabic-font-helveticaneue+frutiger.jpg">zum Beispiel in Linotypes Neue Helvetica Arabic, aber nicht in Frutiger Arabic</a> (fünftes Wort von rechts; <a href="http://www.worldaccent.com/blog/2010/08/arabic-typesetting-fonts-of-wisdom.html">Quelle</a>). Die horizontale Linie, die diesen Abstand ausfüllt, könnte man sogar als das im Silbenblock links daneben fehlende koreanische U deuten.<br />
<sup>8</sup> Hier wurde in die andere Richtung vom Ein-Zeichen-pro-Hangul-Buchstabe-Prinzip abgewichen: Das ㅏ wurde durch ein initiales Lām und ein Strichelchen dargestellt, das mir von Form und kulturellem Kontext her am ehesten wie die Indische Ziffer 1 vorkommt. (Ja. Im Arabischen werden Zahlen mit – ihrer Herkunft nach so genannten – Indischen Ziffern geschrieben. Was wir Arabische Ziffern nennen, sind die abendländischen Fortentwicklungen derselben, die sich in der Form schon recht stark unterscheiden.)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Hangulimitate</title>
		<link>http://texttheater.net/hangulimitate</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 23:59:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Koreanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Geschriebene Sprache kann auf mehr als einer Ebene Bedeutung vermitteln. Einmal zählt natürlich, was geschrieben steht. Aber auch, wie es geschrieben steht. Ich denke da besonders an die Wahl der Schrift: Comic Sans MS vermittelt andere unterschwellige Botschaften als Times &#8230; <a href="http://texttheater.net/hangulimitate">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Geschriebene Sprache kann auf mehr als einer Ebene Bedeutung vermitteln. Einmal zählt natürlich, <em>was</em> geschrieben steht. Aber auch, <em>wie</em> es geschrieben steht. Ich denke da besonders an die Wahl der Schrift: <span style="font-family: 'Comic Sans MS';">Comic Sans MS</span> vermittelt andere unterschwellige Botschaften als <span style="font-family: 'Times New Roman';">Times New Roman</span>. Ob ein Text mit lateinischen oder kyrillischen Botschaften geschrieben wird, kann in einigen Sprachen je nach historischem Kontext ganz schöne politische Sprengkraft haben. In ganz besonderen Fällen wird etwas in einem Schriftsystem A geschrieben, aber einzelne oder alle Zeichen werden durch ähnlich aussehende Zeichen aus einem Schriftsystem B ersetzt, zum Beispiel: HΣLLΛS oder ЯUSSLAИD. Das erweckt dann Assoziationen mit der Kultur, mit der wir die fremden Zeichen verknüpfen – und führt zu gerümpften Nasen bei Sprachsnobs, die natürlich wissen, dass man Σ nicht E, sondern S ausspricht, Λ nicht A, sondern L, Я nicht R, sondern Ya, und И nicht N, sondern I. Ich aber frage: Ist das Spiel mit den ähnlich aussehenden Zeichen verwerflich, nur weil die Lautwerte ignoriert werden? Wartet mit der Antwort, bis ihr diese koreanischen Plakate gesehen habt:</p>
<div id="attachment_3007" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://culturenomicsblog.seoul.go.kr/1781"><img class="size-full wp-image-3007" title="plakate" src="http://texttheater.net/wp-content/plakate.jpg" alt="" width="450" height="636" /></a><p class="wp-caption-text">Quelle: Seoul Culturenomics</p></div>
<p>So weit ich es der <a href="http://translate.google.com/translate?sl=auto&amp;tl=en&amp;js=n&amp;prev=_t&amp;hl=en&amp;ie=UTF-8&amp;layout=2&amp;eotf=1&amp;u=http%3A%2F%2Fculturenomicsblog.seoul.go.kr%2F1781&amp;act=url ">Google-Übersetzung</a> des <a href="http://culturenomicsblog.seoul.go.kr/1781">koreanischen Blogeintrags</a> entnehmen kann, handelt es sich um eine Imagekampagne der Stadt Seoul, die ihre Internationalität herausstreichen möchte. Eine russische Freundin und Studienkollegin, die zur Zeit zur Internationalität der Bevölkerung von Seoul beiträgt, hat die Plakatserie dort in der Metro entdeckt, auf einer Mailingliste Tübinger Computerlinguist/inn/en gepostet und für einige Diskussion gesorgt. Ich musste dieser Diskussion einige Zeit lang folgen und selbst herumrätseln, bevor ich darauf kam, was genau es mit den nicht-koreanischen Zeichen auf sich hat, die groß in der Mitte der drei Plakate prangen. Um es kurz zu machen: Das sind koreanische Sätze, nämlich 안녕하세요 (Hallo), 반갑습니다 (Schön, Sie kennenzulernen) und 고맙습니다 (Danke). (Übersetzungen von Google Translate.) Nur sind die Buchstaben des koreanischen Schriftsystems <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hangul">Hangul</a> durch Zeichen aus verschiedenen anderen Schriftsystemen ersetzt. Ein Hangul-Buchstabe ist immer durch genau ein Zeichen ersetzt (zumindest auf dem roten dem blauen Plakat, bei dem gelben bin ich mir nicht sicher), und die Zeichen sind wie im Hangul zu Silbenblöcken arrangiert.</p>
<p>Welches Plakat welchem Kulturkreis zuzuordnen ist, ist zumindest bei dem roten und bei dem gelben klar: Das rote verwendet Zeichen aus den beiden japanischen Morenschriften Hiragana und Katakana (im Hintergrund wird das Hiragana aufgelistet) und zeigt zwei stereotype japanische Personen. Das gelbe verwendet arabische Buchstaben und zeigt drei stereotype arabische Personen. Das blaue zeigt drei stereotype westliche Personen und listet im Hintergrund das lateinische Alphabet (wobei W und V in der Reihenfolge vertauscht sind). Das „Hangul“ im Vordergrund verwendet das lateinische Alphabet jedoch möglicherweise überhaupt nicht, auch wenn alle Zeichen stark an Zeichen des lateinischen Alphabets erinnern, für Koreaner/innen vermutlich umso mehr. Die wie C, L und I aussehenden Zeichen könnten natürlich gut dem lateinischen Alphabet entstammen, ebensogut aber dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cree-Schrift">Cree-Syllabar</a> bzw. dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kyrillisches_Alphabet">Kyrillischen Alphabet</a>, die beide ohnehin vorkommen, wie an Zeichen wie ᒣ bzw. Ы zu erkennen ist. Beides nicht unbedingt typisch „westlich“.</p>
<p>Hier nun die Zeichen auf den ersten beiden Plakaten nach Hangul-Silbenblock im Einzelnen:</p>
<table style="background-color: #ffdddd;">
<tbody>
<tr>
<th>Hangul-Silbenblock</th>
<th>Hangul-Buchstabe</th>
<th>Fremdes Zeichen</th>
<th>Schrift</th>
<th>Anmerkungen</th>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">안</td>
<td>ㅇ</td>
<td>の</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ト</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㄴ</td>
<td>し</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">녕</td>
<td>ㄴ</td>
<td>し</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅕ</td>
<td>キ</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅇ</td>
<td>の</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">하</td>
<td>ㅎ</td>
<td>ゐ</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ト</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">세</td>
<td>ㅅ</td>
<td>ヘ</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅔ</td>
<td>り</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">요</td>
<td>ㅇ</td>
<td>の</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅛ</td>
<td>ル</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table style="background-color: #ddddff;">
<tbody>
<tr>
<th>Hangul-Silbenblock</th>
<th>Hangul-Buchstabe</th>
<th>Fremdes Zeichen</th>
<th>Schrift</th>
<th>Anmerkungen</th>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">반</td>
<td>ㅂ</td>
<td>Ы</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ᒐ</td>
<td>Cree</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㄴ</td>
<td>ᒪ</td>
<td>Cree</td>
<td><sup>1</sup></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">갑</td>
<td>ㄱ</td>
<td>ᒣ</td>
<td>Cree</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ᒐ</td>
<td>Cree</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅂ</td>
<td>Ы</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">습</td>
<td>ㅅ</td>
<td>⅄</td>
<td>-</td>
<td><sup>3</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅡ</td>
<td>–</td>
<td>?</td>
<td><sup>4</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅂ</td>
<td>Ы</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">니</td>
<td>ㄴ</td>
<td>ᒪ</td>
<td>Cree</td>
<td><sup>1</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅣ</td>
<td>І</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td><sup>1 2</sup></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">다</td>
<td>ㄷ</td>
<td>С</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td><sup>1</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ᒐ</td>
<td>Cree</td>
<td></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><sup>1</sup> Diese Zeichen könnten dem Aussehen nach natürlich auch dem lateinischen Alphabet entstammen, aber ich ordne sie mal so zu, dass ich möglichst wenige Alphabete/Syllabare brauche.<br />
<sup>2</sup> Die meisten kyrillisch geschriebenen Sprachen verwenden das Zeichen І nicht, einige aber schon, z.B. das Ukrainische.<br />
<sup>3</sup> <a href="http://www.fileformat.info/info/unicode/char/2144/index.htm">Dieses umgedrehte Y</a> wird m.W. in keinem Schriftsystem für natürliche Sprache verwendet. Der Unicode-Standard ordnet es im Block <em>Letterlike Symbols</em> und in der Kategorie <em>Symbol, Math</em> ein.<br />
<sup>4</sup> Das könnte natürlich auch alles Mögliche sein, ich habe mal den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Halbgeviertstrich">Halbgeviertstrich</a> eingetragen.</p>
<p>Die arabischen Buchstaben kriege ich nicht ohne Hilfe identifiziert. Kompetente Zuschriften führen zu Nachtrag, Ruhm und Ehre!</p>
<p>Herzlichen Dank an K., A., D., Z. und A., die mich durch Entdecken, Wiederentdecken, Diskutieren und Identifizieren auf die Plakate aufmerksam gemacht und viele Informationen beigesteuert haben, die in diesen Blogeintrag eingeflossen sind. Alle Fehler sind natürlich meine eigenen. Wer sie findet, muss sie abgeben (Kommentarbereich unten, E-Mail siehe Impressum).</p>
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		<title>Blogspektrogramm #7</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 19:24:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinter den Kulissen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher, als man Deutsch in Frakturschrift setzte, Fremdwörter aber in Antiqua, was machte man da eigentlich mit diesbezüglich heterogenen Zusammensetzungen? Ist es unfreundlich, zu sagen, Irland sei auf Ramschniveau herabgestuft worden? Man hört oft, der Busen bezeichne eigentlich nicht die weiblichen Brüste, sondern &#8230; <a href="http://texttheater.net/blogspektrogramm-7">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Früher, als man Deutsch in Frakturschrift setzte, Fremdwörter aber in Antiqua, was machte man da eigentlich mit diesbezüglich heterogenen Zusammensetzungen? Ist es unfreundlich, zu sagen, <em>Irland</em> sei <em>auf Ramschniveau herabgestuft</em> worden? Man hört oft, der <em>Busen</em> bezeichne eigentlich nicht die weiblichen Brüste, sondern nur das Tal dazwischen, wie weit ist es mit der Behauptung her? Was für schöne Wortpaare gibt es, die ähnlich aussehen und doch Gegensätzliches bedeuten? Wenn man die deutsche Verlaufsform <em>am Benutzen</em> ist, wird das Verb dann groß geschrieben? <em>A</em> wie <em>Anton</em>, <em>B</em> wie <em>Berta</em>, ist dieses Buchstabieralphabet noch zeitgemäß? Antworten auf all diese Fragen sind über das <strong><a href="http://lexikographieblog.wordpress.com/2011/10/31/anton-berta-casar-und-dora/">siebte Blogspektrogramm</a></strong> zu erreichen, diesmal bei Michael Mann im Lexikografieblog.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Palpebralisierung alveolarer Plosive</title>
		<link>http://texttheater.net/palpebralisierung-alveolarer-plosive</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 20:36:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Transrational]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf der CD „Der Paganini der Abschweifung“ live sagt Harry Rowohlt: Das Wort Dortmund spricht man übrigens anders aus, als es geschrieben wird. Das t in der Mitte lässt man weg, und als Entschädigung plinkert man einmal kurz mit den Augen: Doa’mund. Der &#8230; <a href="http://texttheater.net/palpebralisierung-alveolarer-plosive">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der CD <em>„Der Paganini der Abschweifung“ live</em> sagt Harry Rowohlt:</p>
<blockquote><p>Das Wort <em>Dortmund</em> spricht man übrigens anders aus, als es geschrieben wird. Das <em>t</em> in der Mitte lässt man weg, und als Entschädigung plinkert man einmal kurz mit den Augen: Doa’mund.</p></blockquote>
<p>Der Phonologe nennt es Palpebralisierung (vgl. <a href="http://www.skoeser.de/inhalt/forschung/magisterarbeit/MA_Glottalisierung.html">Glottalisierung</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Augenlid">Palpebra</a>).</p>
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		<title>Blogspektrogramm #6</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 19:33:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinter den Kulissen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Schöne an den Beiträgen zum Blogspektrogramm ist, dass sie immer irgendwelche Fragen beantworten, die man als Sprachinteressierter schon lange gehabt hat. In meinem Fall waren das diesmal diese: Manche schreiben outgesourcet, manche outgesourced – ist das eine rein orthografische Verwirrung &#8230; <a href="http://texttheater.net/blogspektrogramm-6">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Schöne an den Beiträgen zum Blogspektrogramm ist, dass sie immer irgendwelche Fragen beantworten, die man als Sprachinteressierter schon lange gehabt hat. In meinem Fall waren das diesmal diese:</p>
<ul>
<li>Manche schreiben <em>outgesourcet</em>, manche <em>outgesourced</em> – ist das eine rein orthografische Verwirrung oder gibt es entsprechende Unterschiede in der Aussprache?</li>
<li>Warum steht in frz. <em>dimanche</em> das <em>di</em> im Gegensatz zu den anderen Wochentagsbezeichnungen vorn, wie ist das im Katalanischen und Spanischen und welche sprachgeschichtlichen Zusammenhänge gibt es?</li>
<li>Mit welchen Tricks und Vereinfachungen kriegt die Sprachenenzyklopädie <em>Ethnologue</em> es hin, Sprachen nach Erdteilen zu sortieren?</li>
<li>Wie wirkt mein Ich von vor fünf Jahren im Video von der Abschlussrede im Rhetorik-Seminar und was hatte es über Vornamen zu sagen?</li>
<li>Kennen auch andere das Problem, dass man an manchen Nomen- und Pronomengruppen partout keinen Genitiv markiert kriegt und wenn ja, haben sie herausgefunden, welche genau das sind?</li>
<li>Ist das Wort <em>Zerealien</em> eine Erfindung von Werbefuzzis (Tipp: nein, ist es nicht)?</li>
</ul>
<p>Wer auch nur eine dieser Fragen teilt, sollte im Sprachlog beim <strong><a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-10-20/blogspektrogramm-6">sechsten Blogspektrogramm</a></strong> vorbeischauen.</p>
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