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	<title>Texttheater &#187; Medien</title>
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	<description>Die kleinste Bühne der Blogosphäre</description>
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		<title>Zugegebenermaßen aus dem Kontext gerissen</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 01:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die aktuelle Zeit interviewt die grüne NRW-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann: ZEIT: Wenn man Politik für Nordrhein-Westfalen macht, segelt man da nicht immer hart an der Depression vorbei? Hier eine geschlossene Zeche, da eine Stahlruine, überall Zeichen früherer Größe? Löhrmann: Nein, Nordrhein-Westfalen &#8230; <a href="http://texttheater.net/zugegebenermasen-aus-dem-kontext-gerissen">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
No related posts.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die aktuelle <em>Zeit</em> interviewt die grüne NRW-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann:</p>
<blockquote><p>ZEIT: Wenn man Politik für Nordrhein-Westfalen macht, segelt man da nicht immer hart an der Depression vorbei? Hier eine geschlossene Zeche, da eine Stahlruine, überall Zeichen früherer Größe?</p>
<p>Löhrmann: Nein, Nordrhein-Westfalen lebt und schillert. Zum Beispiel in Recklinghausen, da gibt es jetzt einen Wanderweg auf einer ehemaligen Kohlehalde.</p></blockquote>
<p>Einen Wan&#8230; na, dann muss man sich um die Zukunft NRWs ja keine Sorgen mehr machen.</p>
<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Die Schrecken der Facebook-Timeline</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 21:07:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Max Goldt]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Walter Jens Boris Jelzin lila Lutschmobil genannt hätte, dann hätten die Menschen gesagt: »Welch meisterliche Rhetorik!«, wenn ich Jelzin so bezeichnen würde, würde es heißen: »Was für eine skurrile Alltagsbeobachtung!«, und wenn Reinhold Messner über Boris Jelzin gesagt hätte, &#8230; <a href="http://texttheater.net/die-schrecken-der-facebook-timeline">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
No related posts.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wenn Walter Jens Boris Jelzin lila Lutschmobil genannt hätte, dann hätten die Menschen gesagt: »Welch meisterliche Rhetorik!«, wenn ich Jelzin so bezeichnen würde, würde es heißen: »Was für eine skurrile Alltagsbeobachtung!«, und wenn Reinhold Messner über Boris Jelzin gesagt hätte, er wäre ein lila Lutschmobil, hätten alle gerufen: »Was für ein schönes Gebirgsvideo!« Aber wenn Helmut Kohl so etwas sagt, hinterläßt er angeblich einen Scherbenhaufen.</p>
<p><cite style="font-size: small;">Max Goldt, Warum Dagmar Berghoff so stinkt, <em>Die Kugeln in unseren Köpfen</em>, Haffmans 1995</cite></p></blockquote>
<p>Und wenn Facebook Boris Jelzin ein lila Lutschmobil nennt (oder die Timeline einführt, oder die Schriftart ändert, oder den Blauton&#8230;), sagen alle: „Was für ein dreister Angriff auf meine Privatsphäre!“</p>
<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Eine kleine Taxonomie der Funktionen von Twitter-Hashtags in meiner Timeline</title>
		<link>http://texttheater.net/eine-kleine-taxonomie-der-funktionen-von-twitter-hashtags-in-meiner-timeline</link>
		<comments>http://texttheater.net/eine-kleine-taxonomie-der-funktionen-von-twitter-hashtags-in-meiner-timeline#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 22:37:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[Hashtags dienen dazu, Tweets zu gruppieren: Tweets zu einem Thema, dass für einen relativ engen, wohldefinierten Personenkreis interessant ist, z.B. für die Teilnehmer einer bestimmten Veranstaltung wie #28c3 oder #spack0. Tweets, die eine Serie bilden, ein bestimmtes Mem instanziieren, das &#8230; <a href="http://texttheater.net/eine-kleine-taxonomie-der-funktionen-von-twitter-hashtags-in-meiner-timeline">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hashtags dienen dazu, Tweets zu <strong>gruppieren</strong>:</p>
<ul>
<li>Tweets zu einem Thema, dass für einen relativ engen, wohldefinierten Personenkreis interessant ist, z.B. für die Teilnehmer einer bestimmten Veranstaltung wie <a href="https://twitter.com/#!/search/%2328c3">#28c3</a> oder <a href="https://twitter.com/#!/search/%23spack0">#spack0</a>.</li>
<li>Tweets, die eine Serie bilden, ein bestimmtes Mem instanziieren, das für alle interessant ist, die daran Freude haben, z.B. <a href="https://twitter.com/#!/search/%23lessambitiousbooks">#lessambitiousbooks</a> oder <a href="#thingswhitepeopleinvented">#ThingsWhitePeopleInvented</a>. Ähnlich wie eine Kolumne oder regelmäßiger Cartoon in einer Zeitschrift, mit dem Unterschied, dass alle mitmachen können. Auch Werbekampagnen werden in diesem Format betrieben, z.B. <a href="https://twitter.com/#!/search?q=%23ProgressIs">#ProgressIs</a> von Audi.</li>
<li>Tweets zu einem aktuellen, das Interesse großer Teile der Twitteröffentlichkeit auf sich ziehenden Thema, wie z.B. <a href="https://twitter.com/#!/search/%23wulff">#Wulff</a> oder <a href="https://twitter.com/#!/search/%23kuerschnergate">#kuerschnergate</a>.</li>
</ul>
<p>Hashtags dienen dazu, nicht ausformulierte Neben-<strong>Kommentare</strong> zu einem Tweet hinzuzufügen:</p>
<ul>
<li>Sie enthalten kurze, oft emotionale Reaktionen auf den Gegenstand des Tweets, etwa <a href="https://twitter.com/#!/search/%23happy">#happy</a>, <a href="https://twitter.com/#!/search/%23fail">#fail</a>, <a href="https://twitter.com/#!/search/%23wtf">#wtf</a> oder <a href="https://twitter.com/#!/search/realtime/%23iwouldratherhaveamoose">#iwouldratherhaveamoose</a>. Dieser Typ wird <a href="http://languagelog.ldc.upenn.edu/nll/?p=3671">in einem Language-Log-Artikel</a>, insbesondere <a href="http://languagelog.ldc.upenn.edu/nll/?p=3671#comment-159606">in jk’s Kommentar</a>, sowie <a href="http://www.newyorker.com/online/blogs/susanorlean/2010/06/hash.html">im New Yorker</a> ausführlicher auseinandergenommen. Er ist auch der Typ Hashtag, der es am stärksten schon in den mündlichen Sprachgebrauch geschafft hat.</li>
<li>Sie geben an, worauf sich der Tweet bezieht. Beispiel <a href="http://twitter.com/kathrinpassig/statuses/160680766282539008">bei @kathrinpassig</a>: <em>Auch immer schön: Der Vorwurf alter gebildeter Männer, das Internet biete nur Partizipationsmöglichkeiten für junge gebildete Männer. <a href="https://twitter.com/#!/search/%23boell">#boell</a></em>. Und <a href="http://twitter.com/dnaber/statuses/2803296843">bei @dnaber</a>: <em>Das Android &#8220;Sicherheits&#8221;-Update von neulich sorgt für deutlich längere Akkulaufzeiten. Hatten bisher Hacker meinen Strom gestohlen? <a href="https://twitter.com/#!/search/%23G1">#G1</a></em>.</li>
<li>Sie erklären unauffällig einen Witz oder eine Anspielung, damit die Gebildeten nicht Duh und die Ungebildeten nicht Huh sagen. <a href="http://twitter.com/VonFernSeher/statuses/140329665737928705">So @VonFernSeher</a>: <em>@sixtus Wenn <a href="https://twitter.com/#!/search/%23Schubert">#Schubert</a> heute lebte: &#8220;Alles als gewesen markieren&#8221; <a href="https://twitter.com/#!/search/%23winterreise">#winterreise</a></em></li>
<li>Sie stellen den Tweet in einen Kontext, der den Erwartungen völlig zuwiderläuft und bilden dadurch erst die Pointe. <a href="http://twitter.com/Ohiogasimas/statuses/143461269184319488">So @Ohiogasimas</a>: <em>Hitler, er ist offen und kann auf Leute zugehen. <a href="https://twitter.com/#!/search/%23wettendass">#wettendass</a></em>. Das ist übrigens meine Lieblingsfunktion bei Hashtags. Wenn ihr weitere gute Beispiele kennt, bitte mich drauf aufmerksam machen!</li>
</ul>
<p>Hashtags dienen dazu, Leser/innen zu <strong>lenken</strong>:</p>
<ul>
<li>Eine Mini-Inhaltsangabe bzw. Themenbestimmung bei Tweets, die ansonsten nur aus einem Link und vielleicht einer kurzen emotionalen Reaktion bestehen, <a href="https://twitter.com/#!/textundblog/statuses/134750244998086656">so z.B. @textundblog</a>: <em>hehe RT @ennomane: Wie geil! http://www.duden.de/rechtschreibung/Pirat <a href="https://twitter.com/#!/search/%23Duden">#Duden</a> <a href="https://twitter.com/#!/search/%23Piraten">#Piraten</a></em>. Eine ähnliche Funktion haben in längeren Tweets scheinbar thematisch gruppierende Hashtags mit recht weiten, allgemeinen Themenfeldern wie <a href="https://twitter.com/search?q=%23typografie">#typografie</a> oder <a href="https://twitter.com/#!/search/%23kurzfilm">#kurzfilm</a>. Sie sehen zunächst ähnlich aus wie die strukturierenden Kategorien auf Wikipedia, werden aber ja nicht systematisch so verwendet, dienen also eher dazu, dem Folgefröschschen schnell zu vermitteln, ob der Link in dem Tweet es wohl interessieren wird.</li>
<li>Querverweise ermöglichen eine schnelle Suche nach Stichwörtern, die vom Kernthema des Tweets wegführen, wie z.B. <a href="https://twitter.com/#!/search/%23Schubert">#Schubert</a> in <a href="http://twitter.com/VonFernSeher/statuses/140329665737928705">@VonFernSeher’s Tweet</a>: <em>@sixtus Wenn <a href="https://twitter.com/#!/search/%23Schubert">#Schubert</a> heute lebte: &#8220;Alles als gewesen markieren&#8221; <a href="https://twitter.com/#!/search/%23winterreise">#winterreise</a></em>. Persönlich halte ich diese Verwendungsweise für zweifelhaft und eine Verwechslung von Twitter mit Wikipedia.</li>
<li>Schlagwörter werden durch das Doppelkreuz hervorgehoben. In längeren Texten dienen solche Hervorhebungen der Unterstützung des Diagonallesens, was sich bei Texten unter 141 Zeichen <em>eher</em> erübrigt. Das Motiv ist wohl mehr, mit aufgeladenen Begriffen der Leser/innen Aufmerksamkeit zu grabschen, wie @unreality in <a href="http://twitter.com/unreality/statuses/131806893218869248">zwei</a> <a href="http://twitter.com/unreality/statuses/134746542899871744">Beispielen</a> schön vorführt: <em>Liebes <a href="https://twitter.com/#!/search/%23Google">#Google</a>, wäre es evtl. möglich, zu erkennen, dass ich schon 1.000 mal den neuen Look bestätigt habe? In allen Anwendungen. Täglich.</em> Und: <em>Sagt mal, <a href="https://twitter.com/#!/search/%23Bushido">#Bushido</a>, das war doch der mit dem kleinen Penis, oder?</em> Es geht übrigens nicht nur um die Aufmerksamkeit derjenigen, die den Tweet eh lesen, weil sie @unreality folgen, sondern auch um die Aufmerksamkeit derer, die sich z.B. für Bushido interessieren und auf Twitter nach seinem Hashtag suchen. Zu dieser Gruppe könnte z.B. Bushido selbst gehören, @unreality umgehend aufspüren und übelst töten. In dieser Gefahrensuche liegt denn auch die Pointe des Tweets.</li>
</ul>
<p>Hashtags dienen dazu, einen Tweet mit <strong>Metadaten</strong> auszuzeichen:</p>
<ul>
<li>Tags wie <a href="https://twitter.com/#!/search/%23followerpower">#followerpower</a> oder <a href="https://twitter.com/#!/search/%23korrekturtweet">#korrekturtweet</a> kennzeichnen Tweets mit spezieller Funktion. Oft wird dieser Typ Tag voran- statt hintangestellt.</li>
<li>Spezielle Tags kontrollieren das Verhalten externer Tools, z.B. lässt <a href="https://twitter.com/#!/search/%23fb">#fb</a> die App Selective Tweets den Tweet nach Facebook kopieren.</li>
</ul>
<p>Gruppierende und kommentierende Funktionen überschneiden sich, wenn ein Thema durch Schaffung eines nicht mehr ganz so neutral-deskriptiven Hashtags in den Status einen Twittermems <span style="line-height: 24px;">„</span>erhoben<span style="line-height: 24px;">“</span> wird, was andere Twitterinnen und Twitterer mit ähnlicher Sichtweise dazu einlädt, dieser Sichtweise verstärkt mit solcherart getaggten Tweets Ausdruck zu verleihen. So muss es bei der Schaffung des Hashtags <a href="https://twitter.com/#!/search/realtime/%23guttengate">#guttengate </a>und anderer #-gates zugegangen sein.</p>
<p>Dieser Blogpost entstand im Rahmen des Versuchs, eine Antwort auf <a href="http://schplock.wordpress.com/2012/01/25/anglizismus-des-jahres-greift-gate-um-sich">Kristin Kopfs Frage</a> zu finden, inwiefern die oft ironische Bildung von solchen -gate-Wörtern im Zusammenhang mit ihrem Hashtagtum zu sehen ist. Hinsichtlich dieser Frage ist abgesehen von den vage in die Richtung gehenden Überlegungen im letzten Absatz nichts herausgekommen, dafür aber eine kleine Taxonomie.</p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Tempus- und Aspektmysterien der philosophischen Geheimsprache</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 20:21:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitwatch]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt eine philosophische Geheimsprache, an der ich mir immer wieder die Zähne ausbeiße. Peter Sloterdijk zum Beispiel hat seit gefühlten tausend Jahren keinen Absatz mehr geschrieben, der nicht in dieser Geheimsprache abgefasst wäre. Aber auch die folgenden Absätze aus &#8230; <a href="http://texttheater.net/tempus-und-aspektmysterien-der-philosophischen-geheimsprache">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt eine philosophische Geheimsprache, an der ich mir immer wieder die Zähne ausbeiße. Peter Sloterdijk zum Beispiel hat seit gefühlten tausend Jahren keinen Absatz mehr geschrieben, der nicht in dieser Geheimsprache abgefasst wäre. Aber auch die folgenden Absätze aus dem Artikel <a href="http://www.zeit.de/2012/03/Transparenzgesellschaft/komplettansicht">Transparent ist nur das Tote</a> von Byung-Chul Han sind ein gutes Beispiel. Der Karlsruher Philosoph schilt darin die „Ideologie“ der Transparenz (vgl. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Post_Privacy">Post-Privacy</a>) und außerdem die Piratenpartei dafür, dass bei ihr keine Ideologien (!) zugelassen seien, aber das nur am Rande. Einleitend schreibt Han:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Die Transparenzgesellschaft ist eine Positivgesellschaft. Transparent werden die Dinge, wenn sie jede Negativität abstreifen, wenn sie geglättet und eingeebnet werden, wenn sie sich widerstandslos in glatte Ströme des Kapitals, der Kommunikation und Information einfügen. Transparent werden die Handlungen, wenn sie sich dem berechen-, steuer- und kontrollierbaren Prozess unterordnen. Transparent werden die Dinge, wenn sie ihre Singularität ablegen und sich ganz im Preis ausdrücken. Transparent werden die Bilder, wenn sie, von jeder hermeneutischen Tiefe, ja vom Sinn befreit, pornografisch werden. In ihrer Positivität ist die Transparenzgesellschaft eine Hölle des Gleichen.</p>
<p>Die Kommunikation erreicht dort ihre maximale Geschwindigkeit, wo das Gleiche auf das Gleiche antwortet, wo eine Kettenreaktion des Gleichen stattfindet. Die Negativität der Anders- und Fremdheit oder die Widerständigkeit des Anderen stört und verzögert die glatte Kommunikation des Gleichen. Die Transparenz stabilisiert und beschleunigt das System dadurch, dass sie das Andere oder das Abweichende eliminiert. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Die Dichte von Fremdwörtern und Fachbegriffen ist sehr moderat. Ich störe mich auch nicht an vagen Begriffen wie <em>die Dinge</em> oder <em>das Gleiche</em>. Auf deren Bedeutung könnte man wohl im Prinzip aus dem Kontext schließen.</p>
<p>Wovor mein Verständnis aber kapituliert, das sind Tempus und Aspekt.</p>
<p>Die Geheimsprache kennt beinahe ausschließlich solche Verben, die die Änderung eines Zustandes ausdrücken. Das allerwichtigste Verb, wenn nicht Wort, der Geheimsprache überhaupt ist <em>werden</em>. Es kommt in dieser Passage sechsmal vor. Ansonsten zähle ich jeweils ein Vorkommen folgender zehn eindeutiger Zustandsänderungsverben: <em>abstreifen, glätten, einebnen, einfügen, unterordnen, ablegen, befreien, stabilisieren, beschleuningen</em> und <em>eliminieren</em>. Alles wird als Prozess ausgedrückt.</p>
<p>Leider ist keine der beschriebenen Zustandsänderungen auch nur ansatzweise in der Zeit verankert. Han sagt nichts darüber aus, wann Zustand A geherrscht hat, herrscht oder herrschen wird oder darüber, wann Zustand B geherrscht hat, herrscht oder herrschen wird. Es gibt keine Hinweise darauf, wann und wie oft der beschriebene Vorgang eingesetzt hat, einsetzt oder einsetzen wird, wie schnell er verlief, verläuft oder verlaufen wird und ob und wann er abgeschlossen war, ist oder sein wird. Vor allem fehlen Zeitangaben wie <em>in den letzten zehn Jahren</em>, <em>zukünftig</em> oder <em>immer dann, wenn</em>.</p>
<p>Auch das Tempus hilft nicht weiter. Die ganze Passage ist im Präsens geschrieben. Aber ich kann ums Verrecken nicht erkennen, ob das ein <a href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pr%C3%A4sens&amp;oldid=96744109">aktuelles, generelles, historisches, futurisches oder gar szenisches Präsens</a> sein soll. Wird hier ein aktueller Prozess beschrieben oder eine allgemeine Aussage getroffen? Wenn Letzteres, geht es um einen lang andauernden oder einen sich immer wieder wiederholenden Prozess?</p>
<p>Schließlich die Konjunktion <em>wenn</em>, ein weiterer Grundpfeiler dieser Geheimsprache. Sie bedeutet hier sicher mehr, als dass Dinge zur gleichen Zeit stattfinden. Aber was? Kausation, Korrelation, Definition? Wird Transparenz durch das Abstreifen jeder Negativität <em>verursacht</em>? Oder treten Transparenz und das Abstreifen jeder Negativität typischerweise gemeinsam auf? Wenn ja, auf welchen Beobachtungen, in welchem Zeitraum, in welcher Kultur, an welchem Ort, beruht diese Generalisierung? Oder will Han den Begriff <em>Transparenz</em> hier überhaupt erst <em>definieren</em>, als das Abstreifen jeder Negativität (und/oder der ganzen anderen Vorgänge, von denen er schreibt)? Es bleibt das Geheimnis Hans und derer, die seine Sprache sprechen.</p>
<p>Ich will mich hier nicht nur lustig machen über einen schwierigen Schreibstil. Ich verstehe aufrichtig nicht, was gemeint ist. Vielleicht verstehe ich wirklich einfach nur die philosophische Fachsprache nicht. Hat dieses Präsens, haben diese Prozessbeschreibungen, hat dieses <em>wenn</em> in der Philosophie eine konventionelle technische Bedeutung? Wissen Fachleute, wie sie es zu interpretieren haben? Wenn ja, bitte ich um Aufklärung. Bis dahin werde ich wohl annehmen müssen, dass es sich um eine Methode zur Verschleierung handelt. Zur Verschleierung der Tatsache, dass die eigene Positon auf vagen, selbstausgedachten Zusammenhängen beruht, die man nicht begründen, geschweige denn belegen kann. <a href="http://texttheater.net/eleganter-unsinn">Es würde mich nicht wundern.</a></p>
<p>PS: Der überwiegende Rest von Hans Artikel ist dankenswerterweise nicht in diesem Stil geschrieben.</p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<slash:comments>53</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Arabische Hangulimitate</title>
		<link>http://texttheater.net/arabische-hangulimitate</link>
		<comments>http://texttheater.net/arabische-hangulimitate#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 09:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arabisch]]></category>
		<category><![CDATA[Koreanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://texttheater.net/?p=3019</guid>
		<description><![CDATA[Wir erinnern uns, dass es findigen Seouler Werbemenschen gelungen war, den koreanischen Satz 고맙습니다 („Danke“) so zu schreiben, dass es wie arabische Schrift aussieht: Wir erinnern uns auch, dass ich zuvor aufgegeben hatte, zu entziffern, welche arabischen Buchstaben hier verwendet wurden. &#8230; <a href="http://texttheater.net/arabische-hangulimitate">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Hangulimitate" href="http://texttheater.net/hangulimitate">Wir erinnern uns</a>, dass es findigen Seouler Werbemenschen gelungen war, den koreanischen Satz 고맙습니다 („Danke“) so zu schreiben, dass es wie arabische Schrift aussieht:</p>
<div id="attachment_3033" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://culturenomicsblog.seoul.go.kr/1781"><img class="size-full wp-image-3033" title="Arabische Hangulimitate" src="http://texttheater.net/wp-content/Screenshot-bindings-2d.jpg" alt="" width="450" height="208" /></a><p class="wp-caption-text">Quelle: Seoul Culturenomics</p></div>
<p>Wir erinnern uns auch, dass ich zuvor aufgegeben hatte, zu entziffern, welche arabischen Buchstaben hier verwendet wurden. Es ist schwierig, weil</p>
<ol>
<li>die Buchstaben miteinander verbunden sind, so wie in tatsächlicher arabischer Schrift. Wer nicht arabisch lesen gelernt hat, kann nur raten, wo ein Buchstabe aufhört und der nächste beginnt.</li>
<li>viele arabische Buchstaben stark unterschiedliche Formen annehmen, je nach dem, ob sie allein dastehen, nach links, nach rechts oder nach beiden Seiten verbunden sind. Man spricht von isolierten, initialen, finalen und medialen Formen. Versucht man etwas zu entziffern, muss man also nicht nur mit 28 (so viele Buchstaben hat das arabische Alphabet), sondern mit 66 Glyphen abgleichen, <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Arabisches_Alphabet&amp;oldid=96090818#Buchstaben">siehe diese Tabelle</a>.</li>
<li>die koreanischen Designer sich nicht überall an diese positionsabhängigen Formen gehalten haben, sonst hätte man sich bei der Suche nach einem bestimmten Segment ja jeweils auf eine Spalte der Tabelle beschränken können. Namentlich scheint mir der zweite Glyph von rechts ﻏ zu sein, die initiale Form des Ghain. Diese könnte eigentlich keine Verbindung nach rechts haben; die Verbindung wurde wohl hineingephotoshopt. Abgesehen davon ist es mir letztlich (siehe unten) gelungen, alles ohne illegale Verbindungen nach rechts oder links zu erklären, allein das linke von den beiden Zeichen unterhalb der Grundlinie, meinem Dafürhalten nach ein ج (Dschim) wurde <em>nach oben</em> verbunden.</li>
<li>die koreanischen Designer sich auch sonst mehr künstlerische Freiheit genommen haben als bei den anderen beiden Plakaten: Ich habe mir für diesen Blogeintrag gerade mal so die Grundlagen der arabischen Schrift angelesen und kenne natürlich nicht übermäßig viele arabische Schriftarten, aber mir scheint, dass Teile mancher Buchstaben weggeschnitten und manche Größenverhältnisse manipuliert wurden.</li>
</ol>
<p>Hier nun meine Theorie, welche Zeichen für das gelbe Plakat benutzt wurden, an welcher Stelle und mit welchen Manipulationen:</p>
<table style="background-color: #ffffcc;">
<tbody>
<tr>
<th>Hangul-Silbenblock</th>
<th>Hangul-Buchstabe</th>
<th>Fremdes Zeichen</th>
<th>Schrift</th>
<th>Anm.</th>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">고</td>
<td>ㄱ</td>
<td>ﺤ‎‎ (Hāh, medial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td><sup>5</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅗ</td>
<td>ﺰ (Zāin, final)</td>
<td>Arabisch</td>
<td><sup>6</sup></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">맙</td>
<td>ㅁ</td>
<td>ﻌ ‎‎‎‎‎(’Ain, medial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ﻟ (Lām, medial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅂ</td>
<td>ﺝ‎ (Dschīm, isoliert)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">습</td>
<td>ㅅ</td>
<td>ﻨ‎ (Nūn, medial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅡ</td>
<td>(fehlt)</td>
<td></td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅂ</td>
<td>ظ (Zā, isoliert)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">니</td>
<td>ㄴ</td>
<td rowspan="2">‏ﺴ‎ (Sīn, medial)</td>
<td rowspan="2">Arabisch</td>
<td rowspan="2"><sup>7</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅣ</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">다</td>
<td>ㄷ</td>
<td>ﻏ (Ghain, initial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">ㅏ</td>
<td>ﻟ (Lām, initial)</td>
<td>Arabisch</td>
<td rowspan="2"><sup>8</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>١ (1)</td>
<td>Indische Ziffern</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><sup>5</sup> Klassischerweise sieht das mediale Hāh deutlich anders aus, aber in modernen Schriftarten mit strenger Geometrie tatsächlich manchmal einfach wie ein Bogen, der an der durchgezogenen Grundlinie endet. Ich habe allerdings noch nie gesehen, dass es sich unten wieder so weit nach links krümmt, wie es auf dem Plakat aussieht, daher habe ich an der Hāh-Theorie noch so meine Zweifel. Auch nicht besser gefallen mir allerdings die Möglichkeiten, der ganze erste Silbenblock könnte durch ein ذ dargestellt sein, das den Punkt in der Öffnung statt oben hat, oder durch ein ن, das nach links statt nach oben geöffnet ist.<br />
<sup>6</sup> Hier brauchte ich irgendeinen Buchstaben, der nur aus einer niedrigen Spitze mit Punkt drüber besteht. Das Zāin passte gut, wenn man seinen Schnörkel links wegschneidet.<br />
<sup>7</sup> Hier wurde m.E. der ganze Silbenblock durch ein Sīn dargestellt, dem allerdings die mittlere Spitze entfernt und die rechte möglicherweise noch etwas nach oben verlängert wurde. Dafür spricht auch der große Abstand zu dem Nūn links daneben, den man in manchen Schriftarten wiederfindet, <a href="http://www.worldaccent.com/blog/images/modern-arabic-font-helveticaneue+frutiger.jpg">zum Beispiel in Linotypes Neue Helvetica Arabic, aber nicht in Frutiger Arabic</a> (fünftes Wort von rechts; <a href="http://www.worldaccent.com/blog/2010/08/arabic-typesetting-fonts-of-wisdom.html">Quelle</a>). Die horizontale Linie, die diesen Abstand ausfüllt, könnte man sogar als das im Silbenblock links daneben fehlende koreanische U deuten.<br />
<sup>8</sup> Hier wurde in die andere Richtung vom Ein-Zeichen-pro-Hangul-Buchstabe-Prinzip abgewichen: Das ㅏ wurde durch ein initiales Lām und ein Strichelchen dargestellt, das mir von Form und kulturellem Kontext her am ehesten wie die Indische Ziffer 1 vorkommt. (Ja. Im Arabischen werden Zahlen mit – ihrer Herkunft nach so genannten – Indischen Ziffern geschrieben. Was wir Arabische Ziffern nennen, sind die abendländischen Fortentwicklungen derselben, die sich in der Form schon recht stark unterscheiden.)</p>
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		<title>Hangulimitate</title>
		<link>http://texttheater.net/hangulimitate</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 23:59:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Koreanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Geschriebene Sprache kann auf mehr als einer Ebene Bedeutung vermitteln. Einmal zählt natürlich, was geschrieben steht. Aber auch, wie es geschrieben steht. Ich denke da besonders an die Wahl der Schrift: Comic Sans MS vermittelt andere unterschwellige Botschaften als Times &#8230; <a href="http://texttheater.net/hangulimitate">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Geschriebene Sprache kann auf mehr als einer Ebene Bedeutung vermitteln. Einmal zählt natürlich, <em>was</em> geschrieben steht. Aber auch, <em>wie</em> es geschrieben steht. Ich denke da besonders an die Wahl der Schrift: <span style="font-family: 'Comic Sans MS';">Comic Sans MS</span> vermittelt andere unterschwellige Botschaften als <span style="font-family: 'Times New Roman';">Times New Roman</span>. Ob ein Text mit lateinischen oder kyrillischen Botschaften geschrieben wird, kann in einigen Sprachen je nach historischem Kontext ganz schöne politische Sprengkraft haben. In ganz besonderen Fällen wird etwas in einem Schriftsystem A geschrieben, aber einzelne oder alle Zeichen werden durch ähnlich aussehende Zeichen aus einem Schriftsystem B ersetzt, zum Beispiel: HΣLLΛS oder ЯUSSLAИD. Das erweckt dann Assoziationen mit der Kultur, mit der wir die fremden Zeichen verknüpfen – und führt zu gerümpften Nasen bei Sprachsnobs, die natürlich wissen, dass man Σ nicht E, sondern S ausspricht, Λ nicht A, sondern L, Я nicht R, sondern Ya, und И nicht N, sondern I. Ich aber frage: Ist das Spiel mit den ähnlich aussehenden Zeichen verwerflich, nur weil die Lautwerte ignoriert werden? Wartet mit der Antwort, bis ihr diese koreanischen Plakate gesehen habt:</p>
<div id="attachment_3007" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://culturenomicsblog.seoul.go.kr/1781"><img class="size-full wp-image-3007" title="plakate" src="http://texttheater.net/wp-content/plakate.jpg" alt="" width="450" height="636" /></a><p class="wp-caption-text">Quelle: Seoul Culturenomics</p></div>
<p>So weit ich es der <a href="http://translate.google.com/translate?sl=auto&amp;tl=en&amp;js=n&amp;prev=_t&amp;hl=en&amp;ie=UTF-8&amp;layout=2&amp;eotf=1&amp;u=http%3A%2F%2Fculturenomicsblog.seoul.go.kr%2F1781&amp;act=url ">Google-Übersetzung</a> des <a href="http://culturenomicsblog.seoul.go.kr/1781">koreanischen Blogeintrags</a> entnehmen kann, handelt es sich um eine Imagekampagne der Stadt Seoul, die ihre Internationalität herausstreichen möchte. Eine russische Freundin und Studienkollegin, die zur Zeit zur Internationalität der Bevölkerung von Seoul beiträgt, hat die Plakatserie dort in der Metro entdeckt, auf einer Mailingliste Tübinger Computerlinguist/inn/en gepostet und für einige Diskussion gesorgt. Ich musste dieser Diskussion einige Zeit lang folgen und selbst herumrätseln, bevor ich darauf kam, was genau es mit den nicht-koreanischen Zeichen auf sich hat, die groß in der Mitte der drei Plakate prangen. Um es kurz zu machen: Das sind koreanische Sätze, nämlich 안녕하세요 (Hallo), 반갑습니다 (Schön, Sie kennenzulernen) und 고맙습니다 (Danke). (Übersetzungen von Google Translate.) Nur sind die Buchstaben des koreanischen Schriftsystems <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hangul">Hangul</a> durch Zeichen aus verschiedenen anderen Schriftsystemen ersetzt. Ein Hangul-Buchstabe ist immer durch genau ein Zeichen ersetzt (zumindest auf dem roten dem blauen Plakat, bei dem gelben bin ich mir nicht sicher), und die Zeichen sind wie im Hangul zu Silbenblöcken arrangiert.</p>
<p>Welches Plakat welchem Kulturkreis zuzuordnen ist, ist zumindest bei dem roten und bei dem gelben klar: Das rote verwendet Zeichen aus den beiden japanischen Morenschriften Hiragana und Katakana (im Hintergrund wird das Hiragana aufgelistet) und zeigt zwei stereotype japanische Personen. Das gelbe verwendet arabische Buchstaben und zeigt drei stereotype arabische Personen. Das blaue zeigt drei stereotype westliche Personen und listet im Hintergrund das lateinische Alphabet (wobei W und V in der Reihenfolge vertauscht sind). Das „Hangul“ im Vordergrund verwendet das lateinische Alphabet jedoch möglicherweise überhaupt nicht, auch wenn alle Zeichen stark an Zeichen des lateinischen Alphabets erinnern, für Koreaner/innen vermutlich umso mehr. Die wie C, L und I aussehenden Zeichen könnten natürlich gut dem lateinischen Alphabet entstammen, ebensogut aber dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cree-Schrift">Cree-Syllabar</a> bzw. dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kyrillisches_Alphabet">Kyrillischen Alphabet</a>, die beide ohnehin vorkommen, wie an Zeichen wie ᒣ bzw. Ы zu erkennen ist. Beides nicht unbedingt typisch „westlich“.</p>
<p>Hier nun die Zeichen auf den ersten beiden Plakaten nach Hangul-Silbenblock im Einzelnen:</p>
<table style="background-color: #ffdddd;">
<tbody>
<tr>
<th>Hangul-Silbenblock</th>
<th>Hangul-Buchstabe</th>
<th>Fremdes Zeichen</th>
<th>Schrift</th>
<th>Anmerkungen</th>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">안</td>
<td>ㅇ</td>
<td>の</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ト</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㄴ</td>
<td>し</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">녕</td>
<td>ㄴ</td>
<td>し</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅕ</td>
<td>キ</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅇ</td>
<td>の</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">하</td>
<td>ㅎ</td>
<td>ゐ</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ト</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">세</td>
<td>ㅅ</td>
<td>ヘ</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅔ</td>
<td>り</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">요</td>
<td>ㅇ</td>
<td>の</td>
<td>Hiragana</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅛ</td>
<td>ル</td>
<td>Katakana</td>
<td></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table style="background-color: #ddddff;">
<tbody>
<tr>
<th>Hangul-Silbenblock</th>
<th>Hangul-Buchstabe</th>
<th>Fremdes Zeichen</th>
<th>Schrift</th>
<th>Anmerkungen</th>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">반</td>
<td>ㅂ</td>
<td>Ы</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ᒐ</td>
<td>Cree</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㄴ</td>
<td>ᒪ</td>
<td>Cree</td>
<td><sup>1</sup></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">갑</td>
<td>ㄱ</td>
<td>ᒣ</td>
<td>Cree</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ᒐ</td>
<td>Cree</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅂ</td>
<td>Ы</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3">습</td>
<td>ㅅ</td>
<td>⅄</td>
<td>-</td>
<td><sup>3</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅡ</td>
<td>–</td>
<td>?</td>
<td><sup>4</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅂ</td>
<td>Ы</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">니</td>
<td>ㄴ</td>
<td>ᒪ</td>
<td>Cree</td>
<td><sup>1</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅣ</td>
<td>І</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td><sup>1 2</sup></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2">다</td>
<td>ㄷ</td>
<td>С</td>
<td>Kyrillisch</td>
<td><sup>1</sup></td>
</tr>
<tr>
<td>ㅏ</td>
<td>ᒐ</td>
<td>Cree</td>
<td></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><sup>1</sup> Diese Zeichen könnten dem Aussehen nach natürlich auch dem lateinischen Alphabet entstammen, aber ich ordne sie mal so zu, dass ich möglichst wenige Alphabete/Syllabare brauche.<br />
<sup>2</sup> Die meisten kyrillisch geschriebenen Sprachen verwenden das Zeichen І nicht, einige aber schon, z.B. das Ukrainische.<br />
<sup>3</sup> <a href="http://www.fileformat.info/info/unicode/char/2144/index.htm">Dieses umgedrehte Y</a> wird m.W. in keinem Schriftsystem für natürliche Sprache verwendet. Der Unicode-Standard ordnet es im Block <em>Letterlike Symbols</em> und in der Kategorie <em>Symbol, Math</em> ein.<br />
<sup>4</sup> Das könnte natürlich auch alles Mögliche sein, ich habe mal den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Halbgeviertstrich">Halbgeviertstrich</a> eingetragen.</p>
<p>Die arabischen Buchstaben kriege ich nicht ohne Hilfe identifiziert. Kompetente Zuschriften führen zu Nachtrag, Ruhm und Ehre!</p>
<p>Herzlichen Dank an K., A., D., Z. und A., die mich durch Entdecken, Wiederentdecken, Diskutieren und Identifizieren auf die Plakate aufmerksam gemacht und viele Informationen beigesteuert haben, die in diesen Blogeintrag eingeflossen sind. Alle Fehler sind natürlich meine eigenen. Wer sie findet, muss sie abgeben (Kommentarbereich unten, E-Mail siehe Impressum).</p>
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		<title>Wrong Independence Assumptions</title>
		<link>http://texttheater.net/wrong-independence-assumptions</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 20:04:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Computerlinguistik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[When you build probabilistic models of something (say natural language grammars), you always fall prey, to some degree or other, to wrong independence assumptions. For example, a model might capture the fact that two events are each very probable to &#8230; <a href="http://texttheater.net/wrong-independence-assumptions">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>When you build probabilistic models of something (say natural language grammars), you always fall prey, to some degree or other, to <i>wrong independence assumptions</i>. For example, a model might capture the fact that two events are each very probable to occur, but fail to capture the fact that they are quite improbable to occur together. Since <a href="http://texttheater.net/semi-entscheidbar" title="Semi-entscheidbar">it’s always nice to have examples from everday life or popular culture for scientific concepts</a>, I’m referring the following dialogue from <em>The Big Bang Theory</em>, in which Sheldon quite conspicuously makes a wrong independence assumption:</p>
<blockquote><p>HOWARD: Someone has to go up with the telescope as a payload specialist, and guess who that someone is.<br />
SHELDON: Muhammad Li.<br />
HOWARD: Who’s Muhammad Li?<br />
SHELDON: Muhammad is the most common first name in the world, Li, the most common surname. As I didn’t know the answer, I thought that gave me a mathematical edge.</p></blockquote>
<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Knick und Gegenknick</title>
		<link>http://texttheater.net/knick-und-gegenknick</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 22:37:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>

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		<description><![CDATA[Großes Vergnügen bereitete mir gestern die Lektüre von Christoph Dieckmanns aktuellem Zeit-Artikel über den einsturzgefährdeten schiefen Turm von Bad Frankenhausen. Da heißt es nämlich: Ein junger Mann eilt auf uns zu. Am Revers seines Jacketts zwackt der schiefe Turm. Und später: &#8230; <a href="http://texttheater.net/knick-und-gegenknick">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Großes Vergnügen bereitete mir gestern die Lektüre von Christoph Dieckmanns aktuellem <em>Zeit</em>-Artikel über den einsturzgefährdeten <a href="http://der-schiefe-turm.de/">schiefen Turm von Bad Frankenhausen</a>. Da heißt es nämlich:</p>
<blockquote><p>Ein junger Mann eilt auf uns zu. Am Revers seines Jacketts zwackt der schiefe Turm.</p></blockquote>
<p>Und später:</p>
<blockquote><p>Wird das Geld bewilligt, gehört der Turm neuerdings der Stadt, die ihn – vorbehaltlich der Förderung – durch Ratsbeschluss vom 1. September 2011 für einen Euro von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands erwarb. Der Kirchenleitung fielen 2800 Tonnen Turmgewicht vom Herzen.</p></blockquote>
<p>Und schließlich:</p>
<blockquote><p>Seit Jahrhunderten wird dieser älteste Kurpatient verarztet. 1761 setzte man ihm die barocke Haube lotrecht auf, zur Korrektur der Neigung. Einziger Effekt blieb ein charmanter Gegenknick.</p></blockquote>
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		</item>
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		<title>Das Zerdreschen von Musikinstrumenten (3)</title>
		<link>http://texttheater.net/das-zerdreschen-von-musikinstrumenten-3</link>
		<comments>http://texttheater.net/das-zerdreschen-von-musikinstrumenten-3#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 24 Sep 2011 08:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Black Books, S02E02 „Heat“: Related posts: Das Zerdreschen von Musikinstrumenten Das Zerdreschen von Musikinstrumenten (2) Island Constraint Violation of the Day (1)
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Black_Books">Black Books</a>, S02E02 „Heat“:</p>
<p><iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/fFM8IfTVpz0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Plagiatsapologie ohne Sinn und Bedeutung</title>
		<link>http://texttheater.net/plagiatsapologie-ohne-sinn-und-bedeutung</link>
		<comments>http://texttheater.net/plagiatsapologie-ohne-sinn-und-bedeutung#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 May 2011 01:51:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kilian Evang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Computerlinguistik]]></category>
		<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitwatch]]></category>

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		<description><![CDATA[Selten las ich solchen Schwachsinn wie die „sprachphilosophische Spurensuche“ zu Plagiatsvorwürfen, die Rafael Wawer gestern in das Redaktionssystem von Zeit Online gerotzt hat: [A]ngenommen, Google oder Stephan Wolfram [sic] brächten demnächst eine öffentliche Plagiatssuchmaschine heraus, die das heutige Internet als &#8230; <a href="http://texttheater.net/plagiatsapologie-ohne-sinn-und-bedeutung">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Selten las ich solchen Schwachsinn wie die <a href="http://www.zeit.de/studium/hochschule/2011-05/plagiate-historie?page=all">„sprachphilosophische Spurensuche“ zu Plagiatsvorwürfen</a>, die Rafael Wawer gestern in das Redaktionssystem von Zeit Online gerotzt hat:</p>
<blockquote><p>[A]ngenommen, Google oder Stephan Wolfram [sic] brächten demnächst eine öffentliche Plagiatssuchmaschine heraus, die das heutige Internet als „text corpus“-Basis (Fachbegriff der Computerlinguistik) verwendet.</p></blockquote>
<p>Man nehme amüsiert zur Kenntnis, dass er das wahrscheinlich den meisten seiner Leser unbekannte Wort <em>Computerlinguistik</em> verwendet und großspurig darauf hinweist, dass <em>Textkorpus</em> (aus irgendwelchen Gründen als englisches Wort geschrieben) ein Fachbegriff dieser Disziplin sei, ohne sich damit aufzuhalten, ihn zu erklären. Geschenkt. Weiter:</p>
<blockquote><p>Diese Maschine könnte Abermillionen Bücher anhand eines Buches vergleichen wie das bereits „text merge“-tools (Textvergleiche) im kleinen Rahmen tun.</p></blockquote>
<p>Kann diesen Noob bitte mal jemand LARTen? Weder ist ein Merge-Tool ein Vergleichs-Tool noch ist eins dieser beiden Werkzeuge allein zur Plagiatssuche geeignet. Und so viel kleiner ist der Rahmen gar nicht, gängige Plagiatsdetektorsoftware benutzt doch Google und damit das Internet als Textkorpus.</p>
<blockquote><p>Jede Suchabfrage hätte als Ergebnis den prozentualen Anteil der Plagiate am Gesamttext. Ganz oben rangierte vermutlich Guttenberg, gefolgt von – vielleicht Journalisten, Schriftstellern, Herausgebern, Nobelpreisträgern? Es gäbe einen Aufschrei.</p></blockquote>
<blockquote><p>Was wäre daran vorschnell? Plagiate kommen nicht einfach durch buchstabengetreue Übereinstimmung zustande.</p></blockquote>
<p>Dieser Satz hat es in sich. Ich werde darauf zurückkommen, wie er das meint.</p>
<blockquote><p>In Rom galt nicht die unerlaubte Vervielfältigung als moralisch verwerflich, sondern die Bereicherung daran. Noch zu Zeiten Shakespeares galt das originalgetreue Plagiat als Zeichen der Verehrung.</p></blockquote>
<p>Beim Plagiat im wissenschaftlichen Sinne geht es weder um den Aspekt der Vervielfältigung noch um den der Bereicherung noch um den der Originalgetreuheit, also dient diese Ausführung nur der Verwirrung.</p>
<blockquote><p>Im Allgemeinen verstehen wir aber unter Plagiat, von lateinisch plagium, so viel wie „Raub der Seele“. Dieb ist, wer fremde Gedanken stiehlt, seins nennt oder verkauft.</p></blockquote>
<p>Das Stehlen fremder Gedanken ist also schlimm, das Stehlen fremder Wortlaute nicht so sehr? Aber stiehlt, wer fremde Wortlaute stiehlt, damit nicht automatisch auch fremde Gedanken? ACH, HÄTTE ICH DOCH NICHT GEFRAGT! Wawer holt Luft und doziert:</p>
<blockquote><p>Nun beziehen sich die meisten Plagiatsvorwürfe auf Platon (428-328 v. Chr.) und erben damit seine Fehler. Platon hat die Seele mit Wachs verglichen. Eindrücke der Wirklichkeit würden zu Abdrücken auf der Seele. Erkennen wir etwas, das uns bekannt scheint, suchen wir im Schrank der Seele nach genau diesem Eindruck. Wir legen Eindruck und Abdruck übereinander. Passt etwas, rufen wir: Ah! Viele aktuelle technische Erkenntnistheorien gehen nach diesem Muster vor, ebenso neuronale Netzwerke.</p></blockquote>
<p>Strukturen werden miteinander verglichen, indem man nach identischen Unterstrukturen sucht, ja. Man kann nicht nur zwischen identisch und nicht identisch unterscheiden, sondern in einem gewissen Maße auch ähnliche Eindrücke zueinander in Beziehung setzen. So konkret hat Platon sich das vielleicht noch nicht vorgestellt, aber er war nicht so sehr auf dem Holzweg, wie Wawer es klingen lässt:</p>
<blockquote><p>Aber dann kam Gottlob Frege (1848-1925) und erinnerte an den „Morgenstern“. Wie sieht der Abdruck eines Morgensterns schon aus, wenn wir darunter den Planeten Venus, eine Waffe, selbst Jesus Christus und vieles weitere verstehen? Hiermit war die moderne Formalisierung von Sinn, Bedeutung und Referenz geboren – und damit die moderne Logik, die Computerwelt, das Internet. Mit Ludwig Wittgenstein (1889-1951), Bertrand Russell (1872-1970) und Jan Łukasiewicz (1878-1956) wurde sie erweitert und formalisiert. Łukasiewicz haben die Unix-Anhänger zum Beispiel zu verdanken, dass sie anstatt „8 + 5“ eher „+ 8 5“ schreiben.</p></blockquote>
<p>Uuuffff!!! Was war das denn für ein Stunt? Einmal von Frege über das Internet zu polnischer Notation wie mit dem Dirtbike durch einen Supermarkt, viele Kenntnisse, null Zusammenhang und kaum Relevanz.</p>
<p>Kennte Wawer Frege, wüsste er, dass ihm das Wort <em>Morgenstern</em> als Beispiel für den Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung diente – <em>Morgenstern</em> und <em>Abendstern</em> haben nämlich laut Frege verschiedene Sinne, aber dieselbe Bedeutung (den Planeten Venus). Darin steckt unter anderem das Phänomen der <em>Synonymie</em>, verschiedener Wörter mit gleicher Bedeutung, und das hätte Wawer brauchen können, um richtig darauf hinzuweisen, dass man ungekennzeichnete fremde Gedanken auch so umformulieren kann, dass die oben erwähnten, Wörter vergleichenden Suchmaschinen das Plagiat nicht entdecken, wie er es an anderer Stelle am Beispiel einer möglichen Umformulierung von Einsteins Relativitätstheorie auch kurz tut. Hier hebt er stattdessen auf das Phänomen der <em>Homonymie</em> ab, dass nämlich ein Wort – wie <em>Morgenstern</em> – verschiedene Bedeutungen haben kann: Venus, Waffe, Jesus usw.</p>
<p>Was will er uns bezüglich der Plagiatsvorwürfe damit sagen? Dass die folgende Passage, von Silvana Koch-Mehrin <a href="http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Skm/Fragment_043_10-15">laut VroniPlag</a> ungekennzeichnet und wörtlich aus Lothar Galls Buch <em>Europa auf dem Weg in die Moderne 1850-1890</em> in ihre Dissertation übernommen, vielleicht gar kein Plagiat darstellt, weil sie dank der Homonymie der darin vorkommenden Wörter ja etwas ganz anderes bedeuten könnte?</p>
<blockquote><p>„Konkret hieß das, daß sich nach England und Frankreich nun auch die meisten Staaten Mittel- und Südeuropas entschlossen, alle noch bestehenden Hindernisse für die Entfaltung des Handels und der gewerblichen Wirtschaft auf rechtlichem, finanz- und handelspolitischem Gebiet mehr und mehr abzubauen und sich künftig auch in ordnungspolitischer Hinsicht ganz auf den Markt und die Initiative des einzelnen zu verlassen.“</p></blockquote>
<p>Natürlich nicht, eine solches Argument wäre selbst Wawer zu albern. Stattdessen schließt er aus seinem sprachphilosophischen Mäander pauschal, „dass man mit einfachen Abdruckvergleichen nicht weiterkommt“, weil menschliche Sprache „zu variationsreich“ für eine Entscheidung durch „crowd-Tribunale“ sei.</p>
<p>Er impliziert damit, die Bemühungen von GuttenPlag, VroniPlag und Co. hätten keine Gültigkeit. Natürlich können sie nicht alle Plagiate aufspüren. Aber wenn sie denn eine schlichte wörtliche Übernahme wie oben aufspüren, ist das dann nicht ein über jeden Zweifel erhabener Nachweis eines Plagiats, um meine schnell bereute Frage von oben zu wiederholen?</p>
<p>Wawer sagt nein. Er behauptet allen Ernstes, die oben zitierte Passage bedeute nichts weiter als „Mittel- und Südeuropa orientieren sich an der Marktwirtschaft“ und dass das eine Trivialität sei. Wortlaute ungekennzeichnet zu übernehmen, die Gemeinplätze formulieren, ist für Wawer noch kein Plagiat (und diese bornierte Privatmeinung erhebt er <a title="Ursula März" href="http://texttheater.net/ursula-maerz">Ursula-März-mäßig</a> zur „Regel“):</p>
<blockquote><p>Die Regel lautet: Wer neuartige Bedeutungen und Sinnzusammenhänge stiehlt, der ist ein Dieb, also wer zum Beispiel dem nächsten Einstein beim Reden im Schlaf zuhört. Denn die Wissenschaft lebt vom Neuen. (&#8230;) Wer Allgemeines wörtlich kopiert, ist doof, aber kein Verbrecher. Dass Regen vom Himmel fällt, braucht nicht bewiesen zu werden.</p></blockquote>
<p>Damit verkennt er total, was den Guttenbergs und Koch-Mehrins dieser Welt eigentlich vorzuwerfen ist. Das Stehlen von neuen Ideen wäre an sich ja gerade <em>kein</em> Problem, denn insofern die Wissenschaft vom Neuen lebt, ist es wichtig, dass, aber nicht, von wem es unters Volk gebracht wird. Plagiate sind hingegen deswegen schlimm, weil sie erstens das Urheberrecht der Autorinnen verletzen, zweitens (wichtiger) das wissenschaftliche Arbeiten der gesamten Disziplin sabotieren, indem Quellen verschwiegen werden und dadurch das Nachvollziehen von Entwicklungen und Zusammenhängen erschwert wird, drittens und wichtigstens jedoch zum Erwerb eines Titels eine Leistung vorgetäuscht wird, die nicht erbracht wurde, nämlich eine ganze Dissertation nach den Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens zu schreiben. Dazu gehört nicht zuletzt, alles genau zu durchdenken und mit eigenen Worten zu formulieren bzw. korrekt als Zitat zu kennzeichnen, um eine klare, lesbare und nachvollziehbare Darstellung zu erhalten. Neue Ideen hat man oder hat man nicht, das ist keine Frage des Anstandes und nur begrenzt eine des Fleißes. Die Knochenarbeit, an der sich das wissenschaftliche Ethos meiner Ansicht nach erweist, steckt im korrekten Aufschreiben und in der Literaturrecherche – hierzu gehört auch, nach Kräften zu versuchen, herauszufinden, ob eine Idee, die man selbst hat, nicht jemand anders schon vorher veröffentlicht hat.</p>
<p>Ich werde den Verdacht nicht los, dass Wawer das deshalb nicht weiß, weil er in seinem eigenen Philosophiestudium nie so gearbeitet, sondern sich immer nur Wissensbrocken angelesen und zu irgendwelchem zusammenhanglosen Rhabarber verleimt hat. Nur so eine Vermutung.</p>
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