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Abriss

Ein Gastspiel von Nadja Kwapil

Bitte verlassen Sie die Bühne und vergessen Sie nicht, Ihre Phantasien mitzunehmen.
Schaun’S, das geplante Bühnenbild war ohnehin zu groß, zu viel Malerei, zu viel Licht. Wo haben’S denn da nur hin gedacht? Das ist zu weit gegangen, fliegen’S lieber auf die Seychellen, das liegt näher. Und die Kosten würden dann auch nicht kurzatmig zu laufen beginnen, die Schmerzgrenze bleibt einmalig auf dem Kontoauszug stehen.

Ich bitt’ Sie höflich, verlassen Sie jetzt den Holzboden. Und machen Sie sich nur keine Sorgen um all die engagierten Schauspieler, die Ihnen während Ihrer Spaziergänge eingefallen sind. Die werden von anderen Szenen aufgefangen oder melden sich, bei Bedarf. Und Szenen sind nicht einmal ersetzbar. Kein Aufwand kann nützen. Sie wechseln einander von alleine, sie schaffen sich selbst ab. Ein Kommen und ein Gehen. Ich versprech’s Ihnen.

Beinahe. Kommen’S her, jetzt bestellen wir einmal die förmliche Logistik. Ich nehm Sie trotzdem bei der Hand. Um 14:20 rollen wir die Protagonisten ein, zuerst das Schwerere, und dann erst das Leichte, die Statisten. Ja, die sind leichter zu verkraften, spielen keine großen Rollen, ihre Worte wiegen nicht sehr schwer. Zwei, drei Sätze schweben meist im Raum.

In die Hauptrolle haben Sie wohl viel Text investiert, nicht wahr? Wer war das? Gehen’S, machen Sie sich nichts draus. Die Dramatik und den sperrigen Spannungsbogen klappen wir einfach zusammen, wie einen rostigen Gartensessel.

Ich bitte Sie, verlassen Sie jetzt den Saal. Ihr samtiges Publikum fragt bestimmt nach dem Gang Richtung Aus, macht den Billeteur zum arbeitslosen Geisterfahrer. Alle Vorstellungen sind hiermit geschlossen. Baba, sagt man in Wien.