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Tempus- und Aspektmysterien der philosophischen Geheimsprache

Es gibt eine philosophische Geheimsprache, an der ich mir immer wieder die Zähne ausbeiße. Peter Sloterdijk zum Beispiel hat seit gefühlten tausend Jahren keinen Absatz mehr geschrieben, der nicht in dieser Geheimsprache abgefasst wäre. Aber auch die folgenden Absätze aus dem Artikel Transparent ist nur das Tote von Byung-Chul Han sind ein gutes Beispiel. Der Karlsruher Philosoph schilt darin die „Ideologie“ der Transparenz (vgl. Post-Privacy) und außerdem die Piratenpartei dafür, dass bei ihr keine Ideologien (!) zugelassen seien, aber das nur am Rande. Einleitend schreibt Han:

(…) Die Transparenzgesellschaft ist eine Positivgesellschaft. Transparent werden die Dinge, wenn sie jede Negativität abstreifen, wenn sie geglättet und eingeebnet werden, wenn sie sich widerstandslos in glatte Ströme des Kapitals, der Kommunikation und Information einfügen. Transparent werden die Handlungen, wenn sie sich dem berechen-, steuer- und kontrollierbaren Prozess unterordnen. Transparent werden die Dinge, wenn sie ihre Singularität ablegen und sich ganz im Preis ausdrücken. Transparent werden die Bilder, wenn sie, von jeder hermeneutischen Tiefe, ja vom Sinn befreit, pornografisch werden. In ihrer Positivität ist die Transparenzgesellschaft eine Hölle des Gleichen.

Die Kommunikation erreicht dort ihre maximale Geschwindigkeit, wo das Gleiche auf das Gleiche antwortet, wo eine Kettenreaktion des Gleichen stattfindet. Die Negativität der Anders- und Fremdheit oder die Widerständigkeit des Anderen stört und verzögert die glatte Kommunikation des Gleichen. Die Transparenz stabilisiert und beschleunigt das System dadurch, dass sie das Andere oder das Abweichende eliminiert. (…)

Die Dichte von Fremdwörtern und Fachbegriffen ist sehr moderat. Ich störe mich auch nicht an vagen Begriffen wie die Dinge oder das Gleiche. Auf deren Bedeutung könnte man wohl im Prinzip aus dem Kontext schließen.

Wovor mein Verständnis aber kapituliert, das sind Tempus und Aspekt.

Die Geheimsprache kennt beinahe ausschließlich solche Verben, die die Änderung eines Zustandes ausdrücken. Das allerwichtigste Verb, wenn nicht Wort, der Geheimsprache überhaupt ist werden. Es kommt in dieser Passage sechsmal vor. Ansonsten zähle ich jeweils ein Vorkommen folgender zehn eindeutiger Zustandsänderungsverben: abstreifen, glätten, einebnen, einfügen, unterordnen, ablegen, befreien, stabilisieren, beschleuningen und eliminieren. Alles wird als Prozess ausgedrückt.

Leider ist keine der beschriebenen Zustandsänderungen auch nur ansatzweise in der Zeit verankert. Han sagt nichts darüber aus, wann Zustand A geherrscht hat, herrscht oder herrschen wird oder darüber, wann Zustand B geherrscht hat, herrscht oder herrschen wird. Es gibt keine Hinweise darauf, wann und wie oft der beschriebene Vorgang eingesetzt hat, einsetzt oder einsetzen wird, wie schnell er verlief, verläuft oder verlaufen wird und ob und wann er abgeschlossen war, ist oder sein wird. Vor allem fehlen Zeitangaben wie in den letzten zehn Jahren, zukünftig oder immer dann, wenn.

Auch das Tempus hilft nicht weiter. Die ganze Passage ist im Präsens geschrieben. Aber ich kann ums Verrecken nicht erkennen, ob das ein aktuelles, generelles, historisches, futurisches oder gar szenisches Präsens sein soll. Wird hier ein aktueller Prozess beschrieben oder eine allgemeine Aussage getroffen? Wenn Letzteres, geht es um einen lang andauernden oder einen sich immer wieder wiederholenden Prozess?

Schließlich die Konjunktion wenn, ein weiterer Grundpfeiler dieser Geheimsprache. Sie bedeutet hier sicher mehr, als dass Dinge zur gleichen Zeit stattfinden. Aber was? Kausation, Korrelation, Definition? Wird Transparenz durch das Abstreifen jeder Negativität verursacht? Oder treten Transparenz und das Abstreifen jeder Negativität typischerweise gemeinsam auf? Wenn ja, auf welchen Beobachtungen, in welchem Zeitraum, in welcher Kultur, an welchem Ort, beruht diese Generalisierung? Oder will Han den Begriff Transparenz hier überhaupt erst definieren, als das Abstreifen jeder Negativität (und/oder der ganzen anderen Vorgänge, von denen er schreibt)? Es bleibt das Geheimnis Hans und derer, die seine Sprache sprechen.

Ich will mich hier nicht nur lustig machen über einen schwierigen Schreibstil. Ich verstehe aufrichtig nicht, was gemeint ist. Vielleicht verstehe ich wirklich einfach nur die philosophische Fachsprache nicht. Hat dieses Präsens, haben diese Prozessbeschreibungen, hat dieses wenn in der Philosophie eine konventionelle technische Bedeutung? Wissen Fachleute, wie sie es zu interpretieren haben? Wenn ja, bitte ich um Aufklärung. Bis dahin werde ich wohl annehmen müssen, dass es sich um eine Methode zur Verschleierung handelt. Zur Verschleierung der Tatsache, dass die eigene Positon auf vagen, selbstausgedachten Zusammenhängen beruht, die man nicht begründen, geschweige denn belegen kann. Es würde mich nicht wundern.

PS: Der überwiegende Rest von Hans Artikel ist dankenswerterweise nicht in diesem Stil geschrieben.

Plagiatsapologie ohne Sinn und Bedeutung

Selten las ich solchen Schwachsinn wie die „sprachphilosophische Spurensuche“ zu Plagiatsvorwürfen, die Rafael Wawer gestern in das Redaktionssystem von Zeit Online gerotzt hat:

[A]ngenommen, Google oder Stephan Wolfram [sic] brächten demnächst eine öffentliche Plagiatssuchmaschine heraus, die das heutige Internet als „text corpus“-Basis (Fachbegriff der Computerlinguistik) verwendet.

Man nehme amüsiert zur Kenntnis, dass er das wahrscheinlich den meisten seiner Leser unbekannte Wort Computerlinguistik verwendet und großspurig darauf hinweist, dass Textkorpus (aus irgendwelchen Gründen als englisches Wort geschrieben) ein Fachbegriff dieser Disziplin sei, ohne sich damit aufzuhalten, ihn zu erklären. Geschenkt. Weiter:

Diese Maschine könnte Abermillionen Bücher anhand eines Buches vergleichen wie das bereits „text merge“-tools (Textvergleiche) im kleinen Rahmen tun.

Kann diesen Noob bitte mal jemand LARTen? Weder ist ein Merge-Tool ein Vergleichs-Tool noch ist eins dieser beiden Werkzeuge allein zur Plagiatssuche geeignet. Und so viel kleiner ist der Rahmen gar nicht, gängige Plagiatsdetektorsoftware benutzt doch Google und damit das Internet als Textkorpus.

Jede Suchabfrage hätte als Ergebnis den prozentualen Anteil der Plagiate am Gesamttext. Ganz oben rangierte vermutlich Guttenberg, gefolgt von – vielleicht Journalisten, Schriftstellern, Herausgebern, Nobelpreisträgern? Es gäbe einen Aufschrei.

Was wäre daran vorschnell? Plagiate kommen nicht einfach durch buchstabengetreue Übereinstimmung zustande.

Dieser Satz hat es in sich. Ich werde darauf zurückkommen, wie er das meint.

In Rom galt nicht die unerlaubte Vervielfältigung als moralisch verwerflich, sondern die Bereicherung daran. Noch zu Zeiten Shakespeares galt das originalgetreue Plagiat als Zeichen der Verehrung.

Beim Plagiat im wissenschaftlichen Sinne geht es weder um den Aspekt der Vervielfältigung noch um den der Bereicherung noch um den der Originalgetreuheit, also dient diese Ausführung nur der Verwirrung.

Im Allgemeinen verstehen wir aber unter Plagiat, von lateinisch plagium, so viel wie „Raub der Seele“. Dieb ist, wer fremde Gedanken stiehlt, seins nennt oder verkauft.

Das Stehlen fremder Gedanken ist also schlimm, das Stehlen fremder Wortlaute nicht so sehr? Aber stiehlt, wer fremde Wortlaute stiehlt, damit nicht automatisch auch fremde Gedanken? ACH, HÄTTE ICH DOCH NICHT GEFRAGT! Wawer holt Luft und doziert:

Nun beziehen sich die meisten Plagiatsvorwürfe auf Platon (428-328 v. Chr.) und erben damit seine Fehler. Platon hat die Seele mit Wachs verglichen. Eindrücke der Wirklichkeit würden zu Abdrücken auf der Seele. Erkennen wir etwas, das uns bekannt scheint, suchen wir im Schrank der Seele nach genau diesem Eindruck. Wir legen Eindruck und Abdruck übereinander. Passt etwas, rufen wir: Ah! Viele aktuelle technische Erkenntnistheorien gehen nach diesem Muster vor, ebenso neuronale Netzwerke.

Strukturen werden miteinander verglichen, indem man nach identischen Unterstrukturen sucht, ja. Man kann nicht nur zwischen identisch und nicht identisch unterscheiden, sondern in einem gewissen Maße auch ähnliche Eindrücke zueinander in Beziehung setzen. So konkret hat Platon sich das vielleicht noch nicht vorgestellt, aber er war nicht so sehr auf dem Holzweg, wie Wawer es klingen lässt:

Aber dann kam Gottlob Frege (1848-1925) und erinnerte an den „Morgenstern“. Wie sieht der Abdruck eines Morgensterns schon aus, wenn wir darunter den Planeten Venus, eine Waffe, selbst Jesus Christus und vieles weitere verstehen? Hiermit war die moderne Formalisierung von Sinn, Bedeutung und Referenz geboren – und damit die moderne Logik, die Computerwelt, das Internet. Mit Ludwig Wittgenstein (1889-1951), Bertrand Russell (1872-1970) und Jan Łukasiewicz (1878-1956) wurde sie erweitert und formalisiert. Łukasiewicz haben die Unix-Anhänger zum Beispiel zu verdanken, dass sie anstatt „8 + 5“ eher „+ 8 5“ schreiben.

Uuuffff!!! Was war das denn für ein Stunt? Einmal von Frege über das Internet zu polnischer Notation wie mit dem Dirtbike durch einen Supermarkt, viele Kenntnisse, null Zusammenhang und kaum Relevanz.

Kennte Wawer Frege, wüsste er, dass ihm das Wort Morgenstern als Beispiel für den Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung diente – Morgenstern und Abendstern haben nämlich laut Frege verschiedene Sinne, aber dieselbe Bedeutung (den Planeten Venus). Darin steckt unter anderem das Phänomen der Synonymie, verschiedener Wörter mit gleicher Bedeutung, und das hätte Wawer brauchen können, um richtig darauf hinzuweisen, dass man ungekennzeichnete fremde Gedanken auch so umformulieren kann, dass die oben erwähnten, Wörter vergleichenden Suchmaschinen das Plagiat nicht entdecken, wie er es an anderer Stelle am Beispiel einer möglichen Umformulierung von Einsteins Relativitätstheorie auch kurz tut. Hier hebt er stattdessen auf das Phänomen der Homonymie ab, dass nämlich ein Wort – wie Morgenstern – verschiedene Bedeutungen haben kann: Venus, Waffe, Jesus usw.

Was will er uns bezüglich der Plagiatsvorwürfe damit sagen? Dass die folgende Passage, von Silvana Koch-Mehrin laut VroniPlag ungekennzeichnet und wörtlich aus Lothar Galls Buch Europa auf dem Weg in die Moderne 1850-1890 in ihre Dissertation übernommen, vielleicht gar kein Plagiat darstellt, weil sie dank der Homonymie der darin vorkommenden Wörter ja etwas ganz anderes bedeuten könnte?

„Konkret hieß das, daß sich nach England und Frankreich nun auch die meisten Staaten Mittel- und Südeuropas entschlossen, alle noch bestehenden Hindernisse für die Entfaltung des Handels und der gewerblichen Wirtschaft auf rechtlichem, finanz- und handelspolitischem Gebiet mehr und mehr abzubauen und sich künftig auch in ordnungspolitischer Hinsicht ganz auf den Markt und die Initiative des einzelnen zu verlassen.“

Natürlich nicht, eine solches Argument wäre selbst Wawer zu albern. Stattdessen schließt er aus seinem sprachphilosophischen Mäander pauschal, „dass man mit einfachen Abdruckvergleichen nicht weiterkommt“, weil menschliche Sprache „zu variationsreich“ für eine Entscheidung durch „crowd-Tribunale“ sei.

Er impliziert damit, die Bemühungen von GuttenPlag, VroniPlag und Co. hätten keine Gültigkeit. Natürlich können sie nicht alle Plagiate aufspüren. Aber wenn sie denn eine schlichte wörtliche Übernahme wie oben aufspüren, ist das dann nicht ein über jeden Zweifel erhabener Nachweis eines Plagiats, um meine schnell bereute Frage von oben zu wiederholen?

Wawer sagt nein. Er behauptet allen Ernstes, die oben zitierte Passage bedeute nichts weiter als „Mittel- und Südeuropa orientieren sich an der Marktwirtschaft“ und dass das eine Trivialität sei. Wortlaute ungekennzeichnet zu übernehmen, die Gemeinplätze formulieren, ist für Wawer noch kein Plagiat (und diese bornierte Privatmeinung erhebt er Ursula-März-mäßig zur „Regel“):

Die Regel lautet: Wer neuartige Bedeutungen und Sinnzusammenhänge stiehlt, der ist ein Dieb, also wer zum Beispiel dem nächsten Einstein beim Reden im Schlaf zuhört. Denn die Wissenschaft lebt vom Neuen. (…) Wer Allgemeines wörtlich kopiert, ist doof, aber kein Verbrecher. Dass Regen vom Himmel fällt, braucht nicht bewiesen zu werden.

Damit verkennt er total, was den Guttenbergs und Koch-Mehrins dieser Welt eigentlich vorzuwerfen ist. Das Stehlen von neuen Ideen wäre an sich ja gerade kein Problem, denn insofern die Wissenschaft vom Neuen lebt, ist es wichtig, dass, aber nicht, von wem es unters Volk gebracht wird. Plagiate sind hingegen deswegen schlimm, weil sie erstens das Urheberrecht der Autorinnen verletzen, zweitens (wichtiger) das wissenschaftliche Arbeiten der gesamten Disziplin sabotieren, indem Quellen verschwiegen werden und dadurch das Nachvollziehen von Entwicklungen und Zusammenhängen erschwert wird, drittens und wichtigstens jedoch zum Erwerb eines Titels eine Leistung vorgetäuscht wird, die nicht erbracht wurde, nämlich eine ganze Dissertation nach den Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens zu schreiben. Dazu gehört nicht zuletzt, alles genau zu durchdenken und mit eigenen Worten zu formulieren bzw. korrekt als Zitat zu kennzeichnen, um eine klare, lesbare und nachvollziehbare Darstellung zu erhalten. Neue Ideen hat man oder hat man nicht, das ist keine Frage des Anstandes und nur begrenzt eine des Fleißes. Die Knochenarbeit, an der sich das wissenschaftliche Ethos meiner Ansicht nach erweist, steckt im korrekten Aufschreiben und in der Literaturrecherche – hierzu gehört auch, nach Kräften zu versuchen, herauszufinden, ob eine Idee, die man selbst hat, nicht jemand anders schon vorher veröffentlicht hat.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass Wawer das deshalb nicht weiß, weil er in seinem eigenen Philosophiestudium nie so gearbeitet, sondern sich immer nur Wissensbrocken angelesen und zu irgendwelchem zusammenhanglosen Rhabarber verleimt hat. Nur so eine Vermutung.

Dämmwahn

Neues vom Zeit-Abbestellen (aus Zeitgründen, nicht aus Zeit-Gründen): Die Zustellung hat bereits aufgehört, mein Zugang zum E-Paper ist aber noch nicht gesperrt. Eine gute Gelegenheit, an dieser Stelle nach bewährter Manier noch einmal auf den Schwachsinn der Woche hinzuweisen. Hanno Rauterberg polemisiert unter der Überschrift Schluss mit dem Dämmwahn! aus ästhetischen Gründen gegen die Dämmung von Häuserfassaden:

Verwundert werden die Menschen der Zukunft auf solche Merkwürdigkeiten blicken und sich fragen, was damals wohl los war in diesem Land, das sich ganz und gar einhüllte in die Vernunft technischer Errungenschaften, dafür aber alles Schöne calvinistisch verbarg. Das sich gern fugendicht abgeschlossen hätte, gegen Migranten und auch sonst gegen alles Unwägbare. Das sich selbst isolierte, um wettersicher den Stürmen der Zukunft trotzen zu können.

Bravo, munter drauflosschwadroniert und dabei zwei Sachen in einen Topf geworfen, die auf keiner, aber auch wirklich auf gar keiner Ebene irgendetwas miteinander zu tun haben: einerseits Xenophobie, andererseits eine Maßnahme gegen die Erderwärmung, deren Folgen auf alarmierende Weise gerade nicht unwägbar sind.

Es versetzt mir immer einen Stich, wenn jemand mit so einem Stuss eine Stelle in einem Essay verleimt, wo ihm kein besserer Anschluss zwischen zwei (akzeptablen) Teilen eingefallen ist. Aber wenn er es in einem Artikel tut, in dem er sich eine so wenig verantwortungsbewusste Meinung zum Klimaschutz leistet, macht es mich richtig wütend.

Beckers Welt

Peinliche journalistische Unsitten, Folge 983: Eine etablierte Ausdrucksweise mit auskennerischer, gönnerhafter Gebärde als Sprachmarotte einer Randgruppe belächeln und damit nur die eigene horrende Kenntnislosigkeit vorführen. So geschehen schon neulich in der Zeit und diese Woche ebenda erneut. Diesmal trifft es nicht Sprachlehrerinnen und Beamte, sondern einen Banker mit Burnout:

Er betreut dort Firmenchefs, genauer: Geschäftsführer von mittelständischen Unternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern. Mithilfe der Bank wollen sie Maschinen, Lastwagen, Immobilien dauerhaft mieten, statt sie zu kaufen. Leasen heißt das in Beckers Welt.

Ja, in welcher Welt denn nicht?!

Denken und sprechen

Die Zeit widmet diese Woche dem Niedergang der deutschen Sprache den Aufmacher und eine Doppelseite im Feuilleton. Ulrich Greiner erkennt zum Glück richtig, dass Anglizismen, Genitiv und Konjunktiv nichts zur Sache tun, schiebt sie nach einer halben Spalte beiseite und stürzt sich auf ein sprachphilosophisches Thema, das hierzublog schon hie und da aufgetaucht ist. Seine Thesen geben mir Gelegenheit, ein paar verstreute Frechheiten in geisteswissenschaftliche Richtung abzufeuern.

Zitiert wird aus einem Artikel von Florian Coulmas, Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokyo:

„Unter Wissenschaftlern hat sich herumgesprochen, dass es sich empfiehlt, erst zu denken und dann zu sprechen. Dennoch hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass nicht wir denken, sondern die Sprache für uns.“

Ich finde, das hat Coulmas großartig gesagt. Greiner ist anderer Meinung:

In der Literatur begebe ich mich in die Sprache hinein, und ich weiß nicht, wo ich am Ende herauskomme. Das gilt für nicht wenige Felder der Geisteswissenschaften. Die Philosophie Kants, Hegels oder Heideggers wäre anders ausgefallen, hätten sie Englisch schreiben müssen.

Ja, weniger Geschwurbel und klarer herausgearbeitete wesentliche Gedanken, behaupte ich mal frech.

Natürlich nur dann, wenn der Zwang zum Schreiben in der Fremdsprache bei den drei Herren tatsächlich den Schalter umgelegt hätte von „sich mit der Sprache treiben lassen“ auf „erst denken, dann sich verständlich ausdrücken“. Aber es gibt keinen Grund das anzunehmen; Kant, Hegel und Heidegger hätten wohl auch auf Englisch zu schwurbeln gewusst. Sie hätten dann halt anders geschwurbelt – das ist ja gerade das Problem, wenn man eine Sprache für sich denken lässt. Man sollte es daher nur tun, wenn man Kunst, nicht Erkenntnis erlangen will. Greiner sieht das anders:

Wenn es also Gebiete gibt, wo die Sprache eine erkenntnisleitende Funktion besitzt (was unbestreitbar der Fall ist), (…)

Ah. Und Belege für diese unbestreitbare Tatsache kommen dann nächste Woche als Forsetzung? Das nun folgende Jürgen-Trabant-Zitat überzeugt mich nämlich noch nicht ganz:

„Es gibt wissenschaftliche Betätigungen, die nicht sprachlos Gedachtes, Gemessenes, Gewogenes und Berechnetes als wissenschaftliche Erkenntnis erzeugen, sondern die wissenschaftliche Erkenntnis in Sprache generieren. Wissenschaftliche Arbeiten in den sogenannten Geisteswissenschaften kommen nicht so zustande, dass der Forscher sich zuerst die Ergebnisse denkt und diese dann nur noch bezeichnen und verlautbaren muss. Er schafft mit der Sprache einen völlig aus Sprache bestehenden Gegenstand.“

Man kann sich das nackte Grauen vorstellen, das es für den Leser bedeutet, zu versuchen, solchen „völlig aus Sprache bestehenden“ Gegenständen einen Erkenntniswert abzutrotzen – oder den Spaß, den es bereitet, sie zu verspotten. Bei der Gesellschaft zur Stärkung der Verben haben wir dafür einen Vorgang mit dem Titel Geschwalle.

Wie es sich in Deutschland gehört

„Das große Ereignis beginnt pünktlich, wie es sich in Deutschland gehört.“ Ich habe ja gar nichts gegen Deutschland-Bashing. „Nach eineinhalb Jahren Deutschunterricht erhalten die Frauen aus den Händen des Senators je vier Urkunden in einer Hartplastikmappe. Damit ist es amtlich, wie es sich für Deutschland gehört.“ Aber schon, wenn es so uninspiriert, klischeehaft und rührselig ist, wie Christian Schüle und Özlem Topçu es in der gerade noch aktuellen Zeit betreiben. „Jedes Mal, wenn einer der Sätze auf ihren Zetteln im Lied auftaucht, sollen sie einen Schritt in den Kreis hineingehen. Am ,Hörverständnis‘ arbeiten heißt das auf Kursdeutsch.“ Ja, Hörverständnis, so heißt das. Schon mal in einem Sprachkurs gewesen? Was soll das heißen? Dass es sich um eine weltfremde akademische Angelegenheit handelt, mit der arme Migrantinnen sinnlos behelligt werden? „Mehr als sieben Jahre lang waren sie und ihre Kinder nur geduldet, also eigentlich ,ausreisepflichtig‘, wie es im Beamtendeutsch heißt.“ Muss eine dieser bizarren deutschen Besonderheiten sein, dass in fachlichen Zusammenhängen fachsprachliche Begriffe verwendet werden. Aber es kommt noch ärger: „Das System des Deutschunterrichts für Ausländer ist, typisch deutsch, systematisch: Vor B1 liegt die Eingangsstufe A1.“ Zu Hilfe, ein systematisches System! Und A1 kommt vor B1 – nur der verkrustetste Bürospießer kann da noch die Tränen des Mitleids zurückhalten angesichts eines solchen Ausmaßes an Pickelhaubenhaftigkeit.

Kinder, vertragt euch!

„Kinder, vertragt euch!“ Mit diesem Gestus wendet sich Jens Jessen in der aktuellen Zeit unter der Überschrift Das Netz gehört uns an „Digital natives“, „Digital residents“ oder „Internetenthusiasten“ auf der einen sowie „Digital immigrants“, „Digital visitors“ oder „Internetkritiker“ auf der anderen Seite. Er mag dabei nicht so recht zugeben, dass es diese beiden Lager gibt. Ich denke schon, dass es sie gibt, man sieht das doch an den politischen Konflikten, die immer häufiger zwischen ihnen auftreten, bei Themen wie Netzsperren, Leistungsschutzrecht oder Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Jessen jedenfalls meint, beide Seiten müssten nur ein paar falsche Vorstellungen aufgeben, dann würde man sich ganz schnell wieder vertragen.

Dabei stilisiert er uns Internet-„Einheimische“ zu dem uralten Klischee von unverbesserlichen Anarchisten, die wollen, dass im Netz überhaupt keine Gesetze gelten. Die das Netz zum – jetzt kommt der zum unerträglichen idiotischen Kampfausdruck verkommene Begriff – „rechtsfreien Raum“ erklären wollen. So lautet sein erster Appell:

Ein Minimum an Rechtsschutz, wie er sonst von Staaten seinen Bürgern garantiert wird, muss auch im Internet geboten werden. Wenn man sich darauf einigen könnte, und das heißt auch darauf, dass geistiges Eigentum nicht beliebigem Diebstahl ausgesetzt wird, wären viele Streitpunkte zwischen Einheimischen und Einwanderern beseitigt (die sich verständlicherweise um ihr Gepäck sorgen).

Wenn man sich darauf einigen könnte? Dass Gesetze auch im Netz gelten, darüber besteht längst Einigkeit. Dass irgendjemand ernsthaft die politische Forderung erheben würde, im Netz ungestört Kinderpornos gucken, zu Gewalttaten aufrufen, Verleumdungskampagnen durchführen und das Urheberrecht brechen zu dürfen, ist eine völlig absurde Vorstellung. Zum Beispiel das Urheberrecht wird stark respektiert in der digitalen Kultur, wie z.B. die Richtlinien der Wikipedia oder der De-Facto-Standard für ausdrückliches Erlauben, Creative Commons, zeigen.

Aber wir wehren uns, wenn neue Gesetze gefordert werden, die die internetbezogenen Probleme einzelner Lobbygruppen auf Staat, Gesellschaft und Internetprovider abwälzen (ACTA, Leistungsschutzrecht) oder für ein wenig hohle Symbolpolitik Freiheit und Demokratie empfindlich einschränken wollen (Netzsperren). So wie es Bürger/innen in einer Demokratie halt machen, wenn Dinge, die ihnen wichtig sind, zur Zielscheibe lobbyistischer oder populistischer Attacken werden.

Das sind nämlich die interessanten Konfliktlinien zwischen „Einheimischen“ und „Einwanderern“ des Netzes. Jessen lässt sie unerwähnt, deutet sie allenfalls an. Sein zweiter Appell:

Und zweitens, damit zusammenhängend, müsste akzeptiert werden, dass Informations- und Gedankenware höherer Qualität auch im Netz nicht umsonst zu haben sein kann. (…) Namentlich der Streit um die Dignität journalistischer Angebote im Netz würde erlöschen, wenn man neben dem Gratissektor ungeprüfter Qualität (…) auch einen honorarpflichtigen Sektor kontrollierter Nachrichtengüte etablieren könnte. Und wunderbarerweise (…) hinge ein solches Angebot ganz allein von der Zahlungsbereitschaft der heute noch missvergnügten Internetkritiker ab.

Dieser Schwadronade kann ich nicht folgen. Mangelnde Zahlungsbereitschaft bei den Internetkritikern ist wohl kaum das Problem, sondern die bisherige Unfähigkeit der Medien, Angebote zu schaffen, die Internetznutzer/innen Geld wert sind. Eine Frage von Angebot und Nachfrage, die erst da zum politischen Streitpunkt wird, wo Medienvertreter unverhältnismäßige politische Maßnahmen zur Sicherung ihrer Pfründe fordern (Leistungsschutzrecht).

Indem er die wesentlichen Konflikte unter den Tisch fallen lässt, schafft Jessen es, so zu tun, als gäbe es nur ein paar Dickschädel, die zur Einsicht kommen müssten, und zwar bei „Einheimischen“ wie „Einwanderern“ gleichermaßen. Ich halte dagegen: Wir „Einheimischen“ haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir wollen gerade keine regellose Netzparallelgesellschaft, sondern fordern die Einhaltung demokratischer Grundwerte in der digitalen wie in der analogen Welt. Es ist das Lager der „Einwanderer“, aus dem immer wieder netzbezogener Lobbyismus, Populismus und Maßlosigkeiten kommen, die, wenn man sie nicht verhindert, einzelnen kurzfristig nützen und langfristig allen schaden.

Geistiger Diebstahl

Das Urheberrecht ist eine achtenswerte Sache, wiewohl ich glaube, dass die Welt auch ganz ohne es nicht unterginge. Plagiate sind böse, einverstanden. Man merke aber auch: Zitate sind keine Plagiate, sondern legitim. Und in der Literatur müssen Zitate nicht explizit gekennzeichnet sein, zumindest nicht im Text. Sie müssen nur erkennbar sein. Aber Erkennbarkeit hängt natürlich vom Leser ab, deswegen sind solche Zitate von Plagiaten im Zweifel schwer zu unterscheiden.

Der Fall Hegemann bewegt sich offensichtlich in einer Grauzone. Unter den Quellen, die in dem jetzt veröffentlichten sechsseitigen Verzeichnis aufgeführt sind, sind wahrscheinlich beide Sorten von Textübernahmen dabei. Weil es eine Grauzone ist, verstehe ich nicht, wie alle Welt so eindeutige Meinungen dazu haben kann. Eine eindeutige Meinung habe ich in dieser Sache mal wieder hauptsächlich über Leute, die Phrasen wie diese dreschen: „Geistiger Diebstahl ist und bleibt Diebstahl.“ Nein, ist er nicht.

Geistiger Diebstahl ist kein Diebstahl

Ein angeblicher Mörder ist nicht unbedingt ein Mörder. Ein elektrischer Straßenbahnschaffner ist nicht elektrisch. Ein kalter Hund ist kein Hund. Und geistiger Diebstahl ist kein Diebstahl. Ein Diebstahlopfer hat sein Eigentum nicht mehr, ein geistiges Diebstahlopfer sieht sich „nur“ in einem komplizierten Recht auf Selbstbestimmung über das Selbstverfasste verletzt.

Josef Joffe, der uns in der aktuellen Zeit mal wieder einen atemberaubenden Schrott zusammenschreibt, fängt insofern eigentlich ganz vielversprechend an: „Seitdem die Menschheit erzählt, »borgt« und »stiehlt« sie. Aber dann entstand die Idee des »geistigen Eigentums« und des »Plagiats«. (…) Vom 18. Jahrhundert an (…) waren Worte nicht mehr umsonst zu haben; sie gehörten dem Autor, und so entstanden Copyright und Urheberrecht.“

Wir lernen: Das Urheberrecht ist erst kürzlich entstanden, und „entstanden“ bedeutet natürlich: Es wurde von Menschen aus Gründen erfunden und durchgesetzt. Ohne auf diese Gründe irgendwie einzugehen, biegt Joffe, ganz Polemiker, schon im nächsten Satz umstandslos in die kategorische Verteidigung des Urheberrechts ein: „Den Chinesen werfen wir zu Recht das Raubkopieren vor – und Google das Scannen von Millionen von Büchern.“ Zu Recht? Zu welchem Recht?

Und jetzt kommt die entscheidende falsche Behauptung. Sie wird immer wieder gern gemacht, um über die Hintertür des allgemein verbreiteten Respekts vor dem Privateigentum auch die Akzeptanz des Urheberrechts zu steigern. Oder aus Dummheit nachgeplappert: „Worte sind Eigentum – wie Patente und Häuser.“ Nein, sind sie nicht.

Das Eigentum an einem Patent oder einem Haus besteht grob gesagt darin, dass es in den zuständigen Ämtern auf meinen Namen eingetragen ist. Die Tatsache einer solchen Eintragung kann man nicht wie Worte einfach kopieren. Es sind beim Diebstahl wie beim Schutz von Eigentum und geistigem Eigentum völlig verschiedene Vorgänge und Gesetze am Werk, und jeder tut gut daran, auch in seinem persönlichen Rechtsempfinden unterschiedliche Empörungen dafür zu reservieren.

Bei Joffe folgt nun eine Passage, die keinen allzu krassen Unsinn enthält, wenn man davon absieht, dass er Literaturkritikern Vorhaltungen dafür macht, dass sie die Causa unter literarischen Gesichtspunkten bewerten und nicht unter rechtlichen.

Fremde Federn

Was man Hegemann am ehesten vorwerfen kann, bezeichnet Joffe mit „verweislose Aneignung“ sehr gut, wobei ich den Aspekt der Aneignung entscheidend finde. Dass die Verweise fehlen, ist das eine. In der Wissenschaft sind Zitate ohne Verweis per Konvention und sinnvollerweise verboten. In der Kunst ist das nicht so, jedenfalls nicht für mein Kunstempfinden. Viele, die man heute als literarische Größen feiert, wären womöglich nie entdeckt worden, wenn sie so uncool gewesen wären, ihre Textquellen zu listen. Manchmal besteht der literarische Wert einer Übernahme ja auch darin, den Leser die Quelle selbst finden zu lassen. Stichwort Anspielung, Stichwort Verweis, Stichwort Insider, Stichwort soziale Dynamik innerhalb von geistigen Milieus, Stichwort Knuffen in die Seite. Ich benutze variierend auch andauernd Formulierungen, die ich von anderen habe, z.B. Max Goldt, ohne ausdrücklich darauf hinzuweisen. Schon der Übergang zwischen Inspiration und Textübernahme ist fließend. Auf der Ebene kurzer Textfragmente wie Sätzen, Idiomen oder Wörtern ist sogar der Übergang zwischen Textübernahme und ganz normalem Sprachwandel fließend.

Das alles ist eben keine Aneignung. Um statt „Aneignung“ eine Formulierung zu wählen, die ohne Eigentumsmetapher auskommt: Man schmückt sich nicht mit fremdem Federn. Man geht von einer Leserschaft aus, die die Fähigkeit hat, die Quellen zu erkennen, und schmückt sich im Falle von Zitaten nicht mit Worten, sondern mit deren Kenntnis. Nun kann man sagen, Hegemann hätte von keiner Leserschaft ausgehen dürfen, die Airens Blog kennt. Aber es ist nicht klar, ob sie wissen konnte, dass ihr Buch für ein paar Wochen außerhalb der entsprechenden Kreise deutlich bekannter sein würde als Airens Schriften.

Selbst einen Roman, der völlig aus Schnipseln fremder Werke besteht, würde ich nicht als Plagiat bezeichnen, wenn der Autor zwar das Gesamtwerk, nicht aber die einzelnen Schnipsel als seine eigenen ausgibt. Wenn er zu seinen Methoden steht. Es ist der Eindruck entstanden, dass Helene Hegemann nicht zu ihren Methoden stehen, dass sie sie verbergen wollte, bevor die Textübernahmen publik wurden. Wenn das stimmt, ist es wirklich ein Makel. So oder so ist sie mit der Situation nicht gut umgegangen, da stimme ich Joffe sogar mal zu: „Von der Autorin wünscht man sich ein Quantum an Zerknirschung oder, wie es früher hieß: »Wohlanständigkeit«.“

Worte sind kein Eigentum

Wendet sich Joffe nun also der menschlichen Seite zu und ist mit der Zurschaustellung verbreiteter mangelnder juristischer Intelligenz fertig? Leider nein, zwei Sätze später muss ich mir wieder schreiend aufs Hirn greifen: „Sie empfinde es nicht als »geklaut, weil ich ja das ganze Material in einen völlig anderen und eigenen Kontext eingebaut habe«. Ist der Vergaser nicht geklaut, wenn ich ihn in mein Auto einbaue?“ Tja… was soll man dazu noch sagen. Als ich zuletzt nachgeguckt habe, waren zumindest in meinem Exemplar von Strobo alle von Hegemann „geklauten“ Passagen noch vorhanden. Was ich von dem Vergaser, der mir letztes Jahr geklaut wurde, leider nicht behaupten kann. Danke, Herr Joffe, Sie haben gerade selbst demonstriert, wie unsinnig es ist, „geistiges Eigentum“wörtlich zu interpretieren.

Doch Joffe lässt sich ja von niemandem belehren, auch nicht von sich selbst: „Warum dann zwischen geistigem und materiellem Eigentum unterscheiden? (…) Die Trennung lässt sich nicht durchhalten, nicht in einer Welt, in der die Leistung einer Wirtschaft nur noch zu zwanzig Prozent aus »Dingen« – Autos, Äpfeln, iPods – besteht. Die anderen achtzig Prozent im weitesten Sinne »geistiges Eigentum« sind, die Hauptwertschöpfer des 21. Jahrhunderts.“ Mich würde interessieren, woher er diese Zahlen hat und ob er, bevor er diese Tatsache auf dem Altar der Polemik opferte, wenigstens daran gedacht hat, dass die „zwanzig Prozent“ aus der Übertragung von Eigentum bestehen, die „achtzig Prozent“ hingegen ganz bestimmt ganz überwiegend aus der Gewährung von Nutzungsrechten an geistigem Material. Auch wenn ein Patent verkauft wird, wird nicht die Idee verkauft – die ist vor wie nach dem Kauf in beiden Köpfen – sondern ein exklusives Nutzungsrecht. Entsprechend lassen sich auch keine Worte besitzen, sondern höchstens das Recht, bestimmte Kombinationen von Worten in bestimmter Weise öffentlich zu verwenden. Wenn die Hauptwertschöpfer des 21. Jahrhunderts tatsächlich geistiger Natur sind, ist es umso wichtiger, den Unterschied zwischen Eigentumsrecht und Urheberrecht zu kennen.

Und andere Unterschiede auch, wie den zwischen Urheberrecht und Copyright, auf den ich hier jetzt mal nicht eingegangen bin.