Eine Antwort zur Semantik

Lieber @Frachtschaden,

du schreibst von zwei Sätzen, die anscheinend verschiedene Bedeutungen haben, obwohl sie genau die gleichen Satzglieder haben (Prädikat wohnen, Subjekt Könige, Präpositionalobjekt in Palästen):

(A) Könige wohnen in Palästen
(B) In Palästen wohnen Könige

Es gibt für beide Sätze einige mögliche Lesarten. In den Lesarten, auf die du dich beziehst, sind die Sätze generische Sätze, die die Funktion von partiellen Definitionen haben (Krifka), also für eine Klasse von Dingen eine allgemeine Aussage trifft. Die beiden Lesarten, formal aufgeschrieben, sind damit:

(1) ∀x.(könig(x) → wohnt_in_palast(x))
(2) ∀x.(palast(x) → könig_wohnt_in(x))

Nun gilt laut Krifka (und ich meine, er hat Recht) für generische Sätze im Deutschen die Beschränkung, dass das Definiendum durch das Topik des Satzes ausgedrückt werden muss und das Definiens durch den Fokus.

Ferner gilt, wenn ich nicht irre, dass Satzglieder, die zum Fokus eines Satzes gehören, nur dann im Vorfeld stehen können, wenn sie einen Kontrastakzent tragen. Von einem Kontrastakzent würde man beim Lesen der Sätze, wie sie in (A) und (B) aufgeschrieben sind, nicht ausgehen, da nichts mit Sternchen, Unterstreichungen, Kursivschrift o.Ä. markiert ist und man auch keinen Kontext sieht (wie eine Frage oder eine dem Satz widersprechende Aussage), der einen Kontrastakzent rechtfertigen würde.

In (A) steht aber Könige im Vorfeld und kommt damit nicht als Teil des Fokus und Definiens in Frage, womit Lesart (2) ausscheidet. In (B) steht Paläste im Vorfeld und kommt damit nicht als Teil des Fokus und Definiens in Frage, womit Lesart (1) ausscheidet.

Insofern: Ja, die Satzstellung kann die Bedeutung verändern!

Tsait füür dii näächste rächtshraibreeform

Vän äs naach miir ginge, vürde dii rächtshraibung des doitshen vii folgt reeformiirt: Ainz-tsuu-ainz-tsuuordnung tsvishen foneemen und grafeemen. Konzoonantenbuuchshtaaben nii dopelt. Ainfache vookaalbuuchshtaaben füür kurtse vookaale, dopelte füür lange. Tranzpaaräntere shraibung fon diftongen: <ai> shtat <ei>, <oi> shtat <eu>. Apshafung üüberflüsiger zonderveege bai deer shraibung fon konzoonanten: <ts> shtat <z>, <v> shtat <w> (diizes vird apgeshaft), <f> shtat <v>, voo fooneemish shtimloos (t.b. <foogel>), <v> shtat <f>, voo fooneemish shtimhaft (t.b. <fünv>, <fünver>), <z> shtat <s>, voo fooneemish shtimhaft (t.b. <hauz>, <hoizer>, aaber <has>, <hases>), <sh> shtat <sch>, <sht>/<shp> shtat <st>/<sp>, <kv> shtat <qu>, <ts> btv. <k> shtat <c>, <ks> shtat <x>; <i>, <j>, <ü> ooder <üü> shtat <y>. Apshafung deer groosshraibung fon noomiinaa. Diis ales hauptsächlich, um dii ortoografii laichter tsuu ärlärnen unt tsu ärkläären tsuu machen.

LA-DI-DA

LA-DI-DA

Inspiriert durch das bei Max Goldt aufgeschnappte Zitat „Pah, Schauspieler! Fünf Schals, und sie kratzen sich mit der linken Hand am rechten Ohr!“ habe ich mal versucht, dem Ausdruck „LA-DI-DA!“ endlich eine angemessene visuelle Form zu geben.

Vorlesungsaufzeichnung mit Kamera-Roboter

Eine Studentin kann wegen einer Überschneidung meine Vorlesung nicht besuchen und fragt, ob eine Videoaufnahme gemacht werden könne. Mir gefällt die Idee. Wenn die Vorlesung aufgezeichnet wird und von den Kursteilnehmer/inne/n zeit- und ortsunabhängig gesehen und gehört werden kann, lohnt sich der im Vergleich zum Ertrag dieses eher veralteten Wissensvermittlungsformats doch recht hohe Vorbereitungs- und Energieaufwand sicher etwas mehr.

Ich also in den Hörsaal, um zu gucken, ob da eine fest installierte Kamera ist. Das ist der Fall. Aber wie benutzt man sie? Ich frage in der Portiersloge, die schickt mich zum AV-Dienst, der schickt mich zum Büro für studentische Angelegenheiten, das schickt mich zur Abteilung Stundenpläne. Dort wird die Vorlesung im zentralen Stundenplansystem als aufzunehmen markiert, mir wird aber nahegelegt, wegen der Kurzfristigkeit dem AV-Dienst nochmal Bescheid zu sagen, damit die den anscheinend erforderlichen analogen Zwischenschritt noch vornehmen können. Das tue ich per E-Mail, die Bestätigung kommt alsbald und ich kann im webbasierten Kursportal meinem Kurs eine Sektion hinzufügen, in der dann die Videos aller Vorlesungswochen nach und nach automatisch auftauchen sollen.

Von da an geht anscheinend tatsächlich fast alles von selbst. Vor der ersten Vorlesungssitzung hole ich in der Portiersloge ein Funkmikrofon ab. Pünktlich um 13:00 Uhr geht im Hörsaal die Kamera an und dreht sich automatisch, wenn ich auf und ab schreite. Die ersten zehn Minuten lang zeichnet sie ohne Ton die Versuche von mir und der studentischen Hilfskraft auf, PC und Beamer zum Laufen zu kriegen. Alles wird zentral über ein Touchscreen-Gerät bedient, das sich aber anscheinend gerne mal aufhängt, und der Neustart beinhaltet einen kompletten Abkühl- und Wiederaufwärm-Zyklus des Beamers. Nicht alle Technik ist so benutzerfreundlich wie der freundliche Kamera-Roboter.

Am Anfang und Ende des Vortrags und aller Pausen gelingt es mir jeweils, den Mute-Schalter im richtigen Moment in die richtige Stellung zu bringen. Minuten nach der Vorlesung ist im Kursportal ein Vorschaubild zu sehen, nach ein paar Stunden ist das Video dann transkodiert und kann angesehen werden – schön mit dem separat aufgezeichneten Output des Beamers daneben, wie man das mag. Gerne wieder.

Was ich immer sage (8)

Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3), Was ich immer sage (4), Was ich immer sage (5), Was ich immer sage (6), Was ich immer sage (7)

  1. A man can try.
  2. (Nach dem Korrigieren der Zeitform in einem Text) Habemus Präsens!
  3. Tschakka, ne.
  4. Excellent!
  5. That’s right.
  6. So viel dazu.
  7. And now we wait.
  8. Silly me.
  9. Sounds good.
  10. So weit waren wir schon.

Das Zerdreschen von Musikinstrumenten (4)

Manchmal stelle ich mir vor, wie ich eine Rakete in einen Glockenturm schieße und die Glocken ein letztes Mal KLÄNG machen. Es ist eine schöne Vorstellung. Während eines Meetings hat mich heute mal wieder das Glockenspiel im Turm des Hauptgebäudes der Universität Groningen schier wahnsinnig gemacht. Und das ist das wohlklingende der beiden Carillons in der Groninger Innenstadt. Es gibt da auch noch das in der Martinikirche, neben dem zu wohnen ich mir ungeschickterweise ausgesucht habe. Zwei- oder dreimal pro Woche greift der Stadtglockenspieler am Vormittag eine ganze Stunde lang in seine Tasten. Zudem wird es jeden Tag von früh bis spät viermal pro Stunde von einer Mechanik betätigt und spielt zu jeder Viertelstunde eine andere Melodie, beim frühmorgendlichen Erstspiel sogar alle vier hintereinander. Die Häufigkeit zeugt von großem Stolz aufseiten der Groninger und von Vertrauen in die Qualität der Darbietung, wie es weniger gerechtfertigt nicht sein könnte. Das Carillon klingt furchtbar blechern und für mein Gefühl ist keine der Glocken näher als einen Achtelton am intendierten. Vollends grotesk wird es bei starkem Wind, wenn nur noch ein stark verzerrter Experimentalhorrorfilmsoundtrack dabei herauskommt. Zerdrösche man das Carillon, würde Groningen in musikalischer Hinsicht auf einen Schlag fünfmal kultivierter.

Was ich immer sage (7)

Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3), Was ich immer sage (4), Was ich immer sage (5), Was ich immer sage (6)

  1. Story of my life.
  2. Gut schaut ihr aus.
  3. There, I fixed it.
  4. Konsistenz über alles!
  5. Sei geknuddelt!
  6. Problem vollständig gelöst.
  7. Mooooi!
  8. Das wüsst ich aber.
  9. Hee hee. That’s funny. You’re funny.
  10. That’s not my area of expertise.