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Probleme mit meinem Staubsaug-Roboter

Zwischen der ersten Tasse Kaffee (6 Uhr) und dem Aufstehen (8 Uhr) hatte ich kürzlich einen wilden Traum, in dem ich mehrere Probleme mit meinem Deebot Slim hatte:

  1. Mit seinen autonomen Bewegungen und rotierenden Bürsten triggerte er bei mir Spinnenangst.
  2. Ich erwischte ihn dabei, wie er auf dem Badewannenrand herumfuhr. Wie er da heraufgekommen war? Über mein Badezimmerregal. (In meinem Traum funktionierten Regale anscheinend wie Fahrstühle.)
  3. Auch sonst hatte er sich unbeaufsichtigt in zu gefährliche Ecken meiner Wohnung vorgewagt und sich dabei in mehrere Teile zerlegt, die wie geschmolzenes Plastik aussahen. Meine Versuche, ihn wieder zusammenzusetzen, waren mittelerfolgreich.
  4. Trotz dem Roboter war meine Wohnung immer noch voller Staubmäuse, Tannennadeln und Verwandter, die hier Weihnachten feiern wollten und dafür sorgten, dass ich zu spät zu einem Vortrag an der Uni sein würde, den ich halten sollte.

Glücklicherweise tritt keines der Probleme in der Realität in der Form auf.

 

Für Sie getestet: Tour D 1–10

Seit knapp drei Monaten wohne ich nach zwölfjähriger Abwesenheit wieder in meiner Heimatstadt Düsseldorf. Mit als erstes drückte man mir hier eine sehr schön gestaltete Broschüre mit zehn Radtouren („Tour D“) in die Hand. So beschloss ich, auf diese Weise meine Stadt wiederzuentdecken. Das habe ich dann diesen Sommer nach und nach gemacht; nur auf die bei Nacht zu fahrende Tour D 8 hatte ich bisher nie Lust. Hier sieht man die GPS-Spuren samt Anfahrt aus Hassels:

Tour D 1

Das ist sozusagen eine Erweiterung meines normalen Weges von zu Hause in die Innenstadt. Neu kennengelernt habe ich u.a. die Eisenbahnüberführung Kikweg mit ihren gotischen Bögen und den Unterbacher See.

Tour D 3

Diesen Bereich kannte ich größtenteils sehr gut, weil ich als Kind und Jugendlicher in Unterbilk gewohnt und schon damals die Pracht des Medienhafens, der Lausward etc. genossen hatte. Neu war mir der Aderräuscherweg zwischen Südfriedhof und Volmerswerth.

Tour D 4 und 2, zurück am Rhein

Hatte mich die Tour D 4 von Hassels nach Stockum gebracht, wäre es ja geradezu Verschwendung gewesen, die Rundtour D 2 nicht gleich dranzuhängen. Hier war noch viel Unentdecktes für mich, z.B. die Umgebung des Flughafens und Schloss Kalkum. Zurückgefahren bin ich dann am Rheinufer entlang und habe auch, so weit es ging, den Himmelgeister Rheinbogen ausgefahren, wo ich noch nie gewesen war. Leider war zu diesem Zeitpunkt das GPS aus, sodass man diese Leistung (es zieht sich ganz schön) nur annähernd sieht.

Tour D 5

Sehr schöne, bergige und waldige Tour. Man kommt an Pferden und Segelflugzeugen vorbei. Mit der GPS-Aufzeichnung ist leider irgendwas schiefgegangen.

Tour D 6

Eine etwas verwirrend zu navigierende schneckenhausförmige Tour. Viele hübsche grüne Stellen, z.B. an der Stelle, an der die Tour kurz über die Stadtgrenze hinaus nach Langenfeld-Baumberg geht.

Tour D 7

Vierbrückentour teilweise auch durch mir noch unbekannte linksrheinische Gefilde. Rechtsrheinisch hier mit kulinarischen Abstechern zu Maruyasu und zur Steakschmiede.

Tour D 9

Diese Tour folgt dem Verlauf der Düssel. Ich hatte lange nicht gewusst, wie die Düssel eigentlich funktioniert, sondern nur den Eindruck gehabt, dass sie in der Innenstadt weitgehend unterirdisch fließt und an allen möglichen unerwarteten Stellen plötzlich für ein paar Meter aus der Erde kommt, so verstreut, dass ihr genauer Verlauf mir ein Rätsel war.

Erfreulicherweise hat die Tour-D-Broschüre eine eigene Doppelseite, um die Düssel zu erklären: Diese spaltet sich nämlich seit dem frühen 20. Jahrhundert im Düsseldorfer Osten in zwei Arme, die nördliche und die südliche Düssel. Jeder Arm spaltet sich dann noch mal in zwei, bevor alle vier Arme an verschiedenen Stellen in den Rhein münden. Das erklärt die weit verstreuten Düsselsichtungen. Dass die Düssel vielerorts unterirdisch fließt, verdankt sich ihrer intensiven Verrohrung. Diese wird in neuerer Zeit als sittliche Verrohung wahrgenommen und schrittweise zurückgenommen. Mehr Düssel, mehr hübsch!

Ich habe diese Tour mit anderen Unternehmungen verbunden und auf zwei Tage verteilt. Auf dieser Karte ist die südliche Hälfte zu sehen:

Und auf dieser die nördliche:

Tour D 10

Einmal praktisch ums ganze Stadtgebiet, aber unter gnädiger Aussparung des Himmelgeister Rheinbogens. Die erste Rheinquerung habe ich von der Flughafenbrücke zur Kaiserswerther Rheinfähre vorverlegt.

Zur Navigation

Um die Strecken zu finden, habe ich die RADschlag-App verwendet, die ein integriertes Navigationssystem für die Touren D hat. Anfänglich wollte ich mich ganz auf die Sprachausgabe verlassen. Diese ist allerdings oft verwirrend. Mal schweigt die App, wenn man auf jeden Fall eine Anweisung bräuchte, ob man links oder rechts weiterfahren soll. Mal beschreibt sie komplizierte Abbiegemanöver, wenn man einfach nur geradeaus weiterfahren muss. Und Brücken und Unterführungen, die eine menschliche Navigation auf jeden Fall erwähnen würde, ignoriert die App. So habe ich denn schnell die Lenkerhalterung fürs Smartphone rausgekramt, um bei Unklarheiten schnell auf die Karte schauen zu können. Aufgrund des geringen maximalen Zoomfaktors bewahrt einen auch das nicht immer vor Irrgängen (insbesondere im Volksgarten und anderen Parkanlagen ist es schlimm), aber oft genug.

Leider werden auch die verschiedenen Sehenswürdigkeiten, an denen man vorbeikommt, nicht genannt, sondern wurden als „Zwischenziel 1, Zwischenziel 2…“ ziemlich hackig in die Navigationsanweisungen integriert: „In 200 Metern Zwischenziel 1, danach direkt geradeaus.“ Die Nummerierung der Zwischenziele entspricht noch nicht einmal der in der Broschüre, sondern startet jedes Mal neu von 1, wenn die Route neu berechnet wird. Also auch jedes Mal, wenn die App sagt: „Die Route wird jetzt neu berechnet“, obwohl man gar nicht von ihr abgewichen ist. Und das passiert ziemlich häufig, aus irgendeinem Grund besonders häufig auf dem Lohauser Deich. Man darf sich davon nicht kirre machen lassen.

Die Rundtouren kann man angenehmerweise an dem Punkt beginnen, der einem am nächsten liegt, und sich am Anfang von der App dorthin navigieren lassen. Die Fahrtrichtung umzukehren ist leider nicht möglich, was insbesondere bei den Nicht-Rundtouren praktisch wäre.

So war China (Zamonien-Stil)

Nachdem ich 2013 drei Wochen lang in China gewesen war, schickte ich einen langen Reisebericht an Freund/inn/e/n und Verwandte. Das Begleitschreiben teaserte ihn im Stile des Klappentextes der „13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ an:

Ich müsste untertreiben (und es ist ja hinlänglich bekannt, dass das nicht meiner Natur entspricht), wenn ich behaupten würde, unsere drei Wochen in China seien ganz nett gewesen. Ich sage nur: Die Verbotene Stadt. Tausendjährige Eier. Agatha Christie. Dreizehn tote Kaiser. Ein schockierter Professor. Eine vom Himmel geholte Wunschlaterne. Ein Marionettenkaiser. Deutschlandknoten. Ein Spielplatz für Erwachsene. Guānxì. Hundefleisch. Eine mobile Touristenattraktion. Ein unterirdischer Wald (nicht wirklich). Salzgebäck als Heiratskriterium. Streifenhörnchen. Plötzliche Abschiede. Eine ewige Karussellfahrt. Katakomben. Ein zwei Meter hohes Quietscheentchen. Ein russophiler Englischprofessor. Ein kàng. Übungen in Vergänglichkeit… aber ich will nicht vorgreifen!

Vorlesungsaufzeichnung mit Kamera-Roboter

Eine Studentin kann wegen einer Überschneidung meine Vorlesung nicht besuchen und fragt, ob eine Videoaufnahme gemacht werden könne. Mir gefällt die Idee. Wenn die Vorlesung aufgezeichnet wird und von den Kursteilnehmer/inne/n zeit- und ortsunabhängig gesehen und gehört werden kann, lohnt sich der im Vergleich zum Ertrag dieses eher veralteten Wissensvermittlungsformats doch recht hohe Vorbereitungs- und Energieaufwand sicher etwas mehr.

Ich also in den Hörsaal, um zu gucken, ob da eine fest installierte Kamera ist. Das ist der Fall. Aber wie benutzt man sie? Ich frage in der Portiersloge, die schickt mich zum AV-Dienst, der schickt mich zum Büro für studentische Angelegenheiten, das schickt mich zur Abteilung Stundenpläne. Dort wird die Vorlesung im zentralen Stundenplansystem als aufzunehmen markiert, mir wird aber nahegelegt, wegen der Kurzfristigkeit dem AV-Dienst nochmal Bescheid zu sagen, damit die den anscheinend erforderlichen analogen Zwischenschritt noch vornehmen können. Das tue ich per E-Mail, die Bestätigung kommt alsbald und ich kann im webbasierten Kursportal meinem Kurs eine Sektion hinzufügen, in der dann die Videos aller Vorlesungswochen nach und nach automatisch auftauchen sollen.

Von da an geht anscheinend tatsächlich fast alles von selbst. Vor der ersten Vorlesungssitzung hole ich in der Portiersloge ein Funkmikrofon ab. Pünktlich um 13:00 Uhr geht im Hörsaal die Kamera an und dreht sich automatisch, wenn ich auf und ab schreite. Die ersten zehn Minuten lang zeichnet sie ohne Ton die Versuche von mir und der studentischen Hilfskraft auf, PC und Beamer zum Laufen zu kriegen. Alles wird zentral über ein Touchscreen-Gerät bedient, das sich aber anscheinend gerne mal aufhängt, und der Neustart beinhaltet einen kompletten Abkühl- und Wiederaufwärm-Zyklus des Beamers. Nicht alle Technik ist so benutzerfreundlich wie der freundliche Kamera-Roboter.

Am Anfang und Ende des Vortrags und aller Pausen gelingt es mir jeweils, den Mute-Schalter im richtigen Moment in die richtige Stellung zu bringen. Minuten nach der Vorlesung ist im Kursportal ein Vorschaubild zu sehen, nach ein paar Stunden ist das Video dann transkodiert und kann angesehen werden – schön mit dem separat aufgezeichneten Output des Beamers daneben, wie man das mag. Gerne wieder.

Was ich immer sage (8)

Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3), Was ich immer sage (4), Was ich immer sage (5), Was ich immer sage (6), Was ich immer sage (7)

  1. A man can try.
  2. (Nach dem Korrigieren der Zeitform in einem Text) Habemus Präsens!
  3. Tschakka, ne.
  4. Excellent!
  5. That’s right.
  6. So viel dazu.
  7. And now we wait.
  8. Silly me.
  9. Sounds good.
  10. So weit waren wir schon.

Was ich immer sage (7)

Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3), Was ich immer sage (4), Was ich immer sage (5), Was ich immer sage (6)

  1. Story of my life.
  2. Gut schaut ihr aus.
  3. There, I fixed it.
  4. Konsistenz über alles!
  5. Sei geknuddelt!
  6. Problem vollständig gelöst.
  7. Mooooi!
  8. Das wüsst ich aber.
  9. Hee hee. That’s funny. You’re funny.
  10. That’s not my area of expertise.

Il Giardino dei Tarocchi

Nur wenige Orte sind so dazu geeignet, mit der Welt Frieden zu schließen, wie der „Tarotgarten“, den die große Künstlerin Niki de Saint Phalle vor den Toren des Städtchens Campalbio in der südlichen Toskana errichtet hat. Man merkt ihm an, mit wie viel Liebe er gemacht ist. Die extrem farben- und formenfrohe Gestaltung der Skulpturen und Pavillons reicht hinein bis in aberwitzig viele Details, wie Säulen mit Stachelkleidern, die man streicheln kann, hohle Drachen, in denen man liegen kann, der Fußboden, in den Muster und Runen gezeichnet sind. Alles ist bunt oder spiegelnd und aus widerstandsfähigen Materialien, die Wetter, Streicheln und Klettern trotzen. Mir blieb nur, mit einem Hochgefühl durch das alles hindurchzuspazieren, lächelnd und gelöst.

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Die Kaiserin, die Päpstin, der Turm, der Kaiser, das Rad des Schicksals und der Magier

Die Kaiserin ist – zusammen mit dem Magier – das Gesicht des Parks. Der Ausdruck dieses Gesichts ist über alle Maßen herrschaftlich, und die enormen Brüste der Kaiserin (de Saint Phalle ist für die großzügige Darstellung weiblicher Rundungen bekannt) bringt sie wie Kanonen alles sprengenden Kalibers in Stellung. Außerdem kann man in der Kaiserin wohnen, ein großes Wohnzimmer, Kochnische und Bad mit Klo und Dusche, alles bunt mosaisch ausgekleidet, sind vorhanden.

Im Kaiser

Im Kaiser

Der Kaiser schaut ganz anders aus, gar nicht wie eine Person, im Grunde ist er ein runder Säulengang mit begehbarer Galerie. Abgesehen von der runden Form und dem Brunnen in der Mitte ist alles an ihm phallisch: der Turm mit den goldenen Kugeln auf der Spitze, die wie im Übermut dazugestellte rote Rakete, der in den Komplex integrierte Turm und die Säulen des Säulengangs, mit den unterschiedlichsten Perlen, Bildern und Stacheln besetzt und sehr sinnlich zu berühren.

Der Tod

Der Tod

Dass das alles kein allzeit heiteres, vielleicht etwas suggestives Disneyland ist, wird klar, wenn man zu der einzeln stehenden Skulptur des Todes weitergeht. Genau so bunt wie alles andere hier und geformt wie eine klassische Nana im Badeanzug, nur mit Totenkopf, ist diese Gestalt doch unverkennbar grim: Zwischen den Hufen ihres mit blauer Nacht behangenen Pferdes liegt, dahingerafft, mit allen möglichen Kuscheltieren nicht nur die halbe Einrichtung eines Kinderzimmers, sondern mit emporgestreckten menschlichen Armen und Beinen womöglich auch dessen Bewohnerschaft.

Die Gerechtigkeit

Die Gerechtigkeit

Müsste ich eine Lieblingsfigur wählen, so müsste es wohl die Gerechtigkeit sein. Auch hierbei handelt es sich um eine Frauenfigur, sehr groß, herausstechenderweise ganz in Schwarz und Weiß gehalten. Ihre Brüste sind gleichzeitig die Waagschalen des berühmten Attributs der Gerechtigkeit. In ihrem Inneren befindet sich, hinter Gitter und Schloss, eine extrem verrostete, extrem wirr aufgebaute und fürchterlich quietschende motorisierte Installation: eine Art Maschine, die sich unaufhörlich bewegt. Darin hängen ein verkleinertes menschliches Skelett und mehrere Tierschädel. Meine Assoziation: Diese Maschine hat man vor Jahrzehnten eingeschaltet, um einen Delinquenten automatisiert zu Tode zu foltern, und seitdem hat man sie nicht mehr berührt. Es scheint mir also, sympathischerweise, ein eher skeptischer und sarkastischer künstlerischer Kommentar zum Konzept der Gerechtigkeit zu sein.

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Der Magier, der Gehängte, der Papst und die Sonne

Und ich hatte noch gezweifelt, ob der Garten die insgesamt fünf Stunden in Zügen und Bussen in die Provinz an meinem letzten Rom-Tag lohnen würde. Hell, did it ever!

Was ich immer sage (6)

Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3), Was ich immer sage (4), Was ich immer sage (5).

  1. Indeed.
  2. Where to start.
  3. How could this possibly lead to confusion?
  4. How are things on this side of the party?
  5. Verzeihung.
  6. Consistency above all!
  7. Hat was.
  8. Kijk!
  9. (When people start to clink glasses.) Handshake problem!
  10. (When someone turns down help with the dishes etc.) I was counting on your saying that.