Wer entwurzelt werden will, muss erstmal welche schlagen.
Wer enttäuscht werden will, muss sich erstmal was versprechen.
Wer verzeihen will, muss erstmal übelnehmen.
Archiv der Kategorie: Leben
Was ich immer sage (7)
Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3), Was ich immer sage (4), Was ich immer sage (5), Was ich immer sage (6)
- Story of my life.
- Gut schaut ihr aus.
- There, I fixed it.
- Konsistenz über alles!
- Sei geknuddelt!
- Problem vollständig gelöst.
- Mooooi!
- Das wüsst ich aber.
- Hee hee. That’s funny. You’re funny.
- That’s not my area of expertise.
Il Giardino dei Tarocchi
Nur wenige Orte sind so dazu geeignet, mit der Welt Frieden zu schließen, wie der „Tarotgarten“, den die große Künstlerin Niki de Saint Phalle vor den Toren des Städtchens Campalbio in der südlichen Toskana errichtet hat. Man merkt ihm an, mit wie viel Liebe er gemacht ist. Die extrem farben- und formenfrohe Gestaltung der Skulpturen und Pavillons reicht hinein bis in aberwitzig viele Details, wie Säulen mit Stachelkleidern, die man streicheln kann, hohle Drachen, in denen man liegen kann, der Fußboden, in den Muster und Runen gezeichnet sind. Alles ist bunt oder spiegelnd und aus widerstandsfähigen Materialien, die Wetter, Streicheln und Klettern trotzen. Mir blieb nur, mit einem Hochgefühl durch das alles hindurchzuspazieren, lächelnd und gelöst.
Die Kaiserin ist – zusammen mit dem Magier – das Gesicht des Parks. Der Ausdruck dieses Gesichts ist über alle Maßen herrschaftlich, und die enormen Brüste der Kaiserin (de Saint Phalle ist für die großzügige Darstellung weiblicher Rundungen bekannt) bringt sie wie Kanonen alles sprengenden Kalibers in Stellung. Außerdem kann man in der Kaiserin wohnen, ein großes Wohnzimmer, Kochnische und Bad mit Klo und Dusche, alles bunt mosaisch ausgekleidet, sind vorhanden.
Der Kaiser schaut ganz anders aus, gar nicht wie eine Person, im Grunde ist er ein runder Säulengang mit begehbarer Galerie. Abgesehen von der runden Form und dem Brunnen in der Mitte ist alles an ihm phallisch: der Turm mit den goldenen Kugeln auf der Spitze, die wie im Übermut dazugestellte rote Rakete, der in den Komplex integrierte Turm und die Säulen des Säulengangs, mit den unterschiedlichsten Perlen, Bildern und Stacheln besetzt und sehr sinnlich zu berühren.
Dass das alles kein allzeit heiteres, vielleicht etwas suggestives Disneyland ist, wird klar, wenn man zu der einzeln stehenden Skulptur des Todes weitergeht. Genau so bunt wie alles andere hier und geformt wie eine klassische Nana im Badeanzug, nur mit Totenkopf, ist diese Gestalt doch unverkennbar grim: Zwischen den Hufen ihres mit blauer Nacht behangenen Pferdes liegt, dahingerafft, mit allen möglichen Kuscheltieren nicht nur die halbe Einrichtung eines Kinderzimmers, sondern mit emporgestreckten menschlichen Armen und Beinen womöglich auch dessen Bewohnerschaft.
Müsste ich eine Lieblingsfigur wählen, so müsste es wohl die Gerechtigkeit sein. Auch hierbei handelt es sich um eine Frauenfigur, sehr groß, herausstechenderweise ganz in Schwarz und Weiß gehalten. Ihre Brüste sind gleichzeitig die Waagschalen des berühmten Attributs der Gerechtigkeit. In ihrem Inneren befindet sich, hinter Gitter und Schloss, eine extrem verrostete, extrem wirr aufgebaute und fürchterlich quietschende motorisierte Installation: eine Art Maschine, die sich unaufhörlich bewegt. Darin hängen ein verkleinertes menschliches Skelett und mehrere Tierschädel. Meine Assoziation: Diese Maschine hat man vor Jahrzehnten eingeschaltet, um einen Delinquenten automatisiert zu Tode zu foltern, und seitdem hat man sie nicht mehr berührt. Es scheint mir also, sympathischerweise, ein eher skeptischer und sarkastischer künstlerischer Kommentar zum Konzept der Gerechtigkeit zu sein.
Und ich hatte noch gezweifelt, ob der Garten die insgesamt fünf Stunden in Zügen und Bussen in die Provinz an meinem letzten Rom-Tag lohnen würde. Hell, did it ever!
Was ich immer sage (6)
Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3), Was ich immer sage (4), Was ich immer sage (5).
- Indeed.
- Where to start.
- How could this possibly lead to confusion?
- How are things on this side of the party?
- Verzeihung.
- Consistency above all!
- Hat was.
- Kijk!
- (When people start to clink glasses.) Handshake problem!
- (When someone turns down help with the dishes etc.) I was counting on your saying that.
Deutschlandumrundung (3)
Dieses Jahr kommt das Projekt „Ungefähre Deutschlandumrundung auf dem Fahrrad“ zum Abschluss. Seit 2008 fahren mein Vater, mein Bruder und ich jeden Sommer für eine Woche von Jugendherberge zu Jugendherberge. Nun ist auch das siebte Siebtel abgesteckt, Zeit für eine neue Übersicht:
2008: Wuppertal – Dortmund – Münster – Lingen – Ostrhauderfehn – Nordenham – Guderhandviertel – Hamburg
2009: Hamburg – Lauenburg (Elbe) – Ratzeburg – Schwerin – Güstrow – Greifswald – Stönkvitz (Rügen) – Stralsund
2010: Stralsund – Anklam – Gartz – Wriezen – Eisenhüttenstadt – Weißwasser – Oybin – Görlitz
2011: Görlitz – Bautzen – Dresden – Torgau – Leipzig – Jena – Neidenberga – Hof – Bayreuth – Nürnberg
2012: Nürnberg – Dietfurt-Töging – Wörth-Hofdorf – Passau – Burghausen – Wasserburg-Attel – Schliersee – München – Augsburg – Ulm
2013: Ulm – Biberach – Überlingen – Schaffhausen (Schweiz) – Lörrach – Breisach – Strasbourg (Frankreich) – Karlsruhe
2014: Karslruhe – Neustadt (Weinstraße) – Homburg – Mettlach – Bollendorf – Sankt Vith (Belgien) – Aachen – Wuppertal
Was ich immer sage (5)
Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3), Was ich immer sage (4).
- Always a pleasure doing business with you.
- Man gebe mir Kaffee.
- Da hab ich keinen Vorgang für.
- So weit war ich auch schon.
- Good thinking.
- Purr.
- Wissen gilt nicht.
- Liars!
- Zum Beispiel?
- What could possibly go wrong.
Laterne vs. Drohne
Wenhua-Platz, Changchun, 24. Mai 2013. Wer nach einem langen Arbeits- oder Schultag in der nordostchinesischen Millionenstadt noch Energie hat, versammelt sich gern auf einer quadratischen Grünfläche wie dieser, um in fliegenden Open-Air-Discos nach Anleitung zu tanzen, anderweitig Gymnastik zu machen, romantisch zu spazieren oder seinen Hunden oder elektrischen Spielzeugen Auslauf zu gewähren. Ein neonblau beleuchteter Quadcopter führt Kunststücke vor. Ein paar Häuserzeilen hinter dem Platz sieht man Wunschlaternen aufsteigen, kleine Heißluftballons, die in China seit Jahrhunderten in den Nachthimmel entlassen werden, oft um Wünsche den Mächten mitzuteilen, die dort oben wohnen mögen. Die Feuer der Laternen malen orange Punkte an den Himmel.
Plötzlich ein zorniges Brummen. Ein ferngesteuertes Fluggerät hält auf eine der Laternen zu. Der Besitzer will sie offensichtlich vom Himmel holen. Der Flug der rot beleuchteten, winkelförmigen Drohne verrät bewundernswertes Geschick im Umgang mit der Fernsteuerung, doch es ist alles andere als einfach. Insbesondere auf die Entfernung die räumliche Lage von Drohne und Laterne zueinander abzuschätzen muss schwierig sein. Eine ganze Reihe von Wunschlaternen verschwindet aggressiv umschwirrt, aber unbeschädigt in der Höhe. Erst einige Zeit später, als wir den Angriff schon aufgegeben wähnen, erscheint plötzlich eine weitere Laterne, wird beinahe umgehend getroffen und geht, weiterhin brennend, vom langsamen Steig- in einen schnellen Sinkflug über. Jugendlicher Übermut triumphiert über Tradition!
Auf einer der Wiesen des Platzes spielt sich ein anderer Zweikampf ab. Ein sehr lautes und schnelles ferngesteuertes Auto wird von einem wilden Hündchen gejagt. Schließlich kommt’s, wie’s kommen muss, das Hündchen wird vom Auto erfasst und durch die Luft geschleudert, fasst sich aber umgehend. Der Hundebesitzer schreit jetzt aber den Autolenker an, was ihm denn einfalle, die Kleine sei schwanger. Es ist kalt auf dem Platz mittlerweile, wir spazieren zurück auf die Straße, in die wärmende Obhut der richtigen Autos und der Bäume.
Deutschlandumrundung (2)
Auch dieses Jahr werden mein Vater, mein Bruder und ich wieder eine Woche lang mit dem Fahrrad von Jugendherberge zu Jugendherberge fahren und damit das sechste Siebtel eines langjährigen Projektes abschließen, nämlich einer ungefähren Deutschlandumrundung.
Zum ersten Mal übernachten wir diesmal jenseits der Grenze, und gleich zweimal, in Schaffhausen und in Straßburg. Es ist indes nicht das erste Mal, dass wir die Grenze überfahren: Auf mindestens einer der Oderetappen 2010 waren wir mal kurz in Polen, und auf der Innetappe Passau-Burghausen 2012 einige Zeit lang in Österreich.
Zeit für eine neue Karte unserer Anreise-, Übernachtungs- und Abreisestationen, diesmal nach Jahr farbkodiert, gefolgt von der Liste der Stationen mit Links zu verschiedenen Souvenirs. Der Abreisebahnhof eines Jahres ist stets auch der Anreisebahnhof des Folgejahres.
Deutschlandumrundung auf einer größeren Karte anzeigen
2008: Wuppertal – Dortmund – Münster – Lingen – Ostrhauderfehn – Nordenham – Guderhandviertel – Hamburg
2009: Hamburg – Lauenburg (Elbe) – Ratzeburg – Schwerin – Güstrow – Greifswald – Stönkvitz (Rügen) – Stralsund
2010: Stralsund – Anklam – Gartz – Wriezen – Eisenhüttenstadt – Weißwasser – Oybin – Görlitz
2011: Görlitz – Bautzen – Dresden – Torgau – Leipzig – Jena – Neidenberga – Hof – Bayreuth – Nürnberg
2012: Nürnberg – Dietfurt-Töging – Wörth-Hofdorf – Passau – Burghausen – Wasserburg-Attel – Schliersee – München – Augsburg – Ulm
2013: Ulm – Biberach – Überlingen – Schaffhausen (Schweiz) – Lörrach – Breisach – Strasbourg (Frankreich) – Karlsruhe
Reisestreiflichter
In einem guten Urlaub lernt man viel. Ich bin gerade aus einem guten Urlaub zurück. Gelernt habe ich u.a.:

Dass es an der École Supérieure d’Art de Lorraine Metz tolle Kofferwörter gibt: réflexposer, créelectif, pensarder, beauxarder, crégarder, inaventer, expollectif, échangeroger, nouvarder, découventer, expoginer, imarpréter.

Dass die imposante Glas-Stahl-Kuppel des Düsseldorfer Ständehauses (K21) nicht ganz dicht ist. Alle Museumsbesucher/innen stellen beim Anblick des Eimers natürlich laut die gleiche Frage: ob das Kunst sei.

Dass es noch Einkaufszentren gibt, deren Architektur mich ehrlich beeindruckt: Hier das wurmlochartige MyZeil in Frankfurt am Main.

Was für Bauruinen die Nazis in Nürnberg hinterlassen haben und dass manche davon – hier die Kongresshalle – aus dem richtigen Winkel ganz hübsch sind.

Wo man in Hamburg ungestört Paternoster fahren kann: Im „Columbia-Haus“ in der Deichstraße 29 (Nähe Speicherstadt) und dass man beim Reinkommen in dieses elegante Jugendstilgebäude direkt ein Rohr sieht und die Wand, hinter der die Paternosterkabinen im Untergeschoss wenden.

Dass es in der Hamburger Speicherstadt Spezialkringel gibt.
Hanebüchener Firlefanz (2)
Dank Weihnachten und dem kreativen Geist, der Ihnen den Snake-Zocker und rappelnde Geschenke brachte, bin auch ich jetzt mit so einem Stempel ausgerüstet:














