Archiv der Kategorie: Leben

Deutschlandumrundung (3)

Dieses Jahr kommt das Projekt „Ungefähre Deutschlandumrundung auf dem Fahrrad“ zum Abschluss. Seit 2008 fahren mein Vater, mein Bruder und ich jeden Sommer für eine Woche von Jugendherberge zu Jugendherberge. Nun ist auch das siebte Siebtel abgesteckt, Zeit für eine neue Übersicht:

2008: Wuppertal – Dortmund – Münster – Lingen – Ostrhauderfehn – Nordenham – Guderhandviertel – Hamburg

2009: Hamburg – Lauenburg (Elbe) – Ratzeburg – Schwerin – Güstrow – Greifswald – Stönkvitz (Rügen) – Stralsund

2010: Stralsund – Anklam – Gartz – Wriezen – Eisenhüttenstadt – Weißwasser – Oybin – Görlitz

2011: Görlitz – Bautzen – Dresden – Torgau – Leipzig – Jena – Neidenberga – Hof – Bayreuth – Nürnberg

2012: Nürnberg – Dietfurt-Töging – Wörth-Hofdorf – Passau – Burghausen – Wasserburg-Attel – Schliersee – München – Augsburg – Ulm

2013: Ulm – Biberach – Überlingen – Schaffhausen (Schweiz) – Lörrach – Breisach – Strasbourg (Frankreich) – Karlsruhe

2014: Karslruhe – Neustadt (Weinstraße) – Homburg – Mettlach – Bollendorf – Sankt Vith (Belgien) – Aachen – Wuppertal

Laterne vs. Drohne

Wenhua-Platz, Changchun, 24. Mai 2013. Wer nach einem langen Arbeits- oder Schultag in der nordostchinesischen Millionenstadt noch Energie hat, versammelt sich gern auf einer quadratischen Grünfläche wie dieser, um in fliegenden Open-Air-Discos nach Anleitung zu tanzen, anderweitig Gymnastik zu machen, romantisch zu spazieren oder seinen Hunden oder elektrischen Spielzeugen Auslauf zu gewähren. Ein neonblau beleuchteter Quadcopter führt Kunststücke vor. Ein paar Häuserzeilen hinter dem Platz sieht man Wunschlaternen aufsteigen, kleine Heißluftballons, die in China seit Jahrhunderten in den Nachthimmel entlassen werden, oft um Wünsche den Mächten mitzuteilen, die dort oben wohnen mögen. Die Feuer der Laternen malen orange Punkte an den Himmel.

Plötzlich ein zorniges Brummen. Ein ferngesteuertes Fluggerät hält auf eine der Laternen zu. Der Besitzer will sie offensichtlich vom Himmel holen. Der Flug der rot beleuchteten, winkelförmigen Drohne verrät bewundernswertes Geschick im Umgang mit der Fernsteuerung, doch es ist alles andere als einfach. Insbesondere auf die Entfernung die räumliche Lage von Drohne und Laterne zueinander abzuschätzen muss schwierig sein. Eine ganze Reihe von Wunschlaternen verschwindet aggressiv umschwirrt, aber unbeschädigt in der Höhe. Erst einige Zeit später, als wir den Angriff schon aufgegeben wähnen, erscheint plötzlich eine weitere Laterne, wird beinahe umgehend getroffen und geht, weiterhin brennend, vom langsamen Steig- in einen schnellen Sinkflug über. Jugendlicher Übermut triumphiert über Tradition!

Auf einer der Wiesen des Platzes spielt sich ein anderer Zweikampf ab. Ein sehr lautes und schnelles ferngesteuertes Auto wird von einem wilden Hündchen gejagt. Schließlich kommt’s, wie’s kommen muss, das Hündchen wird vom Auto erfasst und durch die Luft geschleudert, fasst sich aber umgehend. Der Hundebesitzer schreit jetzt aber den Autolenker an, was ihm denn einfalle, die Kleine sei schwanger. Es ist kalt auf dem Platz mittlerweile, wir spazieren zurück auf die Straße, in die wärmende Obhut der richtigen Autos und der Bäume.

Deutschlandumrundung (2)

Auch dieses Jahr werden mein Vater, mein Bruder und ich wieder eine Woche lang mit dem Fahrrad von Jugendherberge zu Jugendherberge fahren und damit das sechste Siebtel eines langjährigen Projektes abschließen, nämlich einer ungefähren Deutschlandumrundung.

Zum ersten Mal übernachten wir diesmal jenseits der Grenze, und gleich zweimal, in Schaffhausen und in Straßburg. Es ist indes nicht das erste Mal, dass wir die Grenze überfahren: Auf mindestens einer der Oderetappen 2010 waren wir mal kurz in Polen, und auf der Innetappe Passau-Burghausen 2012 einige Zeit lang in Österreich.

Zeit für eine neue Karte unserer Anreise-, Übernachtungs- und Abreisestationen, diesmal nach Jahr farbkodiert, gefolgt von der Liste der Stationen mit Links zu verschiedenen Souvenirs. Der Abreisebahnhof eines Jahres ist stets auch der Anreisebahnhof des Folgejahres.


Deutschlandumrundung auf einer größeren Karte anzeigen

2008: Wuppertal – Dortmund – Münster – Lingen – Ostrhauderfehn – Nordenham – Guderhandviertel – Hamburg

2009: Hamburg – Lauenburg (Elbe) – Ratzeburg – Schwerin – Güstrow – Greifswald – Stönkvitz (Rügen) – Stralsund

2010: Stralsund – Anklam – Gartz – Wriezen – Eisenhüttenstadt – Weißwasser – Oybin – Görlitz

2011: Görlitz – Bautzen – Dresden – Torgau – Leipzig – Jena – Neidenberga – Hof – Bayreuth – Nürnberg

2012: Nürnberg – Dietfurt-Töging – Wörth-Hofdorf – Passau – Burghausen – Wasserburg-Attel – Schliersee – München – Augsburg – Ulm

2013: Ulm – Biberach – Überlingen – Schaffhausen (Schweiz) – Lörrach – Breisach – Strasbourg (Frankreich) – Karlsruhe

Reisestreiflichter

In einem guten Urlaub lernt man viel. Ich bin gerade aus einem guten Urlaub zurück. Gelernt habe ich u.a.:

Liège hat einen irre schönen Hauptbahnhof.

Dass Liège einen irre schönen Hauptbahnhof hat.

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Was Sol LeWitt für Kunst gemacht hat und dass ich die mag (hier im Centre Pompidou-Metz).

2012-12-16 15.14.08

Dass es an der École Supérieure d’Art de Lorraine Metz tolle Kofferwörter gibt: réflexposer, créelectif, pensarder, beauxarder, crégarder, inaventer, expollectif, échangeroger, nouvarder, découventer, expoginer, imarpréter.

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Wie es in einem der beiden Innenhöfe des Musée d’Art Moderne et Contemporain in Straßburg aussieht.

2012-12-22 19.06.23

Dass Stuttgart eine neue, von innen ziemlich tolle Stadtbibliothek hat.

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Dass die imposante Glas-Stahl-Kuppel des Düsseldorfer Ständehauses (K21) nicht ganz dicht ist. Alle Museumsbesucher/innen stellen beim Anblick des Eimers natürlich laut die gleiche Frage: ob das Kunst sei.

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Dass es noch Einkaufszentren gibt, deren Architektur mich ehrlich beeindruckt: Hier das wurmlochartige MyZeil in Frankfurt am Main.

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Was für Bauruinen die Nazis in Nürnberg hinterlassen haben und dass manche davon – hier die Kongresshalle – aus dem richtigen Winkel ganz hübsch sind.

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Dass in Dresden wildplakatiert wird.

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Wie (toll) die Neue Synagoge in Dresden aussieht.

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Dass das berühmte Schloss Sanssouci winzig klein ist und neben einer Windmühle steht.

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Wie der Himmel über Sanssouci aussieht.

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Wo man in Hamburg ungestört Paternoster fahren kann: Im „Columbia-Haus“ in der Deichstraße 29 (Nähe Speicherstadt) und dass man beim Reinkommen in dieses elegante Jugendstilgebäude direkt ein Rohr sieht und die Wand, hinter der die Paternosterkabinen im Untergeschoss wenden.

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Dass es in der Hamburger Speicherstadt Spezialkringel gibt.

Deutschlandumrundung

Seit 2008 bin ich jeden Sommer zusammen mit Vater und Bruder für ca. 1½ Wochen auf dem Fahrrad und in Jugendherbergen. Das Gesamtprojekt ist eine ungefähre Deutschlandumrundung. Auf folgender Karte ist die bisherige Route skizziert, einschließlich der noch bevorstehenden 2012er Etappe (Update 2013-09-05: und der 2013er), anhand unserer Anreise-, Übernachtungs- und Abreisestationen:


Deutschlandumrundung auf einer größeren Karte anzeigen

2008: Wuppertal – Dortmund – Münster – Lingen – Ostrhauderfehn – Nordenham – Guderhandviertel – Hamburg

2009: Hamburg – Lauenburg (Elbe) – Ratzeburg – Schwerin – Güstrow – Greifswald – Stönkvitz (Rügen) – Stralsund

2010: Stralsund – Anklam – Gartz – Wriezen – Eisenhüttenstadt – Weißwasser – Oybin – Görlitz

2011: Görlitz – Bautzen – Dresden – Torgau – Leipzig – Jena – Neidenberga – Hof – Bayreuth – Nürnberg

2012: Nürnberg – Dietfurt-Töging – Wörth-Hofdorf – Passau – Burghausen – Wasserburg-Attel – Schliersee – München – Augsburg – Ulm

Fortsetzung folgt! Ab 2012 wird es möglicherweise auch GPS-Daten geben.

Was ich mal gesagt habe (3)

Eigenlob der geglückten Formulierung. Was bisher geschah: Was ich mal gesagt habe, Was ich mal gesagt habe (2).

  1. Faulheit ist kein Selbstzweck. Nichts zu unternehmen, wo nichts nötig ist und keine Lust besteht, schont Ressourcen wie Zeit und Lebenslust.
  2. Ich werde jetzt meine Aufmerksamkeit zu deinen Ungunsten umwidmen.
  3. Hört sich schlimmer an, als es ist, ist es aber nicht.
  4. Ich hatte mir die Fotos gar nicht angeguckt. Ich bin mehr so auf Text.
  5. “…is markedly lower…”, “…had a strong effect…”, “…produces noticeably better results…”, “…was shown to have a substantial impact…” – one can go a long way without using the word “significant” once!
  6. Mein ansonsten sehr offenherziger innerer Kunstkritiker hat’s jedenfalls nicht wollen gelten lassen.
  7. There’s a couple of reasons why it’s already 2011.
  8. Liebe Eingeweihten und Einzuweihenden, (…)
  9. Ja, wenn du das so framest.
  10. Metaphern sind dazu da, unvermittelt gewechselt zu werden.
  11. Hier noch zwei Dialoge, die ich nicht nur gewissenhaft mitgeschrieben, sondern auch durch minutiöses Aufjazzen den Niederungen der Wortwörtlichkeit entzogen habe.
  12. Genau solche Vorschläge sind es, die eine starke Demokratie aushalten muss.
  13. Mach dir übrigens keinen Stress. Ich müsste lügen, um zu behaupten, ich könnte es erwarten, aber man wächst ja mit seinen Aufgaben.
  14. Most of the things I say are basically Max Goldt quotes.
  15. Ich hatte meinen Holzhammer gerade nicht griffbereit.

Folien als zeitsparender Kompromiss

Ich benutze bei Vorträgen meistens digitale Folien. Nicht, weil ich das für ein tolles Medium halte. Eher aus Bequemlichkeit: Digitale Folien erfüllen mehrere Funktionen, die andere Medien zwar besser erfüllen, dafür erfüllen diese anderen Medien jeweils nur eine Funktion. Digitale Folien sind ein zeitsparender Kompromiss. Ich glaube, das ist überhaupt das Geheimnis ihres Erfolgs. Sie ersetzen (jeweils leidlich):

  1. Das Konzeptpapier. Statt sich als ersten Schritt zu überlegen, wie man den Vortrag strukturiert, kann man auch einfach drauflostippen und -klicken und nebenbei Überschriften und Abschnitte einfügen. Der Nachteil ist hier relativ harmlos, vielleicht ist man so beim Strukturieren schon von dem Erstellen einzelner Folien abgelenkt, oder man hat vor einer ersten Fertigstellung der Gliederung schon so viel Material eingegeben, dass man die Überschriften nicht mehr auf einen Blick auf einer Bildschirmseite sieht.
  2. Das Manuskript/die Stichwortzettel. Damit ein Vortrag lebendig und gut zu folgen wird, ist es sehr wichtig, dass man frei spricht und alles, was man sagen will, im Wesentlichen im Kopf hat. Natürlich kann es Hänger geben – für solche Fälle hat man immer noch die Folien, um sich daran zu erinnern, was man als nächstes sagen wollte. Folien haben gegenüber Zettelchen in der Hand den deutlichen Nachteil, dass man in der Regel nicht die Möglichkeit hat, vorauszuschauen, was als Nächstes kommt, sondern man muss die nächste Folie für das Publikum sichtbar aufrufen, bevor man sie als Gedächtnisstütze nutzen kann. Dadurch kriegt das Publikum Hänger deutlicher mit, man macht sich ggf. Überleitungen kaputt und schlimmstenfalls rauscht man voller Elan in ein neues Thema, nur um beim Weiterschalten der Folie festzustellen, dass man mit dem vorigen noch nicht fertig ist und sich unterbrechen muss.
  3. Das Tafelbild. Gute Tafelbilder entstehen während des Vortrags, idealerweise im Austausch mit dem Publikum. Indem sie Schritt für Schritt entstehen, sind sie leichter zu verstehen. Fertige Schaubilder auf Folien lassen sich mit einiger Mühe zwar auch so vorbereiten, dass sie Schritt für Schritt aufgedeckt werden, aber das ist immer weniger flexibel und bietet kaum die Möglichkeit für spontane Ergänzungen. Dafür kann man in der Vorbereitung sicherstellen, dass, egal, was man im Vortrag für Blackouts erleidet, am Ende das richtige Tafelbild vorne prangt. Außerdem kann man sich einreden, ein fertiges Bild spare Zeit – aber wenn man es schneller präsentiert, als man es hätte malen können, geht es fürs Publikum wahrscheinlich zu schnell.
  4. Das Handout. Wenn man so viel Information auf den Folien hat, dass man sie auch ohne Vortrag lesen und grob verstehen kann, ist das zunächst einmal ungemein praktisch – man muss kein separates Handout erstellen und hat trotzdem etwas, das man zum allgemeinen Nutzen und Frommen ins Internet stellen kann. Leider ist zu viel Information auf Folien tödlich für den Vortrag; zumindest mir geht es so, dass ich Textmassen auf Folien nicht vernünftig lesen kann, wenn währenddessen jemand spricht, und niemandem vernünftig zuhören kann, während vorne Buchstaben meine Aufmerksamkeit heischen. Die absolute Todsünde ist es natürlich, von Folien abzulesen, und dazu verleiten allzu vollständige Folien leider, oder schlimmer: Sie verleiten dazu, sich an ihnen zu orientieren, aber dabei ungelenk die Formulierungen zu variieren, um nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, man lese ab. Die Strategie, die ich mir über die Jahre angewöhnt habe, ist tatsächlich der Balanceakt, also so wenig Text, wie gerade noch geht, damit auch Nichtzuhörer/innen noch was mit den Folien anfangen können.