Ich bin ja jetzt seit über drei Wochen in Paris und diese Woche hat der eigentliche Unibetrieb meines Erasmus-Auslandssemester in linguistique informatique an der Université Paris VII begonnen. Damit bin ich bei weitem nicht der einzige aus meinem Freundeskreis, der Tübingen diesen Sommer zugunsten eines anderen Landes verlassen hat (oder auch dageblieben ist). Dank einer Initiative der amerikanischen Kohorte blüht unter unten stehender Adresse gerade eine Tagebuchgemeinschaft nicht ohne babylonische Verwirrung auf. Weitere Blogger sind dort herzlich willkommen!
Empfehlung
Empfehlung für den Umgang mit undisziplinierten, aber wunderbaren Kerkerfenstern: Vergittern, vergattern, vergöttern.
Witze nach uraltem Baumuster, die es immer wieder schaffen, mich zum Lachen zu bringen (1)
Wenn Anaphern, die das Weltwissen automatisch auflöst, darüber hinaus explizit aufgelöst werden, so etwa:
Manche Dörfer funkeln von ferne wie die Fingernägel einer zerbeulten osteuropäischen Straßenhure. Bundestraßen führen durch sie hindurch (durch das Dorf – nicht durch die Hure), (…)
Vielleicht nennt man so etwas aber auch gar nicht Witz, sondern z.B. humoristische Figur. Ich muss mir mal das Fachvokabular der Humorforschung draufschaffen, denn das ist ein Thema, das mich sehr interessiert und über das es sich auch trefflich bloggen lässt (ohne Fachbegriffe allerdings unbeholfen, siehe da).
Bäume
Ich mag Bäume. Ich kann nur in Bäumen denken. Bäume sind toll. Ohne Bäume wäre Erkenntnis nicht möglich.
Sozialdarwin
Charles Robert Sozialdarwin (1812-1885), britischer Soziologe und Begründer der Theorie des so genannten Sozialdarwinismus. Er entwickelte das Konzept der Selektion anhand sozialer, ökonomischer und politischer Unterschiede zwischen Menschen. Um den Darwinismus zu verfechten, behaupten viele, Sozialdarwinismus habe mit diesem nichts zu tun. Das stimmt nicht. Charles Sozialdarwin war nämlich der kleine Bruder von Charles Darwin (es war damals noch üblich, Kindern verschiedene Nachnamen und gleiche Vornamen zu geben). Weil sein großer Bruder so ein toller Biologe war, bekam Charles Sozialdarwin Minderwertigkeitskomplexe, wurde fies und baute seine menschenfeindlichen Gedankengebäude. So war das.
Every big blue boxer
Have a glimpse at what the program I’m writing for my B.A. thesis in progress can do.
?- translate. > Every big blue boxer that kills every big blue woman that is Mia loves a robber. 1 Jede große blaue Boxerin, die jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt eine Räuberin. 2 Jede große blaue Boxerin, die jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt einen Räuber. 3 Jeder große blaue Boxer, der jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt eine Räuberin. 4 Jeder große blaue Boxer, der jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt einen Räuber.
Yay! That is quite some syntactic complexity already, isn’t it? Never mind the crazy contents, I haven’t spent much time on the lexicon yet.
The main problem here is that none of the four offered sentences is a correct translation of the exquisitly gender-unaware English sentence. I actually spent most of the afternoon and evening on gendering issues only to find out that to achieve a satisfactory general solution, I’ll probably have to invest the better part of another day. What I would like for the above example is the following. It’s how I would express the state of affairs politically correctly.
Jede/r große blaue Boxer/in, der/die jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt eine/n Räuber/in.
Then of course there’s the blemish that the inner relative clause is not sufficiently extrapolated to sound nice. I’ll fix that too.
If you would like to stalk me at work and have access to my code repository, please let me know. Currently I can’t make it public like Aleks’s because I also store literature in there.
Umzugsnotizen (5)
My old web site soviseau.de was hacked today and by God it wasn’t my fault. That gave reason to move the last curious odds and ends, boxes with bricolages from ages ago, to texttheater.de, from one attic to another, so to speak. Among them:
Der Puzzleteil-Navigator, a study for an unusual two-level menu. I remember creating the image maps with Paint and Notepad.
Riddle Sport, an interactive (edible!) virtual chocolate bar. Enjoy!
Last but not least:
dunkelwind&zwillingslicht, a series of analog photos I made of nightly London in 2003. They received artistic value by what happened to them in the photo laboratory – yet instead of paying royalties, I got a full refund! Hee hee!
Second hand shop
Second hand shops kamen im 19. Jahrhundert in London auf und verbreiteten sich von dort aus schnell über Europa. Sie wurden von Uhrmachern betrieben, die sich darauf spezialisiert hatten, den Uhren ihrer Kunden, die damals normalerweise nur Stunden- und Minutenzeiger hatten, mit Sekundenzeigern (second hands) nachzurüsten. Mit der aufkommenden serienmäßigen Anfertigung sekundengenauer Uhren starben die Second hand shops aus, und das Wort bezeichnet heute etwas ganz anderes.
Anwesenheizpflicht
Briten und Iren sind bekanntlich nicht zimperlich, wenn es um kalte Häuser geht. Doppelverglasung – wozu soll das bitte gut sein? Zentralheizung? No way. Dies galt lange Zeit nicht nur für working und middle class, sondern auch reiche Landlords hausten aus Prinzip in frostigen Residenzen, bis die deutschstämmige Queen Victoria dieser Sitte einen Riegel vorschob: 1870 erließ sie die Anwesenheizpflicht, die im Vereinigten Königreich und einzelnen Commonwealth-Staaten bis heute gilt.
Paris
After a day with a stupendous absence of productivity, tonight I finally got the flat-hunting for my upcoming semester in Paris going. Let’s celebrate this with my favorite Paris movie:
