Premium-Wörterwolken

DrNI berichtete neulich über Wordle, einen Dienst, in den man Texte oben reinwirft und wo unten eine Wörterwolke rauskommt. Ein Wort ist umso größer, je häufiger es im eingeworfenen Material vorkommt. Mit Farbschemata, Schriftarten und Textrichtungen lässt sich trefflich spielen.

Um das ästhetische Erlebnis zu erhalten, das man sich wünscht, muss man aber an mehr drehen als nur an den Schaltern, die Wordle bereitstellt. Das erlebte ich neulich, als ich den Dienst benutzte, um ein Geburtstagsgeschenk zu erstellen, ein Poster zum Thema „Vorhang“. Eine Wortwolke aus lauter Begriffen, die sich um den Begriff „Vorhang“ ranken, das war die Idee. Als Rohmaterial verwendete ich frei zugängliche Texte zu dem Thema, angefangen mit den wikipädischen Artikeln Vorhang und Bühnenvorhang (ich wollte begriffliche Ranken hauptsächlich um den Theatervorhang).

Wichtige Faktoren für die Schönheit einer Wörterwolke sind ihre Größe und die relative Größe der Wörter zueinander.  Eine bunte Mischung aus vielen kleinen (seltenen) und einigen großen (häufigen) Wörtern ist wünschenswert, allzu starke Ausreißer allerdings nicht – ein graues Rauschen aus Mikroschrift ist nicht so hübsch, und auch nicht, wenn der zentrale Begriff „Vorhang“ wie ein Balken durch die ganze Wolke geht und die Hälfte des Platzes einnimmt. Ich entschloss mich daher, ihn komplett aus den Eingabetexten zu entfernen. Machte das ganze auch rätselhafter – man würde raten können, worum es überhaupt gehe.

Dann war ich mit den Wörtern selbst unzufrieden. Der Bühnenvorhang-Artikel ist durchsetzt mit Fachbegriffen der trockensten Sorte, zumeist aus dem Bereiche des Brandschutzes, und eine solche Wolke ist uncharmant und an einen, der durch Brandschutzvorschriften traumatisiert ist, unverschenkbar. Raus also mit dem „Bühnenvorhang“-Artikel! Doch wodurch ihn ersetzen? Die Begriffsklärung „Vorhang“ allein ergab nur ein kümmerliches Wölkchen, für eine Briefmarke vielleicht geeignet, aber nicht für ein Poster.

Durch Herumprobieren fand ich dann heraus, dass Zeitungstextkonkordanzen wie die des Wortschatz-Portals der Universität Leipzig (man gibt einen Begriff ein und kriegt u.a. Massen von Beispielen aus Online-Medien) unter ästhetischen Gesichtspunkten vortrefflich geeignet sind. Die Sprache ist dicht, durchsetzt mit bedeutungsstarken Wörtern und Metaphern und unvermuteten Zusammenhängen und durch technische Verarbeitungsfehler produzierten Artefakten wie „Cocogeschmust“. So wünsche ich mir den Zufall, wenn er künstlerisch für mich arbeiten soll! Genau so hatte ich mir das vorgestellt:

Worwolke zum Thema \"Vorhang\"

Ein Gedanke zu „Premium-Wörterwolken

  1. Arnymenos

    M.E. ist „fällt“ viel zu klein vergl. mit „öffnet“. Man will ja nicht allzu viel manipulieren, aber mein ästhetisches Empfinden stört sich auch daran noch. Vielleicht wäre ein Ansatz, der echte Kollokationen extrahiert und ihnen einen besonderen Platz in der Wolke zugesteht, schöner. Wer hackt’s?

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