Belauscht in Wuppertal (und anderswo)

Vater: Bilde mal einen syntaktisch kompatiblen Satz zu: Warum Frauen klüger sind als Männer.Warum eingemauerte Holzbalken beweglicher sind als Bodenturnerinnen.

Schwester: Also Mama, du bist ja voll nicht auf der Höhe!
Mutter: Also bitte, aktualisiere mich!

Vater: Na, du Strohsack?
Bruder: Ich bin kein Strohsack!
Vater: Jetzt wird hier auch noch manifest gelogen. Es ist doch ganz offensichtlich, dass du ein Strohsack bist!

Mutter: Erst baut er barocke Parkanlagen, und dann isst er sie nicht auf!

Eine ältere Freundin der Eltern in einem Rundbrief: Die Welt ist ja immer noch schön, trotz der Menschen.

Cousin 1: Ich lasse mir gerade ein Apple PowerBook vorführen. Abstoßend.
Ich: Ist das noch so ein altes, klodeckelartiges?
Cousin 1: Nein, was mich abstößt, ist die Tatsache, dass ich es nicht habe.

Abendessen.
Bruder: Mann, aus den gelben Tassen schmeckt der Zitronentee besser!
Vater: Also, ich find, an ungeraden Wochentagen schmeckt der Tee aus den gelben Tassen besser und an geraden aus diesen hier.
Bruder: Wie? Also, heute ist Dienstag, das ist ein gerade Wochentag…
Vater: Nein, ich meine heute ist der 23., das ist ein ungerader Tag…
Bruder: Du sprichst von Wochentagen. (böse) Mann, Papa!!!

Bruder: Kann jede Wohnung eine Dienstwohnung sein?
Vater: Ja, im Prinzip…
Bruder: Könnten wir auch in einem Seitengebäude des Buckingham-Palastes wohnen?
Vater: Ja, wenn die Rheinische Landeskirche das so deklariert… aber ich glaube, das müsste dann der Präses gegenzeichnen.

Mutter: Wo ist denn das Restaurant? Ist das noch vor der Kirche?
Vater: Ja, das wurde nicht verschoben.
Mutter: Nein, ich meine doch räumlich noch!
Vater: Ja, das wurde auch räumlich nicht verschoben.

Ich: Am beeindruckendsten finde ich in dem Architekturkalender diese Glaskirche.
Mutter: Ja, die ist wahnsinnig toll!
Bruder: Papa, was wollen die dir damit im Unterton sagen?
Vater: Dass ich Glaspfarrer werden soll?

Ich: Die nennt sich jetzt Bela M., weil es noch eine andere berühmte Sängerin namens Bärbel M. gibt.
Schwester: Wieso Bela?
Ich: Ist wahrscheinlich eine Nebenform von Bärbel.
Schwester, skeptisch: Und Bela B. von den Ärzten?
Ich: Ja, macht doch nix. Je unisex, desto stylish.

Vater: In dem Tübinger Stadtteil Lustnau steckt Lust drin und Aue. Aus Lust-Au wurde Lustnau, das spricht sich besser. Wie nennt man dieses n?
Mutter: Bindelaut.
Vater, verstehend: Ah ja, und wenn der wegbrennt, ist es eine Bindelautentzündung.

Das ver-rückte Labyrinth.
Schwester: Ich schieb das einfach schräg rein, dann komm ich so gerade rum. – Ihr lacht, also darf ich.

Osterferien.
Mutter: Nächste Woche brauch ich euch für Ikea. Am Mittwoch oder so.
Schwester, stöhnend: Mittwoch? Das ist ja mitten in der Woche!

Vater: Bibi Blocksberg ist ein richtiger Spielfilm? Ich dachte, das wär jetzt Zeichentrick oder so.
Schwester: Hast du doch eben gesehen!
Vater: Ja, ich dachte, das wäre jetzt gerade Werbung für ein Medikament namens Hexophobia.

Mutter: Wo ist eigentlich unser altes rotbraunes Gitterbettchen?
Vater: Das bildet den Grundstock eines Kindergefängnisses in einem der Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Ich glaube, Kirgisien war’s.

Regionalexpress.
Schwester: Obertürkheim? Hier wohnen wohl die ganz Konkreten.

Mutter: Du meinst, der Teppich war neulich noch in der Reinigung?
Vater: Ja, guck mal, hier hängt noch ein Beleg dran.
Mutter: Ja, aber der kann natürlich…
Ich: …gefälscht sein?

Mutter: Wo stellst du dich denn da hin mit dem Auto?
Vater: Och, in der Ernststraße ist ein gutes Parkverbot.

Vater hat Bruder bei den Hausaufgaben geholfen.
Mutter: Du hast ja toll gedichtet, M.!
Vater: Nein, das ist doch furchtbar! Steht doch in der Bibel: Des Menschen Dichten und Trachten ist böse von Jugend auf. Ich hab gedichtet, und V. hat getrachtet, nämlich danach, dass ich dichte.

Ich: Nur, ich wüsste jetzt kein Lied von den Wise Guys, in dem das Wort Duschvorhänge auch nur einmal vorkommt.
Bruder: Doch: Ich zünde meine Duschvorhänge an der falschen Seite an.

Vater: Das find ich cool. Das merken wir uns und erzählen es unseren sukzessiven Schwiegermüttern.

Bruder, Wahrigs Deutsches Wörterbuch stemmend: Aaah, irgend so ’n Band gerissen!

Mutter: V., du machst so einen unterbeschäftigten Eindruck. Vielleicht solltest du mal putzen.
Bruder: Was?! Jetzt spiele ich Schlagzeug, mach ganz viel mit Lego, ich liebe Video, DVD und Fernsehen… und CDs hören und Schallplatten – also, Legomännchen oder irgendwelche Sachen auf das Drehding für Schallplatten zu stellen und drehen zu lassen – und liebe alles mit Feuerwerkskörpern und Benzin anzünden und so, und jetzt soll ich putzen!!! Ach so, vielleicht mit Waschbenzin…

Vater: A., vielen Dank für diese Bücher. Da freu ich mich sehr drüber. Da kommt meine ganze Borniertheit zum Ausdruck, dass ich mich über so was freuen kann.

Vater: A., ich liebe dich immer noch mehr als meine Bücher. Da ist immer noch ein messbarer Abstand.

Bruder: Der Verteidigungsminister läuft bestimmt immer mit Bazooka rum. Oder gibt’s auch einen Angriffsminister?

Tante über Cousin 4: Er saß auf dem Sofa und besprach eine Kiwi, sie möge doch bitte 10.000 € gebären. Später, als ich ihn bat, mir beim Spülen zu helfen, sagte er: Ich kann grad nicht, ich muss die Kiwi ausbrüten!

Tante: Ich hab mir sagen lassen, es gibt auch Albinos, denen man das nicht ansieht – die Haare sind nicht weiß und die Augen auch eher hellblau als rot.
Ich: Ich finde, die haben den Namen Albinos nicht verdient.
Cousin 2: Genau! Das sind so Möchtegern-Albinos!

Bruder, eine Brottüte in den überfüllten Kühlschrank stopfend: O Herr, vergib mir, denn ich weiß nicht, was ich tue! Und gnade denen, die den Kühlschrank als nächstes aufmachen!

Mutter: Sollen wir das Blumenbild hier so mittig hängen?
Ich: Ja, wenn schon spießig, dann richtig.
Mutter: Das Bild ist nicht spießig! Meine Großeltern würden sich im Grabe umdrehen, dass ihre Urenkel das Bild, das sie sich damals als junge Leute, als reformorientierte Wandervögel…
Vater: Ja, A., du musst ja schon zugeben, dass dieses Bild jetzt nicht… in einer Zeit, in der Picasso schon Erfolg hatte, in der Dalí schon seine Pinsel auswusch, in der der blaue Reiter schon fortgeritten war…

Vater, sich Bruders Streichholzskulptur und eine Streichholzschachtel greifend: V., es gibt Künstler, zu deren Werken es gehört, dass sie irgendwann abgefackelt werden.

Mutter: V., bei deiner Konfirmandenprüfung kommen dann vielleicht auch Fragen wie z.B.: Was ist dir in deiner Konfirmandenzeit besonders wichtig gewesen?
Bruder: Mir wäre wichtig gewesen, dass die Blätter viermal gelocht gewesen wären!

Mutter: Ich wollte mal wieder einen farbigeren Schal…
Schwester: …und hast dir einen mausgrauen mit rosa Einsprengseln ausgesucht.
Mutter: Erlaube mal, der ist flammend blau und rot!

Vater, komm Klo kommend: Qui scheißit quoque lüfteat.

Vater: Margarine ist ein Streichfett, kein Hieb- und Stichfett.

Mutter zu Vater über die Blutspendezentrale: Die nehmen dich wahrscheinlich nur noch ob deiner Skurrilität.

Cousin 1, übers Fotohandy gebeugt: Das ist mein Vater im Auto. Das war am selben Tag, als ich erfuhr, dass meine Mutter einen Gymnastikball gekauft hatte.

Cousin 1, sich anschickend, Counterstrike zu spielen: Ist das auf Deutsch oder auf Englisch? Aber wie sagt man so schön, die Sprache der Gewalt ist international.

Freund: Es ist erstaunlich, wie die Erdnüsse den Deckel von innen aufgekriegt haben.
Vater: Es wäre noch erstaunlicher gewesen, wenn sie den Deckel von außen aufgekriegt hätten, wo sie doch in dem Glas waren.

Freund: Darf ich mich mal ganz unverschämt hier hinsetzen?
Vater: Nein, du sollst dich, wie es deine Art ist, verschämt hier hinsetzen.

Vater zum Bruder: V., du bist ein ekelhaft faules Lu… hm-tat-ta-hm-pada-pada… ein Drückeberger bist du, du bist die klassische semantische Füllung des Wortes Drückeberger!

Mutter: Wo ist eigentlich die V.?
Bruder: Die übernachtet bei irgendjeman…der.
Mutter: Sehr beruhigend.

Vater: Als wir den K. und die V. hatten, haben wir gedacht: Eigentlich reichen zwei Kinder, aber so einen kleinen Knecht könnten wir noch gebrauchen.

Mutter: V., wir wollten doch jetzt, solange du noch im Haus bist, den Aspekt Knecht etwas stärker betonen.

Bruder: Okay, ich steh um sieben auf (malt eine riesige 7 auf seine To-do-Liste).
Mutter: Mach doch wenigstens zwei kleine Nüllerchen oben dran, damit du nicht in einer Stunde, wenn ich schon schlafe – das heißt, schlafen will und nicht kann, weil ich ja dann da dran denken muss – dich verzweifelt fragst, was mit 7 gemeint ist.

Mutter: Das Müsli schmeckt heute tatsächlich so wie bei Tante Traude früher.
Bruder: Das liegt daran, dass die Anzahl der Bananenstücke eine Zweierpotenz ist.

Bruder: Hat dein Handy auch einen Taschenrechner? Ah, aber der ist nicht wissenschaftlich.
Schwester: Wieso nicht wissenschaftlich? Deine Mutter ist nicht wissenschaftlich.

5 Gedanken zu „Belauscht in Wuppertal (und anderswo)

  1. Herr Rau

    Mann, Wuppertal (und anderswo) muss ja eine hochinteressante Gegend mit sprachlich sehr interessierten Menschen sein. Glückwunsch.

  2. Cousin 1

    Entweder, du schreibst seit Jahrzehnten ständig mit oder ihr seid eine sehr lustige Familie. Wobei es vermutlich auf ein „sowohl, als auch“ hinausläuft… – In jedem Fall eine lohnende Liste!

    Was den Gymnastikball angeht: Da gab es irgendeine Art von Kausalzusammenhang, den ich jetzt hier gerne genüsslich ausbreiten würde – wenn er mir denn nur wieder einfiele…

  3. ke Beitragsautor

    Ein Jahrzehnt kommt ungefähr hin. Es hätte natürlich noch viel mehr Material gegeben, aber nicht immer hat das Gedächtnis den Abstand zur nächsten Schreibgelegenheit überbrückt. Bei euch wäre bestimmt ähnlich viel angefallen!

    Ja, es war irgendeine Assoziationskette von Eingeklemmtheit hinterm Lenkrad zum Ball, du hast sie umgehend erklärt, aber da war die Zitatefalle, ausgelöst durch scheinbare Randomness, schon zugeschnappt.

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