Geistiges Eigentum

Ich kann es nur immer wieder betonen: Eigentum hat mir Geistigem Eigentum nichts zu tun außer dem Namen. Der Begriff Geistiges Eigentum begann sein Leben als eine schiefe Metapher und ist jetzt ein feststehender Begriff. Ärgerlicherweise wird immer wieder so getan, als wäre Geistiges Eigentum Eigentum, und zwar sowohl von gewissen Konservativen, um Geistiges Eigentum zu stärken, als auch von gewissen Kommunisten (oder ist das Satire?), um es zu schwächen. Man sollte sie alle den zweiten Satz dieses Artikels tausendmal schreiben lassen.

4 Gedanken zu „Geistiges Eigentum

  1. poet

    Ich sehe ein, dass die Metapher schief ist, aber ich bin trotzdem für Urheberrecht in irgendeiner Form: Wenn ich mir etwas zuerst ausgedacht habe, woraus man im Prinzip Profit schlagen könnte (sei’s wirtschaftlich, sei’s akademisch), und dann kommt jemand daher, der nicht unabhängig von selbst auf die gleiche Idee gekommen ist (was ja durchaus vorkommt), sondern meine Idee übernimmt, und der macht dann mit dieser Idee den Profit, den ich im Lauf der Zeit auch gemacht hätte (vielleicht war er schneller, vielleicht hatte er bessere Selbstvermarktungsfähigkeiten) – dann finde ich das ziemlich, ziemlich unfair. Denn das belohnt letztlich nicht die kreative Leistung, sondern allein das Vermarktungsgeschick.

  2. Arnymenos

    Und nun trennen wir Urheberrechte von Vermarktungsrechten, oder folgen noch besser den Creative-Commons-Lizenzen, die man sich zusammenpuzzeln kann: http://creativecommons.org/licenses/.

    by -Namensnennung
    sa – Weitergabe nur unter Beibehaltung der Lizenz
    nd – Weiterverwendung nur unverändert
    nc – Keine kommerzielle Weiterverwendung

    Dort, wo nichts zu verdienen ist, weil man sowieso im Auftrag (und unter Bezahlung) des Volkes arbeitet, also in der Wissenschaft, arbeitet man mit Zitaten, und wer übernimmt ohne zu zitieren, plagiiert. Wesentlich ist also die Namensnennung (by).

    Wer programmiert, sähe seinen Code gerne weiterverwendet, möchte dann aber diesen wiederum selber weiterverarbeiten dürfen. Also verlangt man, dass dieses Recht vererbt werden muss (sa).

    Als Autor/Urheber genehmigt man sich das Recht, das niemand anderes damit Geld verdienen darf (nc). Davon unbeschadet ist das eigene Recht, das Erzeugnis zu vermarkten, und das Recht, einzelnen anderen auch Vermarktungsrechte zuzugestehen.

    Auch hätte man wohl gerne, dass die eigenen Worte nicht im Mund umgedreht werden. Was nun schon als Veränderung zählt, ist wohl schwieriger zu bestimmen, aber diese kann man verbieten (nd).

    Was es vor allem [i]nicht[/i] gibt, ist ein Verbot privater Nutzung. Und das ist ganz richtig so. Alle geistigen Erzeugnisse können heute nahezu ohne Kosten vervielfältigt werden; oder ich trage selber die Kosten (Kopie, Festplattenspeicher, etc.). Ja, das gilt auch, wenn ich einen Picasso nachmale, weil ich auch einen haben will, aber nicht bezahlen kann.

    Wenn nichtkommerzielle, private Nutzung erlaubt ist, erledigen sich so einige Strafverfolgungen. Dann stellt sich aber die entscheidende Frage: Wenn ein Werk beliebig oft privat gelesen werden darf, wie verdient dann der Autor daran?

    Wir erinnern uns: Man kann Bücher legal verleihen, beliebig oft. Theoretisch reicht ein Exemplar jedes Buchs. Das ist das Wesen von geistigen Erzeugnissen: Wenn sie da sind, sind sie da, für alle. Daran ist höchstens durch in die Privatsphäre einschneidende Gesetze etwas zu ändern. Man müsste (und tut es gerade) eine künstliche Verknappung dieses Gutes herbeiführen. (Es gibt auch immer noch das Recht auf Privatkopie, aber die Anzahl von sieben erlaubten Kopien konnte noch nie sinnvoll angewandt werden.)

    Natürlich kann man Bücher verkaufen, aber jeder hat die Möglichkeit, sich den Text auch irgendwoher zu besorgen. Wenn nun das also unabwendbar und in der Natur eines Buches liegt, wie verdient der Autor?

    Führen wir uns erstmal vor Augen, dass es kein naturgegebenes Recht ist, dass ich mein Leben lang von der Arbeit lebe, die ich mit 25 geleistet habe. Dass Gerichte heute entscheiden, dass es keine sofortige Hausdurchsuchung mit Computerbeschlagnahmung gibt, wenn das beanstandete raubkopierte Werk älter als ein halbes Jahr ist (Abverkaufsphase). Dass Firmen mit einem Patent einen gewissen Zeitraum zugestanden bekommen, in dem sie ihre Kosten wieder einspielen können. Arbeit verjährt. Wie lange kann denn der Handwerker von seiner Arbeit leben? Von einem Monat Arbeit vielleicht 2-3 Monate. Und der Musiker? Die allermeisten wohl eher eine Woche von einem Monat Arbeit. Bis auf die paar wenigen, bei denen es für mehr als ein Leben ausreicht.

    Zu denen gehören zu wollen, die mit wenig Arbeit ausgesorgt haben, ist ein wesentlicher Grund, das heutige Urheberrecht zu unterstützen. Ich will es mal ganz krass ausdrücken: Das bedeutet, als Gladiator für die Spiele zu sein, weil das die einzige Chance auf die eigene Freilassung ist. Ein freundlicheres Beispiel ist das Lottospielen: Viele zahlen, ein paar gewinnen. Und die eigentlichen Gewinner sind die Betreiber. So ist es bei den Rechte-Verwertungsgesellschaften, bei den Cäsaren, bei den Lotto-Managern und anderen Glücksspielbetreibern. Die eigentliche Lösung hier ist, das alle sich weigern, mitzumachen.

    Dann aber gibt es gar keinen Gewinn mehr. Wer nicht spielt, kann auch nicht gewinnen. Aber was macht der Gladiator heute (sagen wir mal, Zirkus)? Er wird pro Auftritt bezahlt, und sterben muss am Ende keiner. Der Glücksspieler könnte für das Spiel bezahlen, aber es gibt keine Gewinne mehr, nur das Spiel selbst. Der Autor macht Lesungen, der Musiker Auftritte. Denken wir an die Einführung der Schallplatte: Damals sorgten sich die Musiker, sie könnten von nun an kein Geld mehr mit ihren Auftritten verdienen.

    Aber Auftritte decken den eigentlichen Arbeitseinsatz nicht ab. Der Zirkus trainiert auch im Winter, und Bücher und Lieder wollen erstmal geschrieben sein. Das steht nun in einem intrinsischen Widerspruch dazu, dass die geistige Leistung theoretisch frei verfügbar wird, sobald man sie einmal herauslässt. Sie geheim halten bringt auch nichts, denn dann verdient man ja gar nichts.

    Die Ursache dieses Widerspruchs ist, dass man auf eigene Kosten eine Vorarbeit leistet, die vielleicht niemand bezahlen will. Man hat hohe Werbungskosten (ein Jahr lang ein Buch schreiben) und trägt selber das Risiko, wieviel man damit verdient. Heute garantiert nicht mal mehr die Qualität der eigenen Arbeit den Gewinn, weil ja (raub-)kopiert wird.

    Und die Lösung ist, dass man erst dann arbeitet, wenn die Bezahlung gesichert ist. Zugegeben, man muss auf die Chance auf den Millionengewinn verzichten. Aber man kann sich fair bezahlen lassen, wenn die Kunden das wollen. Und es geht so:

    – Ich trete in Vorleistung und schreibe ein Kapitel (by-nd-nc). Das sind meine Werbungskosten.
    – Ich sammele für meinen Zweck: Ich verspreche, das Buch zu schreiben, wenn soundsoviel Geld zusammenkommt. Jeder, der es lesen will, zahlt seine paar Euro. Bevor ich aber nicht glaube, dass es reichen wird, fange ich auch nicht an zu schreiben.
    – Das Geld kreigt vllt. ein Treuhänder, weil ich ja noch nichts geleistet habe.
    – Dann schreibe ich, und meine Arbeit ist schon bezahlt. Kein Risiko. (Außer, dass das Buch nicht gefällt und mein nächster Versuch scheitert. Aber das ist richtig so. Das ist der Markt.)

    Stephen King hat das schon so gemacht. Nur hat er danach alle Rechte an dem Buch behalten. Das ist natürlich falsch. Der letzte Schritt lautet:

    – Dann veröffentliche ich das Buch unter by-bc-nd. Jeder darf es lesen, völlig unabhängig davon, wer bezahlt hat. Es ist für alle verfügbar. Und das entspricht der Natur eines Buches im digitalen Zeitalter.

    So gibt es weniger Rechteverletzungen zu ahnden. So ist die gerechte Bezahlung von Künstlern gesichert: Sie arbeiten für Geld und spielen nicht Lotto. Gerade für Musiker ist die heutige Situation das reinste Lotto. Das schadet der Kunst, das schadet den Kunstschaffenden. Dabei ist die Lösung ganz einfach: Man lässt sich für seine Arbeit bezahlen, und nicht für das geistige Produkt.

    Die CC-Lizenzen decken das alles passend ab. Und es gibt bezeichnenderweise kein Verbot der privaten Nutzung. Das ist m.E. die Zukunft des „geistigen Eigentums“, und sie ist fair. Ja, die Schlussfolgerung lautet sogar: Wenn jeder alles kopieren darf, haben die Künstler ein sichereres Auskommen. Sie sollten halt nicht allzuweit in Vorleistung treten (und sich von der zukünftigen Vermarktung abhängig machen), wie sie es heute tun.

    Und ja, mit Vermarktungsgeschick verdienen Künstler dann mehr. Sie können ja immer noch CDs verkaufen wie früher; oder einfach mehr verlangen, bis sie das nächste Stück schreiben.

  3. ke Beitragsautor

    poet,

    Ich sehe ein, dass die Metapher schief ist, aber ich bin trotzdem für Urheberrecht in irgendeiner Form

    warum trotzdem? Meine Kritik an der Benennung sollte keine Kritik an der Sache sein.

  4. ke Beitragsautor

    Arnymenos, danke für diese Ausführungen, ich bin begeistert! Der Gladiatorenvergleich ist ein Highlight, den werde ich nutzen. Natürlich nichtkommerziell. :D

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