Bildungskanon

Das Wissenschaftsressort der Zeit ist gerade dabei, seine 50-teilige Serie Bildungskanon – Das Wissen dieser Welt in Buchform unters Volk zu bringen und abschließend zu beweihräuchern. Das Unterfangen habe ja so viel Spaß gemacht und sei seinen extremen Ambitionen ja so gerecht geworden. Und die Entscheidung, für jede Folge an einen bestimmten Ort der Erde zu jetten, auf den Spuren des Themas zu wandeln und somit aus Wissen Geschichten zu machen, sei ja (sinngemäß) ein Geniestreich allererster Sahne gewesen. Zeit, dazwischenzufahren und zu rufen: „Es war Unterhaltung und sonst – gar – nichts!“

Ein hartes Urteil und vielleicht übertrieben. Aber was bleibt vom Zeit-Bildungskanon in Erinnerung? Er erzählte von der Luft auf den Caféterrassen, auf denen Redakteure Wissenschaftler trafen, er erzählte von den Farben der Hemden der Interviewpartner, von deren Gangart, vom Klang ihrer Stimme. Immer standen einzelne Forschungsinstitute im Mittelpunkt, einzelne Wetterstationen, einzelne Staatsgründungen, einzelne Episoden aus der Geschichte. Mal mehr, mal weniger gut, wurden andere Episoden und Informationen, die wirklich zur Allgemeinbildung beitrugen, damit verknüpft. Überblick wurde nicht geboten und entstand auch nicht.

Über die Karte, die der ersten Folge beilag und die ich mir ins Zimmer hängte, haben A., J. und ich uns einmal herzlich amüsiert. Sie zeigt, wo „das Wissen dieser Welt“ wirklich liegt: Europa ist hinter einer Schar kleiner Marker versteckt. Der Rest der Welt hat kaum welche abbekommen.

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