Schläfrig

Erst zehn Sekunden nach dem Eingeben der Adresse www.creative.de und dem Lesen des Gesichtsmuskelkrämpfe auslösenden Satzes „Mit mächtig Power unter der Haube, die von einem knackigen Sechsgang-Getriebe an die Vorderräder gebracht wird, drückt er einen in die prima passenden Sportsitze.“ dämmerte mir ganz allmählich, dass ich nicht den Soundkartenhersteller meines Vertrauens gefunden hatte…

Denkmuster

Möllemann 2003: „Über den wachsenden Antisemitismus müsst ihr euch nicht wundern, weil Michel Friedman so ein Arschloch ist!“
Stoiber 2005: „Über das Erstarken der NPD müsst ihr euch nicht wundern, weil die Regierung so schlechte Wirtschaftspolitik macht!“

Profiling

Aufgrund der Sachen, die ich mir bei Amazon kürzlich angesehen habe, bin ich dort jetzt sowohl als Teeny als auch als Sinologe klassifiziert. Ich werde auch weiterhin auf die Empfehlungen am Rand achten und daraus ein Profil meines Käuferprofils erstellen. Das ist so ähnlich wie das beliebte Spiel mit Übersetzungsmaschinen: Aus einem langweiligen Wort wie „Müllabfuhr“ wird dort auf dem Umweg über ein paar Sprachen in kurzer Zeit ein spannendes wie „Siebtaktgeber“. Wenn ich noch ein bisschen bei Amazon rumbrowse, bringe ich es vielleicht bald zu einem geodätisch interessierten Shintoisten mit einer Vorliebe für rumänische Volksmusik. Möglich ist Vieles.

Von den Propellerheads gibt es eine CD, die heißt Drecksandrumroll oder so ähnlich.

CCTV

Für autoritäre Staatsorgane scheint die Abkürzung CCTV prädestiniert: Im englischsprachigen Raum verknüpft sich meist Videoüberwachung damit; in der VR China heißt ein staatlicher Fernsehsender so.

Denkmal

Jüdisches Denkmal
Foto: Bodo

Zum Gedenken an die Novemberpogrome gastierte in den letzten Tagen dieses jüdische Denkmal in unserer Schule. Wir dachten zuerst, das wäre Abfall von der Baustelle und wollten die bemoosten Steine als Requisiten für unser Theaterstück „Die letzte Welt“ (nach dem gleichnamigen Roman von Christoph Ransmayr) stehlen. Das wäre ja mal ein greller Fauxpas gewesen!

Ein neues Lebensgefühl

Aufmerksame Leser werden sich noch an meine Armbanduhr erinnern, deren Alarm sich einmal von selbst auf 6:69 Uhr einstellte. Von dieser Uhr gibt es Neues. Sie war mal wasserdicht, aber ist es – seit sie mal in Reparatur war – nicht mehr so ganz. Das Spülwasser, das gestern hineinlief, hat Teile des Displays zerstört – die Minuten-Einerstellen werden nur noch fragmentarisch angezeigt. Die Wirkung ist frappierend: Ich fühle mich der Hektik unserer Stressgesellschaft auf nie gekannte, faszinierende Art und Weise enthoben. Ich denke nur noch in Zehnminutenabschnitten, die Klaue des Pünktlichkeitswahns lockert sich ganz von selbst. Eine eigentümliche Gelassenheit und Leichtigkeit erfüllt mich; ich freue mich des Lebens mehr als vorher, habe mehr Zeit für mich und meine Mitmenschen. Es gibt weniger Hast und mehr Lächeln in meinem Leben.

Alles gelogen. In Wirklichkeit ist mein Leben eine Spur stressiger geworden, weil es mehr Aufwand erfordert, die genaue Uhrzeit zu ermitteln.

Wo der Pfeffer wächst

Wenn die Wise Guys ein neues Album veröffentlichen, ist das immer wieder eins der schönsten Erlebnisse – schöner sogar als Weihnachten und Geburtstag zusammen. Wenn dann auch noch das CD-Präsentationskonzert als Spezialnacht quasi vor der eigenen Haustür stattfindet, beginnt man sogar die Wonnen von Sonntag und Tag der deutschen Einheit gleichzeitig zu erahnen. Und die Feste, die ich heranziehen müsste, um zu schildern, welche Glücksgefühle es mir bereitet, einen Weblog-Eintrag über meine Lieblingsmusikgruppe mit einem eleganten Seitenhieb auf eine aktuelle politische Diskussion zu spicken, müssen erst noch erfunden werden.