Vormittagsbeschäftigungen

Schnellen Schrittes das Stolpern über ein Staubsaugerkabel verweigernd entnahm ich der Wand heute Morgen erstmal eine Steckdose. Später ging ich zur Schule und hörte mir die üblichen widersprüchlichen Wünsche meiner Französischlehrerin an: „J’espère que vous avez bien passé les vacances… peut-être que vous avez un peu révisé du vocabulaire…“

Fahrenheit 9/11

Ich war so kurz davor, behaupten zu können, Fahrenheit 9/11 ganz gesehen zu haben, und eine halbe Stunde vor dem Ende warf ich das Handtuch, machte den Fernseher aus. Am Anfang war der Film ja ganz lustig, diese informative Busch-Verarsche, aber was dann kam… eine völlig farblose, langweilige Dokumentation des Irak-Kriegs, bei der ich mich fragte: „Bin ich auf dem Gebiet viel beschlagener, als ich dachte, oder ist das hier einfach nicht die Spur informativ?“ Als dann schließlich nur noch stundenlang die dumme, patriotische Mutter irgendeines gefallenen Soldaten interviewt wurde, die so spannende Sachen erzählte wie die, mit welcher Farbe sie sich gerade die Nägel lackierte, als sie erfuhr, wo ihr Sohn stationiert würde (bildlich gesprochen), habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten.

So lange der Film einige Amerikaner dazu bringt, Bush nicht zu wählen, hat er für mich seinen Zweck erfüllt.

Physik und Philosophie

„Schrödingers Katze“ ist ein philosophysikalisches Gedankenexperiment, bei dem in einer Kiste eine Katze sitzt, deren Leben von zufälligem radioaktivem Zerfall abhängt. Ob sie noch lebt oder schon tot ist, ist dabei nicht nur unbekannt, sondern bis zur Öffnung der Kiste überhaupt nicht festgelegt. Eine ähnliche Situation kennt man aus dem Alltag. Wenn man im fünften Stock wohnt und einen Freund zu Gast hat, der sich dann spät in der Nacht zum Gehen wendet, steht man vor der schwer zu beantwortenden Frage, ob die anderen Hausbewohner schon die Haustür abgeschlossen haben – sollte man also noch mit runtergehen, um dem Freund ggf. aufzuschließen? Ob die Haustür aber abgeschlossen ist oder nicht, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sagen. Die gesamte Zeitlinie, der Lauf des Universums befindet sich in einem schwankenden Zustand. Erst wenn man sich entscheidet, kristallisiert der Zeitfluss, fügen sich Raum und Zeit zu einem festen Geschehensfluss zusammen. Riskiert man’s und verabschiedet den Freund schon an der Wohnungstüre, dann hat ein treusorgender Nachbar die Tür schon vor zwei Stunden gründlich zugeschlossen. Greift man aber selbst zum Schlüssel und begleitet den Freund nach unten, so wird man die Tür dort problem- und schlüssellos zu öffnen vorfinden. Man ist dann zwar unnötig mitgekommen, aber es war nötig.

Wie man sich beschäftigt…

Corinna feilt an einer Portraitzeichnung. Malik schreibt eine Kurzgeschichte. Ich memoriere eine Lügengeschichte. Zumeist sitzende, alles schweigende Tätigkeiten. Und das veranlasst den gerade eintretenden Andi zu der Bemerkung: „Ihr bietet ein unglaubliches Bild der Langeweile!“ Oh Herr, schleudere Blitze vom Himmel wider diese Oberflächlichkeit! Dass hier keine Langeweile, sondern das Gegenteil herrscht, kann man doch sogar mit den Augen sehen, ohne groß sein Hirn anzustrengen. Andi, weißt du nicht, wie gelangweilte Menschen aussehen? In der Regel ja doch eher so wie die Typen oben, die mit halboffenen Mündern auf dem Sofa hängen, sehr lauter und sehr schlechter Musik sowie sehr viel Alkohol ausgesetzt sind und sich einbilden, sich zu amüsieren. Da, wo „was los ist“, wie Mireille sagte. Wo Langeweile nicht beseitigt, sondern narkotisiert wird. Und bei uns, bei uns kreativ Tätigen! „is ja nix los. Das is ja doof.“ Verkehrter kann man nicht denken.

Digikäm

Kollege Everts freut sich auf die bevorstehende Fahrt in die Toskana. Er hat vor, einen der begleitenden Lehrer in kompromittierenden Situationen zu erwischen: „Ey! Ich hab ne Digicam, da kann ich alles festhalten!“

Digicams? Sind das nicht diese Geräte, die
a) eine halbe Minute zum Einschalten brauchen,
b) zwischen zwei Fotos zehn Sekunden brauchen und
c) fünftausend manuelle Einstellmöglichkeiten haben, die man anhand ganz fukeliger Knöpfe und langsamer Menüs auch nutzen muss, damit das Foto nicht total scheiße aussieht?

Doch, ich glaube schon. Perfekt geeignet für Schnappschüsse also, vorausgesetzt, die Raumtemperatur sinkt innerhalb von einer Sekunde um ca. 100° C. Kollege Everts bräuchte also eine Eiskanone, wie Mr. Freeze in Batman & Robin… die Dinger sollten Digitalkameras eigentlich grundsätzlich beigelegt werden.

Ich habe noch einen weiteren Weltverbesserungsvorschlag. Er betrifft Bauarbeiter. Denen fällt ja manchmal das Walkie-Talkie in die Betonmischmaschine oder so… und dann müssen sie brüllend kommunizieren. Das ist nicht sehr schön anzuhören. Alle Bauarbeiter sollten sich deshalb weiterbilden und das Jodeldiplom machen! Das Jodeln eignet sich ja hervorragend, um auch unter schwierigen akustischen Bedingungen (über Entfernungen, bei Lärm etc.) Informationen auszutauschen. Man müsste natürlich einen speziellen Jodelcode entwickeln, der auf baustellenspezifische Kommunikation ausgerichtet ist. Dann würde die Düsseldorfer Innenstadt richtig Alpenflair bekommen. Denn man kann hier ja keine Semmel in die Gegend werfen, ohne mindestens drei Großbaustellen zu treffen.

DANÖNE

DANÖNE im Kühlschrank

Kühlschrank auf, Milch raus, Milch rein, aus den Augenwinkeln noch einen Blick auf die DANÖNE-Joghurts erhascht, Kühlschrank zu. Moment, „DANÖNE“? Kühlschrank auf: Aha. Ich hatte die Joghurtpackung durch eins der weiß gepünkelten Kühlschrankregalbretter gesehen – daher kamen die Ö-Pünktchen.

Lieblingssatz

Meinen neuen Lieblingssatz habe ich ausm dtv-Lexikon: „Man unterscheidet bunte und unbunte Farben.“ Zum einen gefallen mir die schön schlicht gewählten Fachbegriffe und die Häufung der U-Laute, zum anderen widerlegt er in seinem Zusammenhang sehr schön den Irrglauben, schwarz, grau und weiß seien keine Farben. Manche Leute behaupten das ja. Ich hatte mich immer über diese Behauptung geärgert, sie aber nie fundiert widerlegen können. Was soll man den Irrlehrern entgegenschleudern? Jetzt weiß ich’s.

Zuckerl

Wenn ein Zirkuspferd beim Training etwas richtig macht, bekommt es zur Belohnung ein Zuckerstück. Wenn eine Laborratte eine Aufgabe löst, drückt der Forscher auf einen Knopf, und Elektroden senden zur Belohnung Lustimpulse in ihr Hirn. Wenn ich im Kino einen guten Trailer sehe, gehe ich zur Belohnung in den Film.