West

Jahrelang wurde für die Zigarettenmarke West mit den Bildern schriller Flirtender geworben. Vor einiger Zeit war man wohl der Meinung, es müsse etwas Neues her. Das Ergebnis war abscheulich. Über die Parole „Für mehr Handlung in Pornos!“ und vor allem die zugehörige Kinowerbung will ich mal gar nichts sagen, aber folgende beiden waren dreist: „Für Männer, die Gefühle zeigen!“ und „Für auch mal Fehler machen dürfen!“ Diese Forderungen sind ethische Gemeinplätze und Selbstverständlichkeiten, aber West stellt sich als ihr Apostel hin, der neue Maßstäbe setzt und die Menschheit endlich davon befreit, keine Fehler machen zu dürfen, und die Männer davon, keine Gefühle zeigen zu dürfen. Vielen Dank, aber jeder Mensch bei Trost akzeptiert schon lange Gefühlsäußerungen bei Männern und verzeiht Fehler und bedarf keiner Unterstützung durch dumme Zigarettenwerbung. Wäre dem nicht so, hätte West sich natürlich nie erfrecht, derart Originelles zu fordern. So aber darf man auf die entsprechende Zustimmung hoffen:

„Hallo, ich bin die Nadine aus Castrop-Rauxel, und ich bin da ehrlich gesagt voll d’accord, mit dem, was West da fordert. Nee, das klingt jetzt vielleicht komisch oder so, sorry, ne, aber ich bin da irgendwie voll dafür, dass man auch mal Fehler machen darf, ich mein, Tschuldigung, das ist ja auch irgendwo eine Frage der Lebenseinstellung. Find ich. Also, das ist zumindest meine Meinung. Nee, ich bin da ganz offen, ich bin jetzt echt nicht so’n Mensch, der sich da hinstellt und sagt: Man darf jetzt keine Fehler machen und so. Das gehört auch einfach dazu, dass man das akzeptiert, wenn mal jemandem was passiert, ich mein, jeder macht mal Fehler. Jeder. Das ist jetzt so meine Überzeugung und so, und da steh ich auch zu. Von daher kann ich nur sagen: Man soll schon auch mal Fehler machen dürfen.“

Satire come true

Vor vielen Jahrzehnten schrieb Ephraim Kishon eine Geschichte mit dem Titel „Alle Tiere sind schon da“. Der Erzähler wird von seinem Verleger gedungen, ein Kinderbuch mit einem Tier als Hauptperson zu schreiben, hat aber das Problem, dass praktisch alle Tierarten schon von anderen Kinderbuchautoren weggeschnappt wurden. Ganz am Ende verfällt er auf das Exotischste, was seine Fantasie hergibt. Und siehe da, der Tiefseeschwamm ist noch frei. Was soll ich sagen, heutzutage gibt es SpongeBob. Diese späte Verbindung von Satire und Wirklichkeit ist mir erst heute aufgefallen.

Ein fast ein wenig ähnlicher Fall liegt bei Andreas Schlüter vor: In seinem Jugend-Sciencefiction-Roman „2049“ erschafft er eine Zukunft, in der Lautsprecher in Warenhäusern Waren als „geil“ anpreisen, was die Besucher aus dem Jahr 1999 zusammenzucken lässt. Inzwischen sieht es eher so aus, als würde das Wort 2049 längst völlig has been sein – hat Saturn doch keine vier Jahre nach dem Erscheinen des Romans durch seinen Claim „Geiz ist geil!“ begonnen, das Wort salonfähig zu machen. Eigene Prospekte sowie die Konkurrenz griffen seine Verwendung auf, der Rest wird schon bald Geschichte sein.

Skyline

Skyline Düsseldorf

Wenn man mal nur ein paar Tage lang nicht in Düsseldorf war und dann über die Südbrücke wieder reinfährt, kann man immer zählen, wie viele neue Wolkenkratzer sie in der Zwischenzeit aus dem Boden gestampft haben.

Merkwürdige Unterschiede

Vor einem Supermarkt in Dol-de-Bretagne gibt es einen blau markierten Behindertenparkplatz und einen rot markierten Parkplatz für Eltern mit Kinderwagen. Hinter dem Behindertenparkplatz mahnt ein Schild mit einem Rollstuhlfahrer-Piktogramm: „Si vous prenez ma place, prenez aussi mon handicap.“ („Wenn Sie meinen Platz wegnehmen, nehmen Sie bitte auch meine Behinderung.“) Nach einem Schild mit der Aufschrift „Si vous prenez ma place, prenez aussi mon enfant.“ sucht man am benachbarten Parkplatz indes vergeblich. Die Welt ist voller merkwürdiger Unterschiede. Davon abgesehen gibt es für Behindertenparkplätze ohnehin bessere Mahnschilder.

Fenster

Von klugen und philantropischen Menschen entworfene Fenster, also die meisten, sind so zu bedienen, dass man erst den einen Flügel schließt und der andere dann genau passt. Die westliche Normandie dagegen scheint voll zu sein von dummen oder bösen Fenstermachern, denn sowohl in der letzten als auch in der jetzigen Herberge haben die Fenster innen halbrunde Passformen, sodass man die beiden Flügel nur gleichzeitig öffnen bzw. schließen kann. In der Theorie ist das lediglich sinnlos. In der Praxis führt es zu großem Klemmen, Ächzen, Knirschen und Krachen. Jedes Öffnen und jedes Schließen wird zum Kraft- und Geschicklichkeitsmarathon und zaubert Risse ins Gemäuer.

Ansonsten lässt es sich prima leben.

Geschniegelte Jünglinge

Normalerweise haben alte Frauen geschniegelte, ernst blickende Jünglinge in Schwarzweiß in einem ovalen Rahmen auf dem Sekretär stehen. In Avromanches, einer normannischen Hafenstadt, wo 1944 aliierte Truppen landeten, sahen wir heute eine alte Frau, die ein solches Portrait als Tätowierung auf dem rechten Oberarm hatte.

RWI-Haus

RWI-Hochhaus

Die RWI braucht Mieter, und mal ehrlich, wer könnte da widerstehen? Ihr neues Büro – weithin sichtbar mit psychedelischer Arbeitsatmosphäre und der Anti-Junkie-Beleuchtung, wie sie bis vor kurzem nur in darum von allen Büros glühend beneideten Bahnhofstoiletten zu finden war.