Archiv der Kategorie: Leben

Was ich immer sage (2)

Was bisher geschah: Was ich immer sage.

  1. Da hat die Evolution sich schon was bei gedacht.
  2. Gut, dass wir darüber gesprochen haben.
  3. Das üben wir noch mal.
  4. Das verstehe ich nicht.
  5. Ich habe gefehlt. Verzeih.
  6. Ich benötige ein Schneidwerkzeug.
  7. Schlecht.
  8. Das scheint auf den ersten Blick keinen Sinn zu ergeben – und, in der Tat, es ergibt auch keinen Sinn.
  9. Good luck with that.
  10. Wäre vielleicht mal ne Maßnahme.
  11. (wenn ich auf eine sehr einfache und naheliegende Lösung gekommen bin) Manchmal erschrecke ich vor meiner eigenen Genialität.
  12. (als Standardantwort auf „Entschuldige die Unordnung“) Welche Unordnung?
  13. (wenn jemand etwas offensichtlich sehr Sinnloses oder Schädliches tut) Das ist ein interessanter Ansatz.
  14. (zu nicht funktionierenden Geräten) Stirb!
  15. (zu nicht funktionierenden Geräten) Mach dich nicht lächerlich.
  16. (wenn was anbrennt oder kaputtgeht oder so) Ein klares Zeichen für den moralischen Verfall.
  17. Was für’n Ding?
  18. Steile These.
  19. Bis man erst mal die ganzen Feinheiten rafft!
  20. Ich werde das demnächst erledigen, wenn mir niemand zuvorkommt.
  21. Du bist deiner Zeit voraus.
  22. Was macht die Kunst?
  23. Es gibt Dinge, ohne deren Kenntnis man ein unbekümmerteres Dasein fristet.
  24. Das wirst du aber nicht schaffen, kleiner Elefant. Pass mal auf, ich mampf dich.
  25. Et tu…
  26. Must we all wait behind this bush? I have theater tickets!
  27. Wird erledigt.
  28. Das ist ja praktisch.
  29. Ich bin begeistert.
  30. Mit einer selbstgebauten Flockenquetsche selbstgequetschte Haferflocken schmecken auch viel besser als mit einer fertig gekauften Flockenquetsche selbstgequetschte Haferflocken.

Übernommen vom Volksmund (2, 3, 9, 10, 22), dem Terminator (6), den Wise Guys (8), hirnlego (16), Didi und Stulle (19), Walter Moers (23), Vattern (24), Cäsar (25), Tingeltangel Mel (26) und Max Goldt (30).

Fünf hübsche Zitate aus Internetdiskussionen mit christlichen Fundamentalisten

Puzzler: Dein Problem ist, dass du mit dem Wertesystem eines obskuren, jahrtausendealten Wüstengottes und einer Schwarte, die so sehr aus einem Guss ist wie ein Patchwork-Teppich mit Franseln dran, auf die heutige Welt loswillst.

Ungewinster: Sag mal, Paulus777, kann es sein, dass du dir die Augen mit UHU zugeklebt hast?

Ungewinster: Zu deinem sicherlich mit Bedacht und unglaublich großem Hintergrundwissen gewählten Terminus „blöd“ werde ich mich nicht weiter äußern.

Paulus777: Doch, Hexerei funktioniert und ist ultragefährlich! Man mobilisiert dadurch die übelsten Dämonen!

tierchen: geht gott eigentlich auf, wenn man ihn mit hefeteig vermischt?
DasWort: SOLCH EINE LÄSTERUNG! SOLCH EINE SCHWEINEREI!

Schlechtes Timing

Ich benutze meinen Posteingang gerne als TODO-Liste und kenne keinen schöneren Gradmesser meiner persönlichen Organisiertheit als seine Leere. Triviale Dinge haben dort keine Aufenthaltsberechtigung, weil ich sie unter heftiger Endorphinausschüttung sofort erledige – es sei denn, sie erzwingen sich einen unbotmäßig langen Aufenthalt. Dann werde ich sauer. So nehme ich es der Universität Tübingen enorm übel, dass sie mich am 14. Januar mit der Information zuspammt, dass ich mich ab dem 15. Januar online für das nächste Semester zurückmelden kann. Noch toller treibt es das Finanzamt a.a.O., das mir, kaum hat das Jahr begonnen, einen dicken Stoß Unterlagen für die Steuererklärung ins Haus schickt – und dann heiter mitteilt, die Steuererklärungssoftware ELSTER Formular 2010 stehe ab dem 20. Januar zum Runterladen bereit. So was geht einfach mal gar nicht!

Mitfahrgelegenheiten-Top-Two

Seit gut vier Jahren bin ich zufriedener Nutzer des Verkehrsmittels Mitfahrgelegenheit. Mein typischer Chauffeur ist ein Mann mit technischem oder kaufmännischem Beruf, der im Schwabenland Arbeit und an Rhein oder Ruhr familiäre Bindungen hat. Zweimal an denselben bin ich noch nie geraten. Meine typischen Mitfahrer sind wie ich in Studium oder Ausbildung. Die wenigsten so entstehenden Reisegesellschaften sind erinnernswert, zwei Erfahrungsschätzchen habe ich indes in den Jahren bewahrt.

Zweiter Platz: Eine Tagfahrt von Stuttgart nach Köln im Spätwinter. Sie war erinnerlich, weil bizarr. Hinten im Van saßen zwei Frauen mit Kopftuch, die sich nicht groß am Gespräch beteiligten. In der Mitte saßen neben mir zwei Badenerinnen, deren Ziel der rheinische Karneval war. Auf dem Fahrersitz saß ein seit Jahren in Deutschland studierender und arbeitender Chinese und neben ihm ein Stuttgarter BWL-Student mit großer Klappe. Die beiden kriegten sich leider darüber in die Wolle, ob es moralisch richtig sei, dass die VR China ausländische Unternehmen, die in China einen Standort eröffnen wollen, zuweilen zur Kooperation mit einheimischen Unternehmen zwinge. Der Chinese verteidigte oder leugnete diese Politik vehement (ich weiß nicht mehr, was), der deutsche BWLer sah hier wohl so etwas wie ein göttliches Gesetz verletzt. Jedenfalls wurden sie des lauthalsen Diskutierens die halbe Fahrt über nicht müde.

Erster Platz: Eine Nachtfahrt von Düsseldorf nach Stuttgart im Frühwinter. Sie war verrückt und dabei richtig angenehm. In Düsseldorf stieg ich zu einem sympathischen, etwas überdrehten Mann ins Auto, zusammen mit zwei Afrikanern, die untereinander unverständliches Französisch und mit uns unverständliches Englisch sprachen. Der Fahrer fuhr sehr sportlich, zunächst nach Köln, wo wir erst nach fast halbstündigem, die Laune nicht wirklich verschlechterndem Gegurke an einem Vorortbahnhof einen Jungen mit ganz leicht autistischem Wesen auflasen. Und das lohnte sich, denn er machte eine Ausbildung zum Orgelbauer und konnte uns – also den Saxofonen – die halbe Fahrt nach Stuttgart lang vom Bearbeiten verschiedener Materialien berichten, vom Erkennen von zu eliminierenden Schwebungen in Orgeltönen und von der Wichtigkeit, dafür sein Gehör zu schulen und zu schonen. Ein Sahnehäubchen auf der Interessanz dieser Fahrt war das Rasen unseres Fahrers, der für die Strecke Köln-Stuttgart kaum länger brauchte als der ICE, einen Stopp an einer Erdgastankstelle bei Montabaur mitgerechnet. Zu dieser Geschwindigkeit zeitweise brausende Orgelmusik von CD, dass das Erdgasauto wackelte, was vor allem der Fahrer total geil fand.

Modellbahnraum

Ich habe einen Nachbarn, der zwei Hausnummern vor die Tür seiner Gewerbefläche gehängt hat: seine und meine. Hilfsbriefträger und esoterische Paketdienste werden davon manchmal verwirrt. Dann geht meine Post an den Absender zurück. Ich stellte meinen Nachbarn zur Rede. Er behauptete, die Deutsche Post habe ihm befohlen, beide Nummern zu führen – erster Beweis dafür, dass er bizarr ist. Zweiter Beweis: seine Gewerbefläche. Das Klingelschild bezeichnet sie als „Modellbahnraum“, und es sieht so aus, als sei tatsächlich in den nächsten Tagen die Einrichtung einer großen Modellbahnanlage geplant. Seit mehreren Monaten sieht es so aus. Die Tische stehen leer und auf dem Kopf. Immer, wenn ich am Schaufenster des Modellbahnraums vorbeigehe, sitzt mein Nachbar in einem Drehsessel und liest Zeitung.

Forschungsprojekt

Hat man mir auf einer Party erzählt:

Letztes Semester hatten wir zum Beispiel ein Seminar zu Gender Studies. Das war toll. Die Dozentin war voll locker, die war Amerikanerin. Das fand ich voll gut, die war voll offen, gar nicht so wie die Deutschen, verstehst du? Die hat uns auch von ihren Affären erzählt, die sie während der Zeit hatte. Andere Dozenten sind da immer voll streng und achten voll darauf, wie man sich im Seminar beteiligt und machen voll strenge Vorgaben für die Hausarbeiten. Aber sie wollte das gar nicht so machen, sie wollte uns da Freiheit lassen, und das find ich auch gut, weil, wenn ich jetzt zum Beispiel im Seminar nicht so viel sage, kann das ja trotzdem sein, dass ich voll gute Gedanken und Ideen habe, weißt du? Und die Ideen wollte sie halt sehen, und deswegen haben wir eigene Forschungsprojekte machen dürfen. Völlig frei, also sie hat gar keine Vorgaben machen wollen, sie wollte, dass wir selber kreativ werden. Ich bin mit zwei Freundinnen aus dem Seminar ins Top Ten gegangen und wir haben die Leute beobachtet. Unser Thema war, wie sich Männer und Frauen in der Disco verhalten, ob’s da Unterschiede gibt. Und es gibt voll die Unterschiede. Männer bleiben in eher ihrer Clique, während Frauen den Kontakt suchen, auch zu anderen Leuten. Und dass die eine Gogo-Tänzerin schon Megacellulite hatte. Hab ich zwar auch, aber ich tanz auch nicht Gogo.

Die Münze für Selbstentscheider

Manchmal kann man sich zwischen zwei Möglichkeiten schier nicht entscheiden. Dann bleibt als letzter Ausweg der Münzwurf. Bei mir ist es so: Wenn die Münze erst mal geworfen ist, schlage ich ihren Rat regelmäßig in den Wind und entscheide mich dann doch anhand von Gründen. Es ist, als würde der Münzwurf nur die klemmende Waage anstupsen, damit sich die doch etwas schwerere Schale endlich senken kann. Für Leute wie mich könnte man mal eine Münze mit zwei gleichen Seiten herstellen und – etwa über den Antipreneur-Shop – vertreiben.

iPhone – Mythos und Wirklichkeit

Vor fünf Monaten kaufte ich mir ein iPhone 3G und erwartete, man würde mich dafür dissen. Tat man aber nicht. Was mache ich jetzt mit der sorgsam vorbereiteten Verteidigungsschrift? Einfach ablegen:

Ein so hochgezüchtetes Handy ist nur zum Angeben. Stimmt nicht. Ich hatte den starken Wunsch, Telefon und MP3-Player immer dabei haben zu können, ohne mehr als ein Gerät zu schleppen. Wenn man dann auch noch Wert darauf legt, viel Musik in akzeptabler Qualität dabeizuhaben, hat man schon nicht mehr viel Auswahl auf dem Handymarkt. Internetfähgikeit und GPS waren mir nicht wichtig, aber auch nicht zuwider. Auf die Designer-Marke hätte ich lieber verzichtet und  z.B. das Android-Handy G1 genommen, aber für diesen Ausbund and Hässlichkeit war ich dann doch zu sehr Ästhet.

Niemand braucht ein Internet-Handy. Stimmt nicht. Ob es jetzt gut war, dass ich zum ersten Mal eine ganze Urlaubswoche lang jeden Tag meine E-Mails und Feeds gelesen und so manche Mail auch geschrieben habe, mag man sich streiten. Was ich indes nie mehr missen möchte, ist die Maps-Applikation. Meine Orientierungsfähigkeiten in fremdem Gelände sind nicht überdurchschnittlich und ein zoombarer Stadtplan, der in die Handfläche passt und – entscheidend! – einem zeigt, wo man sich befindet, ist ein wahrer Segen.

Das iPhone ist viel zu teuer. Stimmt nicht. Es kostet viel, ist aber jeden der ca. 750 € (Zuzahlung + zwei Jahre überdimensionierter Mobilfunkvertrag) wert. Wie bei Apple üblich, ist viel Geld und hektoliterweise Schweiß darein geflossen, dass die Bedienung einfach ist und das Ding verdammt noch mal einfach funktioniert. Und das ist unterwegs entscheidend. Zum Beispiel verbindet sich mein iPhone praktisch immer innerhalb von drei Sekunden mit jedem WLAN, das es schon kennt. Es funktioniert einfach. Kann das Ihr PC?

Auch das iPhone hat gravierende Mängel. Stimmt. Die Kamera des 3G fällt hinter die Qualitätsstandards des Restgeräts weit zurück, sie taugt überhaupt nichts (die des Nachfolgemodells 3G S soll besser sein). Will man also auf das Mitschleppen eines weiteren Geräts, einer eigenen Kamera, verzichten, muss man sich schon auf sehr mindere Schnappschüsse bei guter Beleuchtung beschränken. Der ganze Spuk mit der closed-source-Software ist natürlich auch ein gravierender Mangel – ich wusste schon beim Kauf, dass ich ominöse Tools und viel Nervenstärke würde einsetzen zu müssen, um das Gerät unter Linux mit Musik befüllen zu können. Hat aber geklappt. Völlig unverzeihlich ist, dass man ohne Jailbreak und hackichte Modifikationen auch keine Chance hat, in SMS-Nachrichten Wörter zu verwenden, die nicht im Wörterbuch der jeweils aktivierten Sprache stehen. Hat man solches schon vernommen?! Wer mich nur ein bisschen kennt, weiß, wie sehr das meinem Gebrauch von Sprache widerspricht.