Archiv der Kategorie: Zitate

Knick und Gegenknick

Großes Vergnügen bereitete mir gestern die Lektüre von Christoph Dieckmanns aktuellem Zeit-Artikel über den einsturzgefährdeten schiefen Turm von Bad Frankenhausen. Da heißt es nämlich:

Ein junger Mann eilt auf uns zu. Am Revers seines Jacketts zwackt der schiefe Turm.

Und später:

Wird das Geld bewilligt, gehört der Turm neuerdings der Stadt, die ihn – vorbehaltlich der Förderung – durch Ratsbeschluss vom 1. September 2011 für einen Euro von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands erwarb. Der Kirchenleitung fielen 2800 Tonnen Turmgewicht vom Herzen.

Und schließlich:

Seit Jahrhunderten wird dieser älteste Kurpatient verarztet. 1761 setzte man ihm die barocke Haube lotrecht auf, zur Korrektur der Neigung. Einziger Effekt blieb ein charmanter Gegenknick.

Was ich immer sage (4)

Was bisher geschah: Was ich immer sage, Was ich immer sage (2), Was ich immer sage (3).

  1. Problem gelöst.
  2. Daran herrscht kein Mangel.
  3. Ja, so kann man heißen.
  4. Stimmt. Stimmt!
  5. Funktioniert!
  6. I just made that up.
  7. Voll gut.
  8. Discuss.
  9. Dito.
  10. Weiß man’s? Will es wer nachprüfen?
  11. Yeah, well, you know, that’s just, like, your opinion, man.
  12. I should be writing this down.
  13. Gut, um Ästhetik geht es also nicht.
  14. Wollt grad sagen.
  15. Jesus Christus.
  16. Oha.
  17. Warum kam es nicht zum Kuss?
  18. (als Antwort auf die Frage „Woher weißt du das?“) Osmotisch aufgenommenes popkulturelles Halbwissen.
  19. Care to elaborate?
  20. I didn’t mean to imply otherwise.
  21. And that happens to be a good thing, not a bad one.
  22. Das hab ich auch schon mal gewusst.
  23. (als resignativer Kommentar zu manch einem Regelwerk) p∧¬p
  24. Reaktion wie ein Amboss, nur nicht so schnell.
  25. Dann waret ooch nit wischtisch.
  26. Es wird sich nicht vermeiden lassen.
  27. Two’s a pattern, three’s a paradigm.
  28. Bummer.
  29. Vielleicht nicht. (für: Mit absoluter Sicherheit nicht)
  30. Wiesu denn bluß?
Übernommen von Billie (7, 8), Malik (9), Max Goldt (10), The Dude (11), Heiko Wernings Elektriker (13), Didi und Stulle (14), der Festivalzeitung der Maskerade (17), Pinyin news (21), Herrn Zielke (24), Darth Vader (25), den Rumpelwichten aus Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter (30).

Genus und Sexus

O C., als du, C. und ich neulich durch die Altstadt von Halle an der Saale schlenderten, guckten wir uns an einer großen Gruppe junger Männer erschreckend ähnlichen Phänotyps fest, die Pappschilder mit den Zeichen WILLST DU MICH HEIRATEN? dabeihatten, um sie so in den Himmel zu recken, dass man sie vom Turm der Marktkirche aus lesen konnte. Die Aktion gelang, von oben kam ein positives Signal, es wurde geklatscht und gejubelt. Wohl aus Verachtung für traditionelle Lebensweisen und konventionelle romantische Gesten bemerktest du: Jetzt darf er sie knallen. Und wohl aus Ablehnung von Geschlechterstereotypen und heteronormativen Vorurteilen präzisiertest du rasch und elliptisch: Der Mensch die Person.

Unicode Man

Holy shit, this is awesome:

<deep portentous voice used for film trailers>When the fight for internationalisation hots up, mild mannered web developer Martin Sammtleben becomes Unicode Man, defender of diacritics, champion of challenging codepoints. Faced with an ASCII-fixated enemy, Unicode Man must free the badly programmed text engines of the world of their inability to implement international standards before all are assimilated by their failure to put the right glyph in the right place</deep portentous voice used for film trailers>

Im Relativismuskoma

Jaja, Wörter, die es nur in einer Sprache gibt und die in anderen Sprachen einfach kein passendes Äquivalent haben, ja die sich womöglich noch nicht einmal adäquat übersetzen lassen. Dieses oft falsche Gerede kann manchmal etwas ermüdend sein:

There are also great new German words without an appropriate equivalent in English: Fressnarkose (difficult to translate, but it describes feeling tired after lunch/dinner) (…)

Die Reaktion war nicht konstruktiv, aber sehr erfrischend:

I say, not really, Shakespeare (Measure for Measure 3.1.32) (reprised by Eliot in Gerontion) wrote:

“Thou hast nor youth, nor age:
But as it were a Fressnarkose
Dreaming on both.”

Eleganter Unsinn

Eine Buchempfehlung in vier Zitaten: Alan Sokal und Jean Bricmont: Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen. Es geht in diesem Buch um haarsträubendes Geschwalle, das der Welt erfolgreich als geisteswissenschaftliche Texte verkauft wurde. Die einzelnen Beispiele hiervon, die Sokal und Bricmont minutiös zerlegen, waren mir zu erschreckend und die Analyse zu ermüdend für eine vollständige Lektüre. Einführung, Intermezzi, Epilog und die Richtigstellungen der Autoren zu mancher missverstandenen Theorie sind jedoch ebenso vergnüglich wie geistig nahrhaft.

Wir greifen die Philosophie, die Geistes- und Sozialwissenschaften nicht in ihrer Gesamtheit an, im Gegenteil: In unseren Augen sind diese Disziplinen von größter Bedeutung, und wir wollen jene, die in diesen Fächern arbeiten (vor allem die Studenten) vor einigen eklatanten Fällen von Scharlatanerie warnen. Insbesondere wollen wir den Nimbus zerstören, den einige Texte besitzen: Sie seien deshalb so schwierig zu verstehen, weil die darin vorgebrachten Gedanken so tiefgründig seien. In vielen Fällen werden wir aufzeigen, daß die Texte einzig und allein deshalb so schwierig erscheinen, weil sie absolut nichts aussagen.

(…), daß die betreffenden Texte etwas beinhalten, das über „Fehler“ weit hinausgeht: Aus ihnen spricht eine tiefe Gleichgültigkeit, wenn nicht Verachtung, gegenüber Fakten und Logik. [Siehe hierzu auch On Bullshit von Harry G. Frankfurt, ke] Unser Ziel ist es also nicht, Geisteswissenschaftler zu verspotten, die beim Zitieren von Einstein oder Gödel Fehler gemacht haben, sondern den Kanon der Rationalität und der intellektuellen Redlichkeit zu verteidigen, der allen wissenschaftlichen Disziplinen zu eigen ist (oder jedenfalls sein sollte).

Das Werk Laplace’ wird oft mißverstanden. Als er den Begriff des universalen Determinismus einführte, fügte er sofort hinzu, wir würden „stets unendlich weit entfernt bleiben“ von seiner imaginären „Intelligenz“ und deren idealem Wissen der „jeweiligen Situation der Wesen, aus denen sie [die natürliche Welt] sich zusammensetzt“, das heißt, in eine moderne Sprache übersetzt, von den exakten Ausgangsbedingungen aller Teilchen. Laplace unterschied klar zwischen dem, wie sich die Natur verhält, und dem Wissen, das wir darüber haben. Er formulierte diese prinzipielle Unterscheidung sogar zu Beginn seines Aufsatzes über Wahrscheinlichkeitstheorie. Aber welche Bedeutung hat die Wahrscheinlichkeitstheorie für Laplace? Sie stellt für ihn lediglich eine Methode dar, um in einer Situation partieller Unwissenheit vernünftig entscheiden zu können. Die Bedeutung von Laplace’ Text wird vollkommen falsch dargestellt, wenn man sich einbildet, er habe gehofft, eines Tages zu vollkommenem Wissen und universeller Vorhersagbarkeit zu gelangen, denn das Ziel seines Aufsatzes bestand gerade darin zu erklären, wie man vorgehen solle, wenn man ein derartiges vollständiges Wissen nicht besitzt – so, wie man zum Beispiel in der statistischen Physik vorgeht.

Einige der in diesem Buch zitierten Texte vernachlässigen den empirischen Aspekt der Wissenschaft völlig und konzentrieren sich ausschließlich auf Sprache und theoretischen Formalismus. Sie vermitteln den Eindruck, als werde eine Erörterung schon dadurch „wissenschaftlich“, daß sie oberflächlich zusammenhängend wirkt, selbst wenn sie nie empirischen Tests unterzogen wird. Oder, noch schlimmer, als müsse man nur mit mathematischen Formeln um sich werfen, um Probleme einer Lösung zuzuführen.

Belauscht in Tübingen

Hinweis: Beinahe alle Kürzel sind mehrfach vergeben.

S.: Und, hast du deine Briefmarken noch gekriegt?
K.: Ja. Die ewig gleichen Blumengrüße. Die könnten sich ruhig mal wieder neue Briefmarken einfallen lassen.
A.: Die gibt’s nur in Zehnerpäckchen, oder?
S.: Wenn man einzelne will, …
A.: …muss man zum Automaten.
S.: Und die sind so hässlich!
K.: Naja, hässlich trifft es nicht ganz, aber sie haben doch einen sehr kühlen Charme.

A.: Auch ’n tictac?
K.: Nein danke, ich hab schon ein Konkurrenzprodukt im Mund.

C.: Ich habe mein altes Handy verschenkt unter der Prämisse, dass ich den Klingelton bezahlt kriege.

K.: Morgen, A.! Wie ist die Lage?
A.: Alles senkrecht! … Stellt euch mal vor, alles wäre senkrecht, nichts wäre waagerecht. Man hat das mit Katzen gemacht. Man hat sie in einer Umgebung ohne waagerechte Linien aufwachsen lassen. Sie waren später nicht in der Lage, waagerechte Linien zu erkennen.

J.: Joyce’ Ulysses kann man ja nur verstehen, wenn man ein abgeschlossenes Literaturstudium hat, die Weltliteratur in- und auswendig kennt und auch sonst ein bisschen am Rad dreht.

A.: Ein Stück Kühlbox mit butterbrotpapierbezogenem Glaslaternchen und einer verschließbaren Metallkiste mit Münzeinsatz (Plastik) und 1 dazu passenden Schlüssel an einem Plüschpferdchen ordnungsgemäß erhalten.

A.: Geschirr müssen wir selbst mieten, da hatte sie zu viel Angst um das gute Max-Planck-Geschirr für Lebensmitteltechnologie.

A.: Schönheitswettbewerb gegen nen Pfannkuchen gewinnt man nicht. Der sieht einfach zu lecker aus.

A.: You’ve risen from the depths of my spam folder and I hereby welcome you as a proud member of the regular incoming mail!

J.: In my Latin classes at school, the different uses of cum as a connective were subject to debate each time that word occurred in a text to be translated. Couldn’t it be causal? – Possibly, yes. – I translated it with ‘although’, is that acceptable? – Certainly. – What about cum historicum? — Yes, why not? etc. etc.

K. about a ghost train in a movie: It looks like German Regionalbahn.
A.: Except that German Regionalbahn usually features fully opaque dorks.

A.: Und ich muss ja R.s Text noch lernen.
G.: Ja, aber das ist ja nicht so viel. Du hast nur einen Auftritt… ah, nee, zwei Auftritte. Drei? Drei Auftritte.
F.: Also eigentlich die Hauptrolle.
K.: Eigentlich ist es ein One-Woman-Stück, und du bist die Einzige.

N. is testing the flexibility of the cat.
K.: He still loves N. to death.
N., cheerfully: Stockholm syndrome!

N.: Der Film handelt davon, dass in einem Dorf gehäuft Enthauptungen auftreten. Und diese Enthauptungen sind auf einen kopflosen Reiter zurückzuführen.

A.: Of course, every new Web tool foisted upon us quickly develops its own code of conduct and a set of subtle signals, offering us even more opportunities for social missteps.

R.: Sag mal, J., kommst du vor lauter Stylen eigentlich überhaupt noch zum Leben?

A.: über sexuelles und anderweitiges Non-Standard-Verhalten: Ich bin so etwas nicht gewohnt. In meiner Familie gibt’s nicht mal Linkshänder.

S.: Vielleicht findet er es ja toll, irre genannt zu werden.
A.: Es heißt ja nichts anderes.
J.: Das ist ja das Verrückte!

N.: Was ist das denn für ein Weg zum Grillplatz?
A.: Er führt durch ein schmales, dunkles Tal. Wenn du rechts vom Weg abkommst, fällst du ihn den Bach. Wenn du links vom Weg abkommst, fällst du in den Weiher. Es gibt Seerosenteiche mit Seerosen, Grotten mit Grottenolmen und einen einäugigen Schuhu.

A.: Go crazy, moderately.

A.: Dear God. please let my point get across.

J.: Ich habe versucht, für deine Position zu argumentieren, und bin kläglich gescheitert.

R.: 1,0? Ich hatte ja schon lange den Verdacht, dass du unheimlich intelligent bist. Unheimlich nicht im Sinne von überaus, sondern im Sinne von erschreckend.

T.: Nächster Tagesordnungspunkt, angesetzt für 7 Minuten: Die Kuschelsituation.
S.: Oh, ich weiß nicht, ob 7 Minuten da reichen werden.

Belauscht in Düsseldorf (und anderswo)

M.: Den Stowasser würde ich nicht mal unter den Kopierer kriegen, wenn er dazu da wäre, LKWs zu kopieren.

M.: Ich koste es, was es wolle.

M., gequält von Gewissensbissen wegen des Verzehrs fremden Brotes: Ich versündige mich an meines Nächsten Laib!

M.: Wenn Dieter Bohlen an die Macht kommt, wiederholen wir noch einmal den Reichstagsbrand, und zwar mit verteilten Rollen.

K.: Guten Morgen, B. Willkommen in der Welt der Denkenden. Ich hoffe, deine Reise war angenehm und du wirst dich bald hier zurechtfinden.

K.: Jetzt müssen wir doch den Computer aufschrauben. Oder Windows Media Player 7 benutzen.
M.: Ich hol schon mal den Schraubenzieher.

K., über einer Bildbearbeitungsaufgabe verzweifelnd: Du siehst aus wie unsere Tapete. Das machst du mit Absicht.

K.: Du kennst beide, also entscheide.

K.: Ich würde mir nie die Beine mit Wachs entfernen.

K.: Im Moment sag ich allen, dass ich Sprachwissenschaft und Jura studieren werde.
M.: Genau. Und wenn du dann klug bist, verfasst du Rechtsschinken.
K.: Ja. Aber als ob es davon nicht genug gäbe. Zu viele, wage ich zu sagen.
M.: Ja. Aber jedes Gericht würde sie kaufen! Weltweit! Und es gibt viele! Denk nur an die ganzen Fischgerichte!

M. über gelieferte Hardware zu einem noch nicht funktionierenden DSL-Anschluss: Ein Splitter – und nichts zu splitten!

M.: Komm, setz dich hin, es ist nervig. Da steht dann immer so einer, und der ist rot.
R.: Und kastenförmig.

M.: Bin ich Jesus, wachsen mir Schriftrollen aus der Tasche?

R.: Herrn K.s Fragen kann ich immer so aus dem Stammhirn beantworten.

M.: Wenn er noch nasaler spricht, redet er durch die Augen.

M.: Jetzt noch mal für die Leute, die nicht so audiovisuell ansprechbar sind und nur lesen können…

M.: Ausrufezeichen quellen ihm aus Mund und Augen.

S.: Ich kann nur mit glatten Summen rechnen, sonst fall ich ihn Ohnmacht.

M.: Dafür sollst du in der Hölle schmoren!
R.: Ah, das machen wir gerade in Reli.

A.: Ich bin übrigens überzeugt davon, dass die Sterne alle Glühwürmchen sind. Ist doch so, oder?
P., zögernd: Ich finde es immer sehr schwer, über solche Sachen definitive Aussagen zu treffen.

R. über Twilight: In jedem dritten Satz kommt irgendwas über Herzfrequenz oder Atmung.

Belauscht in Wuppertal (und anderswo)

Vater: Bilde mal einen syntaktisch kompatiblen Satz zu: Warum Frauen klüger sind als Männer.Warum eingemauerte Holzbalken beweglicher sind als Bodenturnerinnen.

Schwester: Also Mama, du bist ja voll nicht auf der Höhe!
Mutter: Also bitte, aktualisiere mich!

Vater: Na, du Strohsack?
Bruder: Ich bin kein Strohsack!
Vater: Jetzt wird hier auch noch manifest gelogen. Es ist doch ganz offensichtlich, dass du ein Strohsack bist!

Mutter: Erst baut er barocke Parkanlagen, und dann isst er sie nicht auf!

Eine ältere Freundin der Eltern in einem Rundbrief: Die Welt ist ja immer noch schön, trotz der Menschen.

Cousin 1: Ich lasse mir gerade ein Apple PowerBook vorführen. Abstoßend.
Ich: Ist das noch so ein altes, klodeckelartiges?
Cousin 1: Nein, was mich abstößt, ist die Tatsache, dass ich es nicht habe.

Abendessen.
Bruder: Mann, aus den gelben Tassen schmeckt der Zitronentee besser!
Vater: Also, ich find, an ungeraden Wochentagen schmeckt der Tee aus den gelben Tassen besser und an geraden aus diesen hier.
Bruder: Wie? Also, heute ist Dienstag, das ist ein gerade Wochentag…
Vater: Nein, ich meine heute ist der 23., das ist ein ungerader Tag…
Bruder: Du sprichst von Wochentagen. (böse) Mann, Papa!!!

Bruder: Kann jede Wohnung eine Dienstwohnung sein?
Vater: Ja, im Prinzip…
Bruder: Könnten wir auch in einem Seitengebäude des Buckingham-Palastes wohnen?
Vater: Ja, wenn die Rheinische Landeskirche das so deklariert… aber ich glaube, das müsste dann der Präses gegenzeichnen.

Mutter: Wo ist denn das Restaurant? Ist das noch vor der Kirche?
Vater: Ja, das wurde nicht verschoben.
Mutter: Nein, ich meine doch räumlich noch!
Vater: Ja, das wurde auch räumlich nicht verschoben.

Ich: Am beeindruckendsten finde ich in dem Architekturkalender diese Glaskirche.
Mutter: Ja, die ist wahnsinnig toll!
Bruder: Papa, was wollen die dir damit im Unterton sagen?
Vater: Dass ich Glaspfarrer werden soll?

Ich: Die nennt sich jetzt Bela M., weil es noch eine andere berühmte Sängerin namens Bärbel M. gibt.
Schwester: Wieso Bela?
Ich: Ist wahrscheinlich eine Nebenform von Bärbel.
Schwester, skeptisch: Und Bela B. von den Ärzten?
Ich: Ja, macht doch nix. Je unisex, desto stylish.

Vater: In dem Tübinger Stadtteil Lustnau steckt Lust drin und Aue. Aus Lust-Au wurde Lustnau, das spricht sich besser. Wie nennt man dieses n?
Mutter: Bindelaut.
Vater, verstehend: Ah ja, und wenn der wegbrennt, ist es eine Bindelautentzündung.

Das ver-rückte Labyrinth.
Schwester: Ich schieb das einfach schräg rein, dann komm ich so gerade rum. – Ihr lacht, also darf ich.

Osterferien.
Mutter: Nächste Woche brauch ich euch für Ikea. Am Mittwoch oder so.
Schwester, stöhnend: Mittwoch? Das ist ja mitten in der Woche!

Vater: Bibi Blocksberg ist ein richtiger Spielfilm? Ich dachte, das wär jetzt Zeichentrick oder so.
Schwester: Hast du doch eben gesehen!
Vater: Ja, ich dachte, das wäre jetzt gerade Werbung für ein Medikament namens Hexophobia.

Mutter: Wo ist eigentlich unser altes rotbraunes Gitterbettchen?
Vater: Das bildet den Grundstock eines Kindergefängnisses in einem der Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Ich glaube, Kirgisien war’s.

Regionalexpress.
Schwester: Obertürkheim? Hier wohnen wohl die ganz Konkreten.

Mutter: Du meinst, der Teppich war neulich noch in der Reinigung?
Vater: Ja, guck mal, hier hängt noch ein Beleg dran.
Mutter: Ja, aber der kann natürlich…
Ich: …gefälscht sein?

Mutter: Wo stellst du dich denn da hin mit dem Auto?
Vater: Och, in der Ernststraße ist ein gutes Parkverbot.

Vater hat Bruder bei den Hausaufgaben geholfen.
Mutter: Du hast ja toll gedichtet, M.!
Vater: Nein, das ist doch furchtbar! Steht doch in der Bibel: Des Menschen Dichten und Trachten ist böse von Jugend auf. Ich hab gedichtet, und V. hat getrachtet, nämlich danach, dass ich dichte.

Ich: Nur, ich wüsste jetzt kein Lied von den Wise Guys, in dem das Wort Duschvorhänge auch nur einmal vorkommt.
Bruder: Doch: Ich zünde meine Duschvorhänge an der falschen Seite an.

Vater: Das find ich cool. Das merken wir uns und erzählen es unseren sukzessiven Schwiegermüttern.

Bruder, Wahrigs Deutsches Wörterbuch stemmend: Aaah, irgend so ’n Band gerissen!

Mutter: V., du machst so einen unterbeschäftigten Eindruck. Vielleicht solltest du mal putzen.
Bruder: Was?! Jetzt spiele ich Schlagzeug, mach ganz viel mit Lego, ich liebe Video, DVD und Fernsehen… und CDs hören und Schallplatten – also, Legomännchen oder irgendwelche Sachen auf das Drehding für Schallplatten zu stellen und drehen zu lassen – und liebe alles mit Feuerwerkskörpern und Benzin anzünden und so, und jetzt soll ich putzen!!! Ach so, vielleicht mit Waschbenzin…

Vater: A., vielen Dank für diese Bücher. Da freu ich mich sehr drüber. Da kommt meine ganze Borniertheit zum Ausdruck, dass ich mich über so was freuen kann.

Vater: A., ich liebe dich immer noch mehr als meine Bücher. Da ist immer noch ein messbarer Abstand.

Bruder: Der Verteidigungsminister läuft bestimmt immer mit Bazooka rum. Oder gibt’s auch einen Angriffsminister?

Tante über Cousin 4: Er saß auf dem Sofa und besprach eine Kiwi, sie möge doch bitte 10.000 € gebären. Später, als ich ihn bat, mir beim Spülen zu helfen, sagte er: Ich kann grad nicht, ich muss die Kiwi ausbrüten!

Tante: Ich hab mir sagen lassen, es gibt auch Albinos, denen man das nicht ansieht – die Haare sind nicht weiß und die Augen auch eher hellblau als rot.
Ich: Ich finde, die haben den Namen Albinos nicht verdient.
Cousin 2: Genau! Das sind so Möchtegern-Albinos!

Bruder, eine Brottüte in den überfüllten Kühlschrank stopfend: O Herr, vergib mir, denn ich weiß nicht, was ich tue! Und gnade denen, die den Kühlschrank als nächstes aufmachen!

Mutter: Sollen wir das Blumenbild hier so mittig hängen?
Ich: Ja, wenn schon spießig, dann richtig.
Mutter: Das Bild ist nicht spießig! Meine Großeltern würden sich im Grabe umdrehen, dass ihre Urenkel das Bild, das sie sich damals als junge Leute, als reformorientierte Wandervögel…
Vater: Ja, A., du musst ja schon zugeben, dass dieses Bild jetzt nicht… in einer Zeit, in der Picasso schon Erfolg hatte, in der Dalí schon seine Pinsel auswusch, in der der blaue Reiter schon fortgeritten war…

Vater, sich Bruders Streichholzskulptur und eine Streichholzschachtel greifend: V., es gibt Künstler, zu deren Werken es gehört, dass sie irgendwann abgefackelt werden.

Mutter: V., bei deiner Konfirmandenprüfung kommen dann vielleicht auch Fragen wie z.B.: Was ist dir in deiner Konfirmandenzeit besonders wichtig gewesen?
Bruder: Mir wäre wichtig gewesen, dass die Blätter viermal gelocht gewesen wären!

Mutter: Ich wollte mal wieder einen farbigeren Schal…
Schwester: …und hast dir einen mausgrauen mit rosa Einsprengseln ausgesucht.
Mutter: Erlaube mal, der ist flammend blau und rot!

Vater, komm Klo kommend: Qui scheißit quoque lüfteat.

Vater: Margarine ist ein Streichfett, kein Hieb- und Stichfett.

Mutter zu Vater über die Blutspendezentrale: Die nehmen dich wahrscheinlich nur noch ob deiner Skurrilität.

Cousin 1, übers Fotohandy gebeugt: Das ist mein Vater im Auto. Das war am selben Tag, als ich erfuhr, dass meine Mutter einen Gymnastikball gekauft hatte.

Cousin 1, sich anschickend, Counterstrike zu spielen: Ist das auf Deutsch oder auf Englisch? Aber wie sagt man so schön, die Sprache der Gewalt ist international.

Freund: Es ist erstaunlich, wie die Erdnüsse den Deckel von innen aufgekriegt haben.
Vater: Es wäre noch erstaunlicher gewesen, wenn sie den Deckel von außen aufgekriegt hätten, wo sie doch in dem Glas waren.

Freund: Darf ich mich mal ganz unverschämt hier hinsetzen?
Vater: Nein, du sollst dich, wie es deine Art ist, verschämt hier hinsetzen.

Vater zum Bruder: V., du bist ein ekelhaft faules Lu… hm-tat-ta-hm-pada-pada… ein Drückeberger bist du, du bist die klassische semantische Füllung des Wortes Drückeberger!

Mutter: Wo ist eigentlich die V.?
Bruder: Die übernachtet bei irgendjeman…der.
Mutter: Sehr beruhigend.

Vater: Als wir den K. und die V. hatten, haben wir gedacht: Eigentlich reichen zwei Kinder, aber so einen kleinen Knecht könnten wir noch gebrauchen.

Mutter: V., wir wollten doch jetzt, solange du noch im Haus bist, den Aspekt Knecht etwas stärker betonen.

Bruder: Okay, ich steh um sieben auf (malt eine riesige 7 auf seine To-do-Liste).
Mutter: Mach doch wenigstens zwei kleine Nüllerchen oben dran, damit du nicht in einer Stunde, wenn ich schon schlafe – das heißt, schlafen will und nicht kann, weil ich ja dann da dran denken muss – dich verzweifelt fragst, was mit 7 gemeint ist.

Mutter: Das Müsli schmeckt heute tatsächlich so wie bei Tante Traude früher.
Bruder: Das liegt daran, dass die Anzahl der Bananenstücke eine Zweierpotenz ist.

Bruder: Hat dein Handy auch einen Taschenrechner? Ah, aber der ist nicht wissenschaftlich.
Schwester: Wieso nicht wissenschaftlich? Deine Mutter ist nicht wissenschaftlich.