Lieblingswörter (4)

Was bisher geschah: Schöne Wörter, Lieblingswörter, Lieblingswörter (2), Lieblingswörter (3).

Jetzt habe ich auch ein chinesisches Lieblingswort: 冰块 (bīngkuài, Eiswürfel). Das klingt ein bisschen wie pink-white und beschwört die Assoziation an eine hippe Bar in Hongkong, deren genialer und liebenswerter Besitzer mit Hilfe einer speziellen Maschine pinke und weiße Schlieren in die Eiswürfel für die Longdrink-Spezialität des Hauses hineinbetriebsgeheimnisst.

Wirr ist in seiner Monomorphemizität und leichten Obsoleszenz ein sehr witziges Adjektiv. Ich bezeichne damit gerne eine besondere Form der Textorganisation, die unerfahrene Schreiber anwenden, wenn sie eigentlich gar nicht wissen, was sie sagen wollen, und daher in zufälliger Reihenfolge Informationsbrocken hintereinanderkleben, bis die bestellte Zeichenzahl erreicht ist.

Fratze: Kultivierenswürdige Metapher für alles Hässliche, besonders alles Desillusionierende: „Frohen Mutes ging er an die Reparatur, doch die Komplexität der Rasenmähermechanik zeigte schon bald ihre Fratze.“

Wenn man ein deutsches Wort bei LEO eingibt und nur für seine drögen technischen Bedeutungen englische Übersetzungen findet, hat man es wahrscheinlich mit einem König unter den Wörtern zu tun. So einer ist Stoßrichtung. Es ist von einer dezenten und nützlichen Nebligkeit, in der Intention, Blickwinkel und eine geheime dritte Bedeutungskomponente tänzerisch um die Vorherrschaft balgen.

Wie bereits dargelegt verwende ich das Wort entfernen bevorzugt als Euphemismus für Akte äußerster physischer Brutalität. Als alltägliches Verb für den Einsatz gegen nutzlose Halbsätze, Flecken oder Codezeilen bietet sich das energische und gründliche tilgen an.

Das grazilste und schönste englische Wort, das mir in letzter Zeit untergekommen ist, ist microcircuitry.

Zum Schluss dieser Folge noch ein drolliges Wort für umfallende Welpen und ungeschickte Menschen: tapsig.

2 Gedanken zu „Lieblingswörter (4)

  1. taabraskifloosok

    Sehr schöne Wöter mal wieder.
    Ich habe seit heute ein neues finnisches Lieblingswort:
    huiluääni, wörtlich „Flötenstimme“ oder „Flötenton“: das Flageolet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.