Mein Bruder schenkte mir einmal einen Animationsfilm. In den Scharnierkantenhohlraum der CD-Hülle hatte er Softair-Munition gelegt, denn er fand, Geschenke müssen rappeln. Tja, wir sind mit Lego aufgewachsen, wie auch O., der neulich zustimmte: „I was always pissed when my presents didn’t rattle appropriately.“ Vor dieser Formulierung möchte ich niederknien.
Tatsächlich verwendete E-Mail-Texte (1)
Quatsch, nicht Freiburg. Freudenstadt. Hab ich Freiburg gesagt? Ich hab Freiburg gesagt. Freudenstadt ist richtig. City of Joys. So.
Ich habe gestern eine sehr interessante Umgebung gefunden, die das Drucken aus Java-Anwendungen heraus ermöglicht. Sie heißt Windows. Grrrrrrr.
Chomsky
Kann es sein, dass Noam Chomsky als Linguist im deutschen Sprachraum [ˈtʃɔmski] ausgesprochen wird, als politischer Publizist dagegen [ˈxɔmski]? Meine Evidenz dafür ist zwar ausgesprochen dünn, denn Zeit-Audio-Sprecher informieren sich prinzipiell nie, wie irgendetwas ausgesprochen wird, und mit einem Politikwissenschaftler habe ich erst einmal über Chomsky gesprochen (gestern). Aber der Gedanke gefällt mir.
Besondere Konjunktionen
Einige Wörter, die im heutigen Deutsch normalerweise nur als Adverbien auftreten, haben in alterthymlichen und sehr formalen Texten eine geheime zweite Identität als unterordnende Konjunktionen:
Ihnen ist es geboten, als Juden zu überleben, ansonsten das jüdische Volk unterginge.
Emil Ludwig Fackenheim, Die gebietende Stimme von AuschwitzDutzende einander duzende medizinstudentinnen zierten sich, sezierte zu siezen, darob der professor wütend befahl, sie sollen sich, bis auf eine, die vorgab, jungfrau zu sein, entfernen und heute ihre häute zu markte tragen.
zeze, Das mädchen mit der hosenscharte(…) elliptisch oder geradlinig vibrirt, je nachdem die Iucidenzen zwischen jenen Grenzen liegen oder nicht.
Jamin, Ueber die Reflexion des Lichts an der Oberfläche von Flüssigkeiten. In: Annalen der Physik und Chemie, Band 165, Nummer S2, S. 269-288 (aus einem Google-Snippet, OCR-Fehler behutsam entfernt).Der Inhaber des genannten Sparbuches wird aufgefordert, seine Rechte innerhalb von drei Monaten unter Vorlage der Sparurkunde geltend zu machen, widrigenfalls die Urkunde für kraftlos erklärt wird.
Amstblatt des Landkreises Roth 25/2002
Pott
Ich komme aus Düsseldorf, das von Ortsfremden häufig „dem Pott“, also dem Kohlenpott, also dem Ruhrgebiet, zugeschlagen wird. Ganz unbegründet ist das nicht – Düsseldorf stößt direkt an des Ruhrgebietes Südkante und war der gleichen Industrialisierungswelle ausgesetzt, die das kohlenreiche Ruhrgebiet zu dem machte, wofür es bekannt ist. Dies allerdings insbesondere auch, was die weißkragigen Aspekte angeht (Verwaltungen von Thyssen, Krupp, Mannesmann, Wirtschaftsverbände, Messen) – man sprach vom „Schreibtisch des Ruhrgebiets“.
Mir gefällt enorm, was das Ruhrgebiet in den letzten Jahren aus sich gemacht hat. Letztens war ich mal wieder im Landschaftspark Duisburg-Nord, bei dem tausend Bilder mehr sagen als ein paar Worte, gestern dann spazierte ich durch Oberhausen, an einer Turbinenhalle und einem Gasometer vorbei, die immer noch so heißen, obwohl dort jetzt abgedancet bzw. Kunst ausgestellt wird. Mein Ziel war diesmal nicht so industriehistorisch angehaucht, es war das Schloss Oberhausen mit der Ausstellung Deix in the City, die Werkschau einer wohl ganz großen Nummer im Malen menschlicher Schwächen.
Mir kommt es so vor: Manfred Deix‘ Karikaturen übertreiben die Realität und schaffen es dabei fast immer, nicht nur die Zustände zu verspotten, sondern auch die, die sich über die Zustände aufregen. Und zwar heftig. Immer hat man das Gefühl „Huch, wen wollte er damit letztlich aufspießen?“ Diese Doppelbödigkeit fand ich beachtlich, ansonsten fand ich’s soso lala, ein Humor, den seine Derbheit nicht immer zu voller Blüte treibt.
Wollte ich also eine Chance haben, am selben Tage noch richtig begeistert zu werden, müsste ich eine weitere Ausstellung besuchen, und ich wählte Radical Advertising im Düsseldorfer NRW-Forum. „Erwarten Sie bitte keine besonders originelle oder aufwändige Werbung“, wurde sinngemäß gewarnt, aber leider erst nach dem Eintritt. „Hier geht es um systemverändernde Werbung.“ Inwiefern die gezeigte Werbung systemverändernd war, erschloss sich mir nicht. Im ersten Teil gab es einzelne Beispiele für Guerilla- und virales Marketing – hier hat es ein Museum schwer, einen besseren Überblick zu verschaffen als z.B. scaryideas oder YouTube. Von einem radikalen Paradigmenwechsel, der der zeitgenössischen Werbung im Geleittext großspurig bescheinigt wird, ist jedenfalls nichts zu sehen. Dafür unterscheiden sich in Haltestellenwände eingelassene Riesensandalen dann doch nicht genug von Plakaten und zieht es nicht weit genuke Kreise, wenn ein Baumarkt sich mal den Spaß erlaubt, einen Netzkult um einen fiktiven Stuntman auszulösen.
Auch im zweiten Teil kein Paradigmenwechsel, jedenfalls kein kontemporärer: Gezeigt wird Schockwerbung (Benetton, natürlich, und Diesel) aus längst vergangenen Jahrzehnten. Mag ja sein, dass das damals systemverändernd war, aber irre ich, oder ist die Ironie in der Werbung eine Randerscheinung geblieben? Als drittes Thema ein bisschen Adbusting.
Insgesamt habe ich mich von diesem Sonntag denn aber doch gut unterhalten gefühlt. :-)
Spendenstichwort
Heute sah ich ein Plakat der Diakonie – mit Spendenkontonummer, Bankleitzahl und Stichwort. Letzteres heißt auf den Formularen meiner Bank allerdings immer noch „Verwendungszweck“, und da nun „Krieg und Vertreibung“ reinschreiben…?
Where Are They Now?
Für mich persönlich war die Matrix-Trilogie der letzte Kontakt mit Keanu Reeves, den Wachowski-Brüdern und der Idee, dass eine elitäre Gruppe von Guten sich über physikalische Gesetze hinwegsetzt. Gestern im Kino, während der Vorschauen, bin ich allen dreien wieder begegnet: Ersterer spielt jetzt einen Cop in Street Kings, die zweiteren beiden bringen demnächst einen unglaublich bonbonfarbenen Film raus und letztere treibt sich bald in einem neuen Film rum, in dessen Trailer am Anfang eine Frau vor einer Zielscheibe steht und der Held um sie herum schießen soll. Der Titel war… kurz. Machte einen interessanten Eindruck.
Tabus
Ein Tabu zu brechen ist schwierig, weil man dafür an einer Quelle des Mainstreams sitzen muss. Abseits dessen gibt es ja kaum noch welche. Vor zwanzig Hanseln auf einer Provinzbühne unter Zuhilfenahme von Hühnerblut zu kopulieren, damit möge mir keiner kommen, das haben schon tausende gemacht. In der Fernsehwerbung ist dagegen noch manches Tabu zu brechen, und eins hat DMAX gerade, wie ich finde, erfolgreich gemeistert:
Frust und Lust mit MonoBook
Kriegt außer mir irgendjemand Darstellungsprobleme dieser Art in der Ubuntu-Ausgabe von Firefox 2? Es ist auffällig, weil ausgerechnet MonoBook, das Standard-Skin der Wikipädie, sie mit der größten Zuverlässigkeit auslöst. Abgesehen von den ekligen Rauten zerfetzt es die schönen Registerreiter:
MonoBook ist aber auch eine monströse Schöpfung. Es ist atemberaubend und desillusionierend, zu was für Tricks gegriffen wurde, um die schöne Verpackung in jedem Browser ähnlich aussehen zu lassen. Vor allem der visuelle Eindruck von Registerreitern ist ganz schön schwarzmagisch herbeigeführt.
Trotzdem wollte ich nicht für die Gesellschaft zur Stärkung der Verben auf den fast jedem aus der Wikipädie vertrauten Look verzichten. Deutlicher kann man „Dies ist ein Wiki, und du kannst edieren“ wahrscheinlich nicht sagen. Und überraschenderweise hab ich heute Nachmittag tatsächlich endlich ein schon mit Firefox, Opera, Konqueror und Internet Explorer 7.0 für Windows erfolgreich getestetes Skin hingekriegt. Das alte funktionierte im Grunde nur mit Firefox. Man beachte die „verbalisierte“ oder, um es stark zu sagen, „verbalisorene“ Reiterbeschriftung, deren volle Pracht sich nur dem Administrator, also mir, erschließt (rechts abgeschnitten: beobachten):
Außer denen freue ich mich kindisch über das nunmehr stilvoll abgedunkelte Rot der Quadrate und den Individualisierungseffekt, den man schon damit erreichen kann, dass man den Buch-Hintergrund an der rechten statt wie bei MonoBook an der linken Bildkante ausrichtet. Langfristig sollen da aber wieder ressortweise wechselnde, etwas farbkräftigere Hintergrundbilder hin. Ist sonst ein bisschen leer rechts.
Der Schirmschuss stammt jetzt übrigens aus Firefox 3, der kurz vor der endgültigen Veröffentlichung steht und auch das unmodifizierte MonoBook richtig anzeigt. Auch sonst ist er cool. Ein lustiges Detail ist, dass die Anzahl der Klicks, um eine Website mit ungültigem Zertifikat aufrufen zu können, von 1 auf 5 erhöht wurde. Ohne erkennbaren Sinn außer dass man gezwungen wird, länger nachzudenken, einfach hier noch ein Dialogfenster, da noch ein DHTML-Dialog, hier noch ein Knopf, den man drücken muss. Damit man auch ja weiß, was man tut.


