Server-Umzug mit MediaWiki

Seit März habe ich auf dem eigenen localhost eine MediaWiki-Installation gestylt, mit Inhalt gefüllt und mit Erweiterungen versehen (Spezialseiten und Parser-Hooks, teilweise selbst zusammengehackt). Jetzt ist das Wiki fast bereit für das Licht der Öffentlichkeit. Daher habe ich es jetzt auf meinen Webserver „migriert“. Davor hatte ich ein bisschen Angst gehabt, es ging aber ganz gut. Zum Glück sind die PHP-Konfigurationen auf beiden Servern ziemlich ähnlich. So war nur Folgendes zu tun:

  • Dateien hochladen
  • Einige aus Faulheit hartkodierte URLs im Style-Skript aktualisieren
  • Datenbank-Tabellen per phpMyAdmin exportieren und importieren – hier musste ich die Riesentabelle mw_text in zwei Teilen hochladen.
  • In LocalSettings.php den $wgScriptPath anpassen. Für das „Wurzelverzeichnis“ einer Domain ist das nicht etwa "/", sondern "".
  • MediaWiki unterstützt die Kommunikation mit der Datenbank in UTF8 bisher nur experimentell und optional. Die Inhalte von Wiki-Seiten werden binär, also als BLOBs gespeichert. Die Seitentitel dagegen werden UTF8-kodiert in Feldern gespeichert, die als latin1_bin gekennzeichnet sind. Das führt – aufgrund einer Fehlfunktion phpMyAdmins? – bei jedem Import/Export dazu, dass die Seitentitel um eine Stufe weiter hieroglyphisiert werden. Aus Menü wird Menü, beim nächsten mal würde daraus etwas mit vier komischen Zeichen, und so weiter. Zwei Lösungen habe ich ausprobiert:
    • Quickfix: Die experimentelle Unterstützung für kodierungsbewusste Kommunikation mit der Datenbank ausschalten (LocalSettings.php: $wgDBmysql5 = false), sodass MediaWiki die Zeichen selbst richtig rechnet. Funktionierte, war aber keine gute Idee, da ich die Unterstützung eigentlich eingeschaltet hatte, um in Erweiterungen UTF8-Strings ohne zeitraubendes Konvertieren aus meinen eigenen Tabellen holen und ausgeben zu können. Meine Erweiterungen produzierten jetzt UTF8-ungültige Strings und übergaben sie dem Parser, worauf dieser mit kommentarloser Arbeitsverweigerung reagierte. Ich habe sehr lange gebraucht, um herauszufinden, wieso meine Spezialseiten plötzlich leer waren. Also schnell wieder $wgDBmysql5 = true und…
    • …in Handarbeit alle Seiten mit Sonderzeichen im Titel „verschieben“. :-(

In der Hoffnung, dass diese Notizen mal jemandem helfen, der vor einer ähnlichen Aufgabe steht.

Aus der Fassung

Es ist ein paar Jahre her, da war ich mit Malik im Kino, und rechts neben uns saß ein Mann, der an unserer Unterhaltung Freude hatte. Malik hatte sich, wie er das damals oft tat, ein radioaktiv blau (oder war es rot?) leuchtendes Eisgetränk gekauft. Ich durfte probieren und rang um Beherrschung angesichts des intensiv chemischen Geschmackes. Dann wurde ich nachdenklich. Zur Erklärung sagte ich: „Ich suche noch nach einer griffigen Metapher, die diesen Geschmack beschreibt… es ist nicht leicht, dieser Intensität mit Worten gerecht zu werden…“ Es kam zu einer weiteren Gesprächspause, und ich platzte heraus mit: „Dieser Geschmack dreht einem die Birne aus der Fassung!“ Woraufhin der Mann rechts neben mir losprustete. Das war peinlich, weil ich selbst daraufhin natürlich in ein Gabelbachergreut geriet. Aber schön war’s schon.

Die Erfindung des Wortes „Tenordidgeridoo“

In den letzten drei Monaten habe ich einen Anfängerkurs im Kendo belegt, einer Zweikampfsportart, die ihre Wurzeln im Schwertkampf der Samurai hat. So sieht es aus (allerdings nicht bei mir, ich habe noch keine Rüstung):

Kendo

Photo by tommrkr

Das Übungsschwert aus Bambus heißt Shinai, und natürlich gibt es spezielle Taschen dafür – schwarz, zum Umhängen, aus Kunststoff. Die Leute, die mich damit im Bus sehen, assoziieren das wahrscheinlich eher mit Musikinstrumenten. Aber welches Instrument ist so lang und dünn? Eine einzelne Orgelpfeife wäre von der Form her denkbar, ergäbe aber wenig Sinn. So sinnend kam ich heute auf „Tenordidgeridoo“.

Mogelausdrücke (1)

In einem für Zeit-Verhältnisse nicht sehr gut geschriebenen Artikel stieß mir heute eine Verwendung des Wortes inzwischen auf, mehrfach kurz hintereinander. Zum Beispiel:

Inzwischen haben professionelle Betrüger das Netz als Einnahmequelle entdeckt.

Ich wittere einen typisch journalistischen Mogelausdruck, der im Zweifelsfall „seit zehn Jahren“ bedeuten kann, aber aktuelle Information suggeriert. Auf die Idee, den Missbrauch des Wortes zu bemängeln, komme ich natürlich nur, weil mir der ganze Artikel nicht mit der erforderlichen Ahnung geschrieben zu sein scheint. Andere Mogelausdrücke, die ich nicht mag, tauchen typischerweise in Unternehmens- und Amtskommunikation auf:

In diesem Fall müssen wir leider eine Bearbeitungsgebühr von 20 € erheben.

Die Installation dieser PHP-Erweiterung ist leider nicht möglich.

Was für ein Unfug – als ob die betreffenden Unternehmen da irgendwelchen Zwängen unterliegen würden! Die wollen die 20 €, um die Kundschaft zu konformerem Verhalten zu erziehen, bzw. sie wollen sich den Stress mit der Installation aus Sicherheits- oder Wirtschaftlichkeitserwägungen nicht machen.

Doch ich bin ein Pharisäer – viel länger ist die Liste der Mogelausdrücke, die ich selbst gerne benutze, wenn ich mich nicht festlegen will oder mehr suggerieren möchte, als ich beweisen kann. „Mal schauen, ob’s jemand merkt“, feixe ich und schreibe:

  • X stellt Y dar – ist X Y, kann X als Y benutzt werden, gibt sich X als Y aus oder wird X als Y wahrgenommen? Es gibt bestimmt noch mehr mögliche Interpretationen.
  • Der Doppelpunkt ist auch so ein Mogelausdruck: Er kann mit praktisch beliebiger Bedeutung gefüllt werden, von denn über daher und zum Beispiel bis hin zu außerdem. Er eignet sich vortrefflich, um kausale Beziehungen zu suggerieren, ohne sich festnageln zu lassen.
  • Es gibt Adverbien, die auf ähnliche Weise Sätze verbinden und die genaue Beziehung im Unklaren lassen. Namentlich kann namentlich vieles bedeuten, nämlich nämlich (denn), als ein Beispiel von vielen, als einziges Beispiel usw.
  • einstweilen ist ein etwas veraltetes und wenig bekanntes Wort, dem wahrscheinlich relativ wenige Menschen sofort anhören, dass sich der damit bezeichnete Zeitraum nach Gusto bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ausdehnen lässt.
  • Wenn kein aber, nur o.Ä. folgt, ist das Wort eigentlich semantisch praktisch leer. Wenn etwas eigentlich so ist, dann ist es in aller Regel so, Punkt. Ein nützliches Zwischending zwischen eigentlich und fast ist das Mogelwort praktisch. Es ist nicht so bestimmt wie eigentlich, klingt aber auch nicht so einschränkend wie fast.

Liedtextverspottung

Du wirst jetzt 25 Jahre alt,
doch alt, das wirst du nie,
denn solange es hier Kinder gibt,
da bist du nicht am Ziel.
Geschichten aus dem Leben,
die wird’s immer wieder geben.
Solange hier die Kinder lachen,
musst du weitermachen.
Das Modul: Gratuliere

Sollte man seine Kinder die „Sendung mit der Maus“ dann lieber nicht gucken lassen? Bei diesem Geburstagsständchen drängt sich ja die Frage auf, was dann eigentlich das Ziel der Maus ist.

Coin operated boy
He may not be real, experienced with girls
But i know he feels like a boy should feel
Dresden Dolls: Coin Operated Boy

So we’re supposed to not feel anything? Nette Ambiguität.

Protokoll eines Scheiterns

Normalerweise bin ich darauf bedacht, Besitzern von Autos, die vornehmlich dazu zu dienen scheinen, Blicke auf sich zu ziehen, die dann als neidvoll interpretiert werden können, diesen Gefallen nicht zu tun. Als ich mir heute dennoch gerne durch das Betrachten eines quietschgelben Mercedes-Sportwagens Lustgewinn verschaffen wollte, beschloss ich, statt der Karosse zunächst einmal die Besitzerin zu fixieren und schnell wegzugucken, falls sie durch Gucken in die entsprechende Richtung von meinem Betrachten Wind zu kriegen drohen würde. Dieser Plan scheiterte auf der ganzen Linie an den dunkel getönten Scheiben des Autos, das, als ich die Umrisse der Fahrerin zu erahnen begann, schon praktisch vorüber war.

Kollation

Ich verwalte mehrere MySQL-Datenbanken, die ich in letzter Zeit nach und nach von der veralteten Zeichenkodierung Latin 1 auf das neue UTF-8 umgestellt habe. Dabei gilt es auch die Kollationen für einzelne Tabellenspalten auszuwählen, das sind Regeln, nach denen Stichwörter bei Bedarf sortiert werden (wie Nachnamen in einem Telefonbuch). Merkwürdig ist, dass MySQL Kollationen für alle möglichen Sprachen kennt, aber nicht für die deutsche; es ist also zum Beispiel utf8_swedish_ci vorhanden, aber kein utf8_german_ci. Zuerst war ich paralysiert von dieser Lücke. Im Web wurde verschiedentlich empfohlen, stattdessen utf8_czech_ci zu verwenden. Warum ausgerechnet die, wurde aber nicht erklärt. Schließlich konnte ich mich doch noch frohen Herzens dazu entschließen, als mir nämlich einfiel, dass ich ein T-Shirt mit der Aufschrift „Schön ist, was tschechisch ist“ besitze und die Verwendung der tschechischen Kollation daher nur konsequent ist.

Im weiteren Sinne ironisch

Mit der nötigen Geistesabwesenheit hätte ich mich eben elektrokutieren können, nämlich, indem ich mit einem leitenden, spitzen Gegenstand das Pappschild „geprüfte Sicherheit“ aus der bereits eingesteckten neuen Mehrfachsteckdose gepult hätte.