Announcement Center

Die Grenzen des depperten Aussehens neu aus lotet, wer eine dünne Notkapuze mit einer verkehrt herum aufgesetzten Baseballmütze fixiert. Eigentlich will ich heute aber über eine neue, leider noch nicht geschaffene Möglichkeit schreiben, Studien zu finanzieren – so etwas Ähnliches wie ein Call Center, aber nicht so entwürdigend.

Die Workforce eines Announcement Centers säße vor Bildschirmen, die mit Informationen von der Leitstelle der Deutschen Bahn gespiesen würden. Nämlich welcher Zug gleich welchen Bahnhof erreicht, welche Anschlüsse dort bestehen und welche Züge leider nicht mehr warten konnten. Dies durchzusagen ist nämlich an und für sich ein guter Dienst am Fahrgast, gerät aber leider zur Qual, wenn es zu leise, zu laut, krächzig, gepresst und in einem völlig bescheuerten, widernatürlichen Tonfall geschieht. Die Workforce eines Announcement Centers hätte gelernt, auf angenehme und professionelle Weise in ein Mikrofon zu sprechen, und täte das dann zentral.

Bücherborde

„What if I WAS just realphabetizing my bookshelf? Is that activity inherently INFERIOR to going on a date with someone?“ (Questionable Content).

Nein, aber einer anderen Tätigkeit ist sie durchaus von Natur aus unterlegen: Dem Spektralisieren des Bücherbordes! Ich pflege meine Bücher seit dem vorletzten Umzug (außer nach Größe) ausschließlich nach der Farbe des Buchrückens anzuordnen und muss sagen, dass das so am ästhetischsten ist. Man muss nicht streng dem Regenbogen folgen, denn es gibt ja auch jede Menge unbunter Buchrücken. Weiße zum Beispiel eignen sich vortrefflich als Übergang zwischen blau und gelb, auf der anderen Seite gelangt man von blau über blauschwarz, schwarz, grau und violett (man spricht ja auch von Schwarzlicht) nach rot und von rot über braun nach grün.

Spektralisiertes Bücherbord

Probleme, die sich von selbst lösen (1)

Wenn sich in einem Regal unter einem Bücherbord ein Schränkchen befindet, baumeln häufig Lesebändchen über die Bordkante, sodass sie theoretisch immer eingeklemmt werden müssten, wenn man das Schränkchen zumacht. Aber nein, denn wen man es nicht völlig schwunglos schließt, wird das Lesebändchen durch den Luftzug genau im rechten Moment nach oben gepustet und so vor Schaden bewahrt. Ist das nicht schön?

Hitler

Amerikaner reden gerne über Hitler. Keine amerikanische Fernsehserie, in der er nicht seinen Auftritt gehabt hätte. „Hitler!“ schallt es von den Wolkenkratzerwänden Manhattans wider. „Hitler!“, muhen die Kühe in Nevada. „Hüüütlååå!“, tutet der Mississippidampfer. „Hitler, Hitler!“, klackern die Kugeln des texanischen Revolverhelden. Das war jetzt ein bisschen übertrieben. Die lautere Wahrheit ist hingegen folgender Dialog aus dem Film Das Netz. Der deutsche Dokumentarfilmer Lutz Dammbeck interviewt einen älteren amerikanischen Gelehrten über Ted Kaczynski, den berüchtigten „Unabomber“, der zwischen 1978 und 1995 Briefbomben verschickte und schließlich ein Manifest wider den technischen Fortschritt veröffentlichte:

  • What do you think about Ted Kaczynski?
  • He’s a madman.
  • But he’s a scientist. He studied maths in Harvard.
  • So what? Hitler was an artist. He studied in Vienna.
  • Did you read his manifesto?
  • You mean Mein Kampf?
  • No, I mean the Unabomber manifesto.

Theaternotizen

Heute erblicken zwei alte Notizzettel das Licht der Öffentlichkeit, die ich während meiner Zeit in der Schultheatergruppe Quindecim angefertigt habe. Die Notizzettel, nicht die Öffentlichkeit. Durch unsere regelmäßige Teilnahme an einem Schultheaterfestival und der damit verbundenen Notwendigkeit, Texte fürs Programmheft einzureichen, gerieten wir immer wieder in das Spannungsfeld zwischen informativen Inhaltsangaben und Texten mit eigener künstlerischer Identität. Erstere zu produzieren fiel uns leicht und schien uns sinnvoll, letztere wünschten die Organisatoren des Festivals, egal wie absurd. Angesichts ihrer Wünsche schrieb ich mir die Memo:

Programmtext evtl. verdüstern, Mythemdichtung, Dadismus, so ne Scherze

Was die Gestaltung des eigentlichen Stücks betraf, in diesem Fall Die letzte Welt, beschäftigte uns eine Zeit lang die Frage, wie wir den Unterschied zwischen den Schauplätzen Rom und Tomi auf der Bühne deutlich machen sollten. Eine wegen der Vielzahl der aufgeworfenen Probleme letztlich nicht realisierte Lösung wäre gewesen, für den Schauplatz Rom eine eigene Bühne auf der anderen Seite der Zuschauerränge einzurichten. Hier das Hirngestürm dazu:

IDEE: Was in Rom spielt: hinten spielen; zw. 1.2 und 1.3 Stühle umdrehen; vorher nach hinten - nicht verhaken; Platz für Ameisen?; Licht?; genug Stühle?; Schlurfen auf dem Teppichboden vs. PVC? Wie klingt das?; Platzreservierungen? (Erste Reihe = letzte Reihe): Reihen nummerieren, Leute trösten? Professionellen Seelsorger engagieren?

Family Guy

Am Anfang der Family-Guy-Folge Untitled Griffin Family History beleidigt Peter Griffin meinen Filmgeschmack, indem er The Butterfly Effect so furchtbar findet, dass er sich einen Panikraum baut, um sich vor dem Film zu verkriechen. Am Ende der Folge macht er es aber wieder gut, indem er – als letztes Geständnis vor dem scheinbar nahen Tode – seiner heftig protestierenden – „It’s just the perfect movie!“ – Familie gesteht, dass er Der Pate nie gemocht hat. Richtig so!

Kronloyal

Eine verbesserte Version dieses Artikels findet sich unter Kronloyal (Remastered).

Aus dramaturgischen Gründen geänderte Reihenfolge: unpolitisch – Kommunist – sehr links – grün – links – Mitte links – liberal – Mitte rechts – rechts – konservativ – kronloyal – auf dieser Skala kann man beim StudiVZ für sein Profil seine politische Richtung angeben. Mit der Wortschöpfung „kronloyal“ ist dem StudiVZ, wahrscheinlich unbeabsichtigt beim Juxen – es kokettierte in seiner Anfangszeit spaßeshalber und zu meinem Vergnügen auch mit Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit – ein erstklassiger Schnappschuss vom Zeitgeist gelungen. Viele Studenten scheinen sich dieses Prädikat mit Begeisterung an die Brust zu heften. Kronen, also feudale Insignien, zieren Gesäßtaschen und Tops von Jugendlichen. Jugendliche bitten darum, an die Kandare genommen zu werden, und die Zahl der Pädagogen, die bereit sind, das zu tun, wächst. Diese sind dann „modern“. Es läuft unter Schlagwörtern wie „Disziplin“ und „Manieren sind wieder ‚in'“. Viel einfacher, als in Eigenverantwortung dafür zu sorgen, ein guter Mensch zu sein, ist es, sich Autoritäten zu unterwerfen. Dass Problem, dass das uncool sein könnte, hat sich erledigt, wenn die Elterngeneration (nicht notwendigerweise die eigenen Eltern) als im Großen und Ganzen liberal wahrgenommen wird. Es ist somit der reinste Lehrerschreck und auch verdammt schick, noch konservativer zu sein als konservativ – „kronloyal“ ist ein fantastisches Wort.

Nun wäre es, wenn sich einer als konservativ bezeichnet, als Selbsteinschätzung legitim – zu sagen: „Meine Ansichten tendieren oftmals zum Hergebrachten.“ Wie man sich den Begriff jedoch auf die Fahnen schreiben kann, habe ich nie begriffen. Was sagt er eigentlich aus? Ich verstehe darunter die Grundhaltung, am Bestehenden festzuhalten. In meinen Augen versucht das, Faulheit in ein politisches Bekenntnis umzudeuten. Ein politisches Bekenntnis, das niemand braucht, weil Faulheit einschließlich Denkfaulheit und Lernfaulheit schon aufgrund der Knappheit von Energie und Zeit ohnehin eine Haupttriebfeder menschlichen Tuns und vor allem Lassens ist. So genannte Konservative sind in der Praxis meist treffender als Wirtschaftsliberale, Religiöse und/oder Autoritäre zu beschreiben. Das sind zeitlose Eigenschaften. Wer jedoch Faulheit, Abneigung gegen Änderungen und die menschliche Eigenart, die Douglas Adams so schön auf die Formel brachte, alles, was es gebe, wenn wir geboren würden, sei selbstverständlicher Teil der Welt, alles, was erfunden werde, bevor wir dreißig seien, sei aufregend und toll und wir könnten darin Karriere machen, und alles, was danach erfunden werde, verstoße gegen die natürliche Ordnung des Kosmos, so vollkommen und möglicherweise mit nach unten verschobener Altersgrenze zum gleichnamigen Starrsinn verkörpert, dessen Lieblingswort ist „bewährt“. So Prof. Dr. Ch. Meier, Hohenschäftlarn, in einem Essay für Beibehaltung und Wiedereinführung der „bewährten Rechtschreibung“, der übrigens auch sonst durch bemerkenswert schlechte Argumente heraussticht. „Bewährt“, das ist als Argument zugunsten des Älteren niemals haltbar. Wenn etwas bewährt ist, also seit langer Zeit erfolgreich im Einsatz, ist das ein Indikator für seine Qualität. Aber um das Alte und das Herausfordernde fair zu vergleichen, muss man die harten und objektiven Qualitäten beider in die Waagschalen legen, und ein Indikator ist ebensowenig eine harte und objektive Qualität wie ein Ruf oder ein Trend.

Web-Ikone

Was hat das Siegburger Café des Arts Google Maps gezahlt, um dort per Beispieladresse exklusiv beworben zu werden? Bemerkenswert: 1986 wurde ich am 1.5. um 1:51 Uhr etwa 300 m Luftlinie von dieser Adresse entfernt geboren. In der Nähe befindet sich außerdem eine Boutique, die in ihrem Namen einen hochgestellten Schrägstrich als (natürlich falschen) Apostroph verwendet.