Bloodhound Gang vs. Achim Reichel – Aloha D

Am ersten Weihnachtsfeiertag hatten wir es von Mashups. Meine Generation musste der Vorgängergeneration erklären, was das ist. Als Beispiel berichtete ich von The Bad Touch von der Bloodhound Gang und Aloha Heja He von Achim Reichel, zweier Lieder, deren Vermählung mir schon 2005 zwingend erschienen war. In einem Paralleluniversum mit einem liberaleren Urheberrecht hätte ich diese selbst in Cool Edit Pro zusammengeklickt und ins Internet hochgeladen. In diesem Universum hat irgendjemand ganz anderes dies getan:

Bloodhound Gang vs. Achim Reichel – Aloha D by Kafid on Mixcloud

Todes-Sprüche und andere Grenzen freien Informationsflusses

Ich bin schon lange ein Fan freien Informationsflusses. Mein junges Ich war davon überzeugt, zu einem rational agent aufzuwachsen, der stets alle verfügbaren Informationen beschaffen, die irrelevanten beiseitelassen auf Basis des Restes informierte Entscheidungen treffen würde. Ungehindert sich informieren und umgekehrt Informationen hinausposaunen zu dürfen war mir immer wichtig, und ebenso, dies auch anderen Menschen zu erlauben.

Maßnahmen, die geeignet sind, dem freien Informationsfluss Barrieren entgegenzusetzen, hatten daher stets die starke Tendenz, mir niederträchtig, nicht ganz von dieser Welt und unheimlich zu erscheinen. Solche Maßnahmen sind zum Beispiel:

  • Todes-Sprüche, Todes-Videos etc. Mein oben erwähntes junges Ich stieß einmal in einem Fantasy-Rollenspiel auf einen Zettel und lies seinen Held ihn lesen. Dieser erkrankte daraufhin tödlich. Es handelte sich um einen tödlichen Zauberspruch, der noch nicht einmal durch einen Zauberer gesprochen oder mit Gesten untermalt werden, sondern nur durch das Opfer gelesen werden musste, um seine Wirkung zu entfalten. Man konnte also noch nicht einmal Kenntnis von dem Spruch erlangen, ohne zu sterben. Mein junges Ich war ehrlich gesagt etwas geschockt, dass ein Autor sich so etwas auch nur ausdenken konnte. Aber es war natürlich nur Fantasy. Von dem Horror-Film Ring, in dem ein entsprechendes Todes-Video vorkommt, fühlte sich mein junges Ich einige Jahre später entsprechend gut gegruselt und unterhalten.
  • Auch Digital Rights Management (DRM) müsste eigentlich dem Bereich des Fantasy-Horrors zuzuordnen sein, ist aber leider real. Kopierschutzmaßnahmen, die versuchen, einen daran zu hindern, Informationen (in Form von Bitsequenzen z.B. auf CDs und DVDs) frei zwischen allen Teilen des eigenen Gehirns, einschließlich seiner elektronischen Erweiterungen, fließen zu lassen – nicht ganz von dieser Welt!
  • Auch Geheimhaltungsvorschriften, insbesondere strafbewehrte, sind mit „schwarze Magie“ noch freundlich beschrieben. Meine Sympathie für eine Institution nimmt exponenziell ab mit der Menge an Aktivitäten, die der Institution zufolge dem Wohle der Allgemeinheit dienen und aber gleichzeitig vor der Allgemeinheit geheimgehalten werden müssen, um diesen Dienst leisten zu können. Neunzehnhundertvierundachtziger geht es nicht. Abgesehen von den oben geschilderten Todes-Sprüchen kann ich mir so gut wie gar keine Informationen vorstellen, deren allgemeine Verfügbarkeit inhärent schädlich wäre. Eher ist Geheimhaltung von Informationen bestenfalls ein zeitlich begrenzter Hack zur Linderung der Auswirkungen anderer gesellschaftlicher Missstände. Entsprechend oft nickend verfolge ich die Veröffentlichungen der Post-Privacy-Bewegung, etwa in deren Inkarnation als datenschutzkritische Spackeria.
  • Die Ächtung von so genannten „Spoilern“: Weit verbreitet ist die Auffassung, man dürfe den Ausgang von Büchern, Filmen etc. nicht verraten, ohne dick und fett davor zu warnen und es möglichst einfach zu machen, über die Information hinwegzuscrollen wie über einen Todes-Spruch. Ich fand das immer befremdlich, denn für meinen eigenen Genuss von Filmen, Büchern etc. spielt es eine exzessiv geringe Rolle, ob ich schon weiß, wie es ausgeht. Aber das gehört so zu den schrulligen Tabus, an die man sich noch ganz gut anpassen kann.
  • Als Freund des freien Informationsflusses mag ich natürlich auch das Konzept der Filtersouveränität und es entlockt mir relativ schnell Kopfschütteln, wenn jemand die Auffassung kommuniziert, ein Mitglied einer Teilöffentlichkeit sei dafür verantwortlich, unerwünschte Informationen aus der Wahrnehmungssphäre eines anderen Mitglieds herauszuhalten. Zum Beispiel, wenn sich auf Twitter Leute darüber aufregen, dass andere ihnen unerfreuliche Tweets in die Timeline „spülen“. Oder wenn im Jahre fucking 2013 Leute noch routinemäßig öffentliche Bekanntmachungen mit „Apologies for cross-posting“ einleiten. Ich sage, dass es mir relativ schnell Kopfschütteln entlockt, nicht, dass ich es generell ablehne, denn, wie sanczny in ihrem Aufsatz Das Postprivate ist politisch, insbesondere im Abschnitt Too Much Information, darlegt, sollte es nicht allein Verantwortung der empfangenden Partei sein, unerwünschte Kommunikation abzuwehren. ich bin daher für einen Pluralismus der Teilöffentlichkeiten, der die Filtersouveränität um Verantwortung für der jeweiligen Teilöffentlichkeit angemessenes Senden ergänzt.
  • Relativ kürzlich ist meinem jetzigen, abgeklärteren Ich noch eine Kategorie von Anti-Informationsfluss-Attitüden aufgefallen, die also auch in diese Auflistung gehört: Wenn man zum Beispiel lieber nicht so genau wissen will, welche Krankheitsrisiken sich so in der eigenen DNA verbergen, oder was Mitmenschen über einen denken, ohne es einem zu sagen. Da weiß ich auch nicht: Würde ich diese Informationen, wenn ich sie hätte, in dem Maße ignorieren können, wie ich mich nicht mit ihnen beschäftigen wollte? Kann ich ihren freien Fluss also wollen?

Die Eta-Zeta-Methode

Am 26. Oktober 2012 sah ich kurz vor dem Schlafengehen in meinem Feedreader noch eine neue XKCD-Folge mit dem Titel Epsilon and Zeta. Sie hatte sehr viel Text und auf den ersten Blick hatte ich keine Ahnung, worum es ging, also als ungelesen behalten und in die Heia.

Krass, was mein Unterbewusstsein im Traum daraus machte.

Ich war bei einem Seelenklempner, dem ich im Rahmen einer neuen, experimentellen Therapieform Zugriff auf alle meine persönlichen Daten, insbesondere elektronische Post, gegeben hatte (Google, anyone?). Nun kriegte ich von ihm die Hausaufgabe, zwei Bekannten, mit denen ich normalerweise nicht viel Kontakt habe, zu schreiben, und mir ihnen gegenüber alles von der Seele zu reden. Er nannte das die Eta-Zeta-Methode (da hat mein Unterbewusstsein einen der griechischen Buchstaben verwechselt). Bei der werden die zu Kontaktierenden anscheinend nach der Ähnlichkeit ihrer Vornamen zu Eta und Zeta ausgesucht. Jedenfalls hatte ich meine Cousine Esther und meine frühere Kollegin Sveta zu kontaktieren.

Lieblingswörter (10)

Was bisher geschah: Schöne WörterLieblingswörterLieblingswörter (2)Lieblingswörter (3)Lieblingswörter (4)Lieblingswörter (5)Lieblingswörter (6)Lieblingswörter (7), Lieblingswörter (8), Lieblingswörter (9).

Satan ist ein wunderbares Wort fürs Gemüt, denn es wirkt direkt aufs Zwerchfell. Das hat vermutlich etwas mit Tabus zu tun. Sein Effekt kommt zum Beispiel zum Tragen, wenn Max Goldt sich Begründungen für Benjamin von Stuckrad-Barres Marburger Rotweinwurf ausdenkt: «Satan hat mir befohlen, den ‹Kollegen Goldt› zu töten.» Oder wenn Gernot Hassknecht sich über Stromkonzerne aufregt: «Statt ihrem Gott, also Satan, auf Knien zu danken, dass sie noch nicht enteignet wurden, erfinden die Typen jetzt kackdreist drohende Blackouts.»

Kann eins also mit gekonnter Benutzung dieses Wortes angenehme Gemütszustände hervorrufen, so kann eins dies auch tun, indem es Gemütszuständen mit den richtigen Wörtern Ausdruck verleiht. Wenn eins etwa anmeldet, auf etwas erpicht zu sein, zugibt, angesichts einer Nachricht frohlockt zu haben, oder etwas grässlich zu finden, wenn eins ankündigt, Dinge, die einen stören, unnachsichtig wegjäten zu wollen, oder wenn eins, etwa im Studienstress und übernächtigt, gefragt, was es da mache, schlicht antwortet: „Übersprungshandlung.“ Ist doch eine anarchische Draufseiweise noch viel schöner, wenn eins sie mit einem schön bildhaften Fachterminus selbstanalysierend garnieren kann.

Sehr gern verwende ich auch das Wort Mußestunde, das seine Vokale so schön wiederholt und dadurch Ruhe ausdrückt (zu Muße siehe Lieblingswörter (2)).

Versatile Vehikel

In dem Jugendbuch Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt reisen der siebenjährige Erfinder Tobbi und der Roboter Robbi in einem „universalen Fortbewegungsmittel“ durch die Welt, das wie ein Auto fahren, wie ein Boot schwimmen und wie ein Hubschrauber fliegen kann. Das sind natürlich noch lange nicht alle möglichen Arten der Fortbewegung. Warum gab es zum Beispiel nie eine Fortsetzung mit einem Gefährt, das tauchen kann wie ein U-Boot, auf Schnee und Eis gleiten wie ein Schlitten und sich durch Gestein bohren wie verschiedene Science-Fiction-Vehikel? Und damit sind weitere Bereiche wie Schienen oder der Weltraum noch nicht einmal berührt. Was nicht ist, kann ja noch werden. Hier ist schon mal eine Skizze:

ufm

Don’t ban academic whisteblowing

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Academic freedom in Germany is in acute danger. As soon as tomorrow, the Deutsche Forschungsgemeinschaft, a very important funding agency, is going to vote on a proposal that would make whistleblowing on academic misconduct a sanctionable offense. Universities would be forced to implement this rule at the risk of losing their funding. Under such a rule, to name an example, Andreas Fischer-Lescano, who in a review article in 2011 first pointed out that large parts of defense minister Karl-Theodor zu Guttenberg’s doctoral thesis were plagiarized, would have faced disciplinary measures – just for making his findings public, which is what research is all about. The proposed rule, whose exact wording is being kept secret, seems to be an alarming attempt to silence academic whistleblowers and protect those who have something to fear from public discourse about their academic conduct. This is a direct attack on academic freedom, one of our precious safeguards against authoritarianism. I consider it of utmost importance to stop this measure, or at least make our protest heard clearly.

For more details, this blog post has an excellent list of articles (some German, some English).

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