Werbeagentur

Und dann war da noch die Werbeagentur, die das erfolgreiche Startup-Unternehmen als Kunden wollte. „Wenn unsere Konkurrenz behauptet, sie sei auf Internet-Firmen wie Ihre spezialisiert“, sagte der Vertreter, „dann kann ich nur lachen. Ihr Konzept ist neu und anders als alles bisher da Gewesene – da wird denen all ihre Dotcom-Erfahrung auch nichts bringen. Nehmen Sie uns! Wir sind spezialisiert auf Novitäten!“

Visitenkarten

Und dann war da noch der superschnelle Drucker für Visitenkarten, der die Karten nur so in die Luft schleuderte, dass sie durch den Raum schneiten. „Die hundertste Karte“, warb der Hersteller, „ist gedruckt, bevor die erste den Boden berührt.“

Heilige Sprache

Und dann war da noch die heilige Sprache, die so kehlige Konsonanten verwendete, dass sie nur von den Zen-Mönchen vom Zu Han nach jahrelangem spirituellen Training zur Unterdrückung des Würgereizes gesprochen werden konnte.

Aufzug

Und dann war da noch das Mädchen, das den Aufzug anforderte. Sie wollte nach unten fahren, drückte aber aus Versehen den Knopf nach oben und holte den korrekten Druck dann nach, sodass nun beide Knöpfe leuchteten. Ein anderer Mensch trat hinzu und sprach: „Also, mein Computer stürzt immer ab, wenn ich zu viele Tasten gleichzeitig drücke. Hoffen wir, dass nun nicht der Aufzug abstürzt.“

Rundgang durch die Kunstakademie. Stream of consciousness

Hoppla, ist das nicht Herr M.? Na, besser nicht ansprechen. Ich würde länger brauchen, um zu erklären, wer ich bin, als wir uns was zu sagen hätten. Gut, er geht in eine andere Richtung. Aber ich bin gewarnt. Bestimmt werde ich hier noch jemanden treffen, den ich wirklich kenne. Bin mal gespannt, wen. Heiligemariamuttergottes, der Stieleke! Den sprech ich auch nicht an. Ah nee, er ist es gar nicht. Was ist denn das hier, da hat jemand eine Art Netz aus an zwei Seiten aufgeschlitzten Fensterumschlägen gewoben. Wie ideesam und schön! Sind viele von ING dabei, wahrscheinlich selbst empfangen und gesammelt. Eigentlich schade, dass ich nicht auch was Künstlerisches studiere – das bietet so viele Möglichkeiten, im Alltag seiner Kreativität zuzuarbeiten. Und diese hohen Ateliers – toll! Was haben wir denn hier *reinlatsch*, vier Holzbalken als Rauminstallation. Mist, da sitzt ja die Künstlerin am Eingang. Gleich, wenn ich mich umdrehe, darf ich kein zu abschätziges Gesicht machen. Und nicht zu schnell gehen. Wobei, das ist ja lächerlich jetzt, was schreite ich so bedächtig, hier gibt es ja wirklich nichts zu sehen. Ach so, das waren Kunstwerke von vier verschiedenen Kunststudenten hier drin! Na klar, für eine Person wäre es auch ein bisschen viel gewesen. Trägt ja auch jeder Holzbalken seine eigene unverwechselbare Handschrift. Haha. Im nächsten Raum beim Reinkommen auch zunächst Plunder, aber das hier, das ist ja geil, das spricht sofort zu mir: Eine mittelgroße einstellige Anzahl von Holzstühlen, zersägt und dysfunktional, aber formschön neu zusammengesetzt. Eine Etage drüber wird es richtig, richtig geil – eine Installation aus geschundenen, ihrer Natur beraubten Kreaturen. So eine gut gemachte Darstellung der totalen Perversion des Lebens habe ich ja lange nicht mehr gesehen. Der Erschaffer des Ganzen, das mutierte Skelett da, das da Frankenstein spielt und gerade ein so übel zugerichtetes Kleintier seziert – woraus ist das wohl modelliert -, dass die Art nicht mehr zu erkennen ist, ist die vermonstertste Kreatur von allen. Und das mit so einfachen Mitteln wie Staubsaugern und Schaufensterpuppen. Hier der Kerl da vorne, der PU-Schaum sieht aus wie Kotze oder wie rausrinnende Gehirnmasse. Und wie alles laborhaft und doch extrem schmuddelig wirkt – der speckige Teppich, die Geräte an den Wänden, der Erlenmeyerkolben neben dem ungespülten Rotweinglas. Sehr gut gemacht! David Wagner heißt der Künstler, leider schüchtern, hat keine Handynummer auf die Kontaktliste am Eingang geschrieben, nur eine E-Mail-Adresse, die man nicht lesen kann und die er sich mit seinen Eltern zu teilen scheint. So weit von meiner Lebenswirklichkeit entfernt. Aber wonach sollte ich ihn auch fragen – nach dem Preis des Kunstwerks? Vor dem nächsten Raum werden T-Shirts mit „I love my cunt“ verkauft. Gibt es drinnen also wieder Vulvalkunst (wie eben unten schon)? Nein, alle gemalten Menschen angezogen… doch, eine Zeichnung in der Ecke! Zwei fiese volksrepublikanische Funktionäre scheinen den Preis einer schwebenden Nackten auszuhandeln. Ich habe noch keine einzige Visitenkarte gesehen, dabei stand doch in der Zeitung, die jungen Künstler wollten vor allem mit Galeristen in Kontakt kommen. Ist aber nicht, die sind schon müde, sitzen im Gang, hören laut Musik, trinken und lachen. Im allerletzten Raum, den ich betrete, dann der einzige, der ungefragt seine Bilder zu erklären beginnt. Personalunion mit dem erwarteten unerwarteten Wiedersehen – Christoph erkannte mich gleich als Görresianer; hatte keine Ahnung, dass der an der Kunstakademie ist. Vierter Stock – die architektonische Entwicklung Düsseldorfs der letzten Jahrzehnte hat es mit niemandem so gut gemeint wie mit denen, die hier arbeiten. Die Landesversicherungsanstalt hat, von hier aus in der Dunkelheit gesehen, eine Zwiebelkuppel.

Google Müllsuche

Wie wir alle wissen, ist es Googles größter Wunsch, das Wissen der Menschheit frei verfügbar zu machen. Die Buchsuche kann da erst der erste Schritt sein. Im kalifornischen Mountain View denkt man bereits weiter: Künftig will Google in den Ländern, in denen der Papiermüll getrennt wird, diesen vor der Wiederverwertung einscannen und online stellen. Schließlich stellen sich manchmal die Ideen, die von ihren Urhebern weggeworfen werden, als die besten heraus. Und Schriftstücke, die für den einen nicht mehr interessant sind, können für den anderen einen großen Wert haben. Projektleiter Dave Brick gibt sich visionär: „Die Art und Weise, wie Informationen und Ideen an die Öffentlichkeit geraten, wird sich grundlegend ändern. Wir stehen vor einem Durchbruch, was das Wissenspotenzial der Menschheit betrifft. Information wird nicht mehr einfach so weggeworfen werden können – stattdessen entscheidet sich an der Öffentlichkeit des Internets, was trägt und bleibt.“ Zu technischen Details wollte Brick sich nicht äußern. Bleibt zu hoffen, dass die Welt ihren Müll auch weiterhin so säuberlich trennt, dass Googles Scanner sich nicht daran verschlucken.

Batz! Schrumm! Kläng!

Nichts ist so lustig wie das Zerdreschen von Musikinstrumenten. Jedenfalls wenn es gut sound-engineert ist. Ein schönes Beispiel ist, wie Steve in Choosy Wives Choose Smith ein Cello als Waffe gegen eine Katze einsetzt. Auch schön: Der sprichwörtliche Konzertflügel, der einem immer dann auf den Kopf fällt, wenn man jede Vorsichtsmaßnahme getroffen und seinem Glück auf alle erdenklichen Weisen auf die Sprünge geholfen hat. Einen Film, in dem gleich ein komplettes Instrumentengeschäft explodiert, habe ich bisher noch nicht gesehen. Gibt es aber bestimmt. Pointers welcome.

Ersatzinfinitiv, Bewegung, Koordination

Beim Schreiben meines Auslandssemestererfahrungsberichts für meinen Sponsor, die Landesstiftung Baden-Württemberg, stolperte ich heute, als ich versuchte, in einem Verbletztsatz einen Ersatzinfinitv (müssen) und ein normales Partizip II (gelinst) zu koordinieren. Letzteres sehen wir in (1) in natürlicher Umgebung, einem normalen Verbletztsatz. Das Perfekt des Modalverbs müssen wird nicht mit normalem Partizip II, sondern mit Ersatzinfinitv gebildet, wie wir in (2) sehen. Allerdings will zumindest mein Sprachgefühl, dass das Hilfsverb hätte sich dann an den Anfang des Verbalkomplexes bewegt (3). Dasselbe mit (1) zu machen ergibt allerdings Murx, jedenfalls im Hochdeutschen (4). Im einen Fall muss hätte sich also bewegen, im anderen darf es nicht. Wenn man jetzt die beiden Phrasen mit den Master-1-Kursen vorlieb nehmen müssen und möglicherweise neidisch über den Rhein gelinst mit und koordiniert, führt das zum Konflikt. Bewegt man hätte nicht, klingt es für mich komisch (5). Bewegt man es, klingt es sehr komisch (6). Ein unauflösbares Dilemma? Ich bin ihm ausgewichen, indem ich den Satz zu einem Verbzweitsatz umbaute (7).

(1)    dass ich möglicherweise neidisch über den Rhein gelinst hätte
(2) ?? dass ich mit den Master-1-Kursen vorlieb nehmen müssen hätte
(3)    dass ich mit den Master-1-Kursen hätte vorlieb nehmen müssen
(4)  * dass ich möglicherweise neidisch hätte über den Rhein gelinst
(5)  ? dass ich mit den Master-1-Kursen vorlieb nehmen müssen und möglicherweise
       neidisch über den Rhein gelinst hätte
(6) ?? dass ich mit den Master-1-Kursen hätte vorlieb nehmen müssen und
       möglicherweise neidisch über den Rhein gelinst
(7)    ich hätte mit den Master-1-Kursen vorlieb nehmen müssen und
       möglicherweise neidisch über den Rhein gelinst