Adel

Ich weiß nicht, wie S. damals in der zehnten Klasse darauf kam, die Stufendumpfbacke, die als besonderes Kennzeichen einen Grafentitel, fünf Vornamen und die einschlägigen Präpositionen im Nachnamen trug, ausgerechnet als „Bauer“ zu beschimpfen. Deren Reaktion jedoch war bezeichnend: Packte seinen Personalausweis aus und präsentierte mit ätzender Gebärde eben Genanntes. Tiefer kann Adel nicht sinken.

Amok

Ich habe gehört, dass an Schulen jetzt Amokläufe geprobt werden. Es gibt ein Codewort, das nur dem Kollegium bekannt ist und nach einer Probe bzw. einem Amoklauf ausgewechselt wird, zum Beispiel der Name eines verstorbenen Hausmeisters. Wird dieses über die Lautsprecheranlage durchgesagt, muss jede Lehrkraft die Klassenzimmertür abschließen und die Klasse in der Ecke hinter der Tür versammeln, damit, wenn der Amokläufer die Tür eintritt, er niemanden in der Schusslinie hat und eventuell von hinten überwältigt werden kann. Um den Überraschungseffekt zu steigern, könnte man natürlich vor den Proben die melancholischen Außenseiter des Raumes verweisen, dies scheint jedoch nicht üblich zu sein.

Rrrr!

Nina Hagen hat mit Apocalyptica Rammsteins Seemann gecovert. Wie einer meiner guten Linguistenfreunde bemerkte, geht sie dabei auch phonetisch über Rammstein hinaus, deren Markenzeichen der stimmhafte alveolare Vibrant ist, und bringt eine Vielfalt von Aussprachen des R unter. Normalerweise wird im Deutschen nach Vokal auch das R vokalisiert, dies tut Hagen in 8 von 24 Fällen. Bleiben 16 postvokale R’s und 5 nicht postvokale R’s, die in dem Lied auch noch vorkommen. Darunter zähle ich zwei stimmhafte uvulare Frikative (standarddeutsch), vier stimmhafte uvulare Vibranten (standardfranzösisch) und 15 klassisch Rammstein’sche stimmhafte alveolare Vibranten, von denen wiederum drei zaghaft kurz daherkommen, acht schon deutlich mehrschlägig sind und vier genüsslichst ausgerollt werden. Und überhaupt ist das Lied gnadenlos gut.

Erfindungen

Weihnachten. Ich bin in den Schoß der Familie zurückgekehrt und bewundere deren Erfindungen. Mein Bruder hat eine Maschine gebaut, die das erste Level von Snake mit einer Brute-Force-Strategie durchzockt, und mein Vater hat das Problem des dreiwipfligen Weihnachtsbaumes („Wo soll nun der Stern hin?“) kreativ gelöst.

Snake-Zock-Maschine  Christbaumstern

Abkürzungen

Zur allgemeinen Belustigung habe ich einige typische Namen linguistischer Projekte, Korpora, Formate, Systeme, und (behold!) Architekturen zusammengestellt. Das sind alles Abkürzungen.

ALE
ATLAS
COBALT
COCONUT
COGENT

CoMa
DAISY
DRAMA
EAGLES
EGYPT
Falko
GATE
GENAU
GrAF
HIAT
ISLE
MATE
MiLCA
NEGRA
NITE
PALinKA
PTOLEMAIOS
SABLE
SALSA
SLAM
SNACK
SUMO
SUSANNE
TASX
TiGer
TRAINS
TRALE
TRIPS
TULiPA
TUNA
TUSNELDA

Zwischen den Blättern

Wenn Wörter die Blätter eines syntaktischen Baumes sind, wie heißen dann die Leerzeichen, Kommata etc. dazwischen, die nicht Teil des Baumes sind? Ich kenne keinen gebräuchlichen Begriff dafür, hätte aber gerne einen schön bildhaften Namen zur Verwendung in dem XSLT-Stylesheet, das ich gerade schreibe.

Befragen wir also die reale Welt. Was gibt es zwischen Blättern außer Luft? Ich habe mal nach „between leaves“ OR „between the leaves“ gegugelt. Aus den ersten beiden Trefferseiten lassen sich folgende Vorschläge für den gesuchten Begriff entnehmen:

  • sunshine
  • eating
  • lizard
  • fairy
  • thorns

Bingo, Volltreffer! Die thorns (Dornen) machen das Rennen. Linguisten aller Welt, schreibt euch das bitte auf eure Vokabelkärtchen.

Wörter wie connection, distinction, difference, interaction, correlation, exchange, link, to distribute usw., die between-Präpositionalphrasen als Argumente haben, sind natürlich schon in der Vorentscheidung aussortiert worden.

Phonetik

Ich sitze gerade in einer Bibliothek und verfolge in einem Internet-Forum eine Diskussion um die Aussprache diverser Konsonanten. So etwas geht unweigerlich mit Selbstausprobieren einher. Möchte nicht wissen, was die anderen Bibliotheksbenutzer von mir denken…

Master of Bakery Sales

Heute muss ja jede Brötchenverkäuferin MINDESTENS Abitur haben, wenn nicht ’nen Magister!
Herr Zielke

Und folgende Punkte sollten UNBEDINGT Pflichtprüfungsthemen sein:

  • Tüten für geschnitten Brot sind nur locker zuzuknoten, sonst fummelt sich der Kunde hinterher einen ab.
  • Aufkleber gehören nicht auf Brote. Als ich in der ersten Klasse war, war das Sammeln von Aufklebern in „Sticker-Alben“ eine Lieblingsbeschäftigung meiner Generation. Würde eine Brötchenverkäuferin einen Laib Brot als Sticker-Album benutzen, würde man sie hurtig dem Brotkontakt entziehen. Trotzdem habe ich dieses Jahr schon mehrere Brote gekauft, die mit der Aufschrift „BIO“ beklebt waren. So richtig toll ablösen ließen die sich auch nicht, vor allem nicht, wenn sie schon das Vergnügen mit der Brotschneidemaschine gehabt hatten.