- „Zitierfehler“? Was soll der Unsinn? Selbstverständlich ist es zulässig, die Flektionsformen in der Vorlage vorkommender Wörter dem eigenen grammatischen Zusammenhang anzupassen. Zitate in den Satz einzubinden, aber buchstabengetreu unverändert übernommen, wäre eine zweckfreie formale Überhöhung. Da können Sie auch gleich das Abfassen unserer Aufsätze in Palindromform verlangen.
- Ich habe nicht gesagt, dass du nicht neurotisch bist. Ich habe nur gesagt, dass ich nicht gesagt habe, dass du neurotisch bist.
- …Stasi-2.0-Anwendungen aus Toms Teufelsküche…
- Moooment, ich teile das Handout jetzt noch nicht aus, sonst merkt ihr ja, dass es mit dem Manuskript identisch ist.
- Das Sich-selbst-nicht-zuerst-Nennen ist eine ultraöde Problembeschaffungskonvention, auf die ich ja wohl nicht auch noch im engen Textfeld eines Chats achten muss. Gell?
- Die deutsche Sprache betrachte ich als mein persönliches Haustier. Wer sie misshandelt, auf den hetze ich sie.
- Im Lexikon unter „Geschenke, persönliche“ nachgeguckt.
- I don’t need coffee, I have humiliating conductors for that.
- Ach, der Herr hat Meinungen.
Was ich gerne mal sagen würde
- „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ kannst du vergessen. Jesus hat ja damals auch nicht zurückgekreuzigt.
- Hast du deine Existenzberechtigung beim Bingo gewonnen, oder was?
- Für deine Werteskala brauchste ja nen Waffenschein!
- Many people find it awkward to hear their own voice on tape. Dictaphones should therefore have built-in distorters.
- Sogar meine Oma fuhr darauf ab, die ich zuvor dem Modernen gänzlich abhold gewähnt.
- zum Frisör: Mach er mir nur den Nacken recht nackt.
- Du frierst – mich hindert daran mein bonziger Mantel.
- Sie haben eine gestörte Beziehung zu Kunst und Kultur, oder?
- Ich kann mit Lob nicht gut umgehen, wiewohl ich weiß, dass ich’s verdiene, und zumindest ahne, wie sehr.
- Das ist gequirlte, ja aufgeschäumte Scheiße!
- Was hat die Nachwelt euch getan?
- There is no ethical way for me to find out.
- Verwenden Sie einen String, den niemand außer Ihnen jemals verwenden wollen können dürfen sollte.
- Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, schüttet man ihn zu, und das Dorf verdurstet. Friede, Freude, Eierkuchen.
- Das Gültige-Eintrittskarte-als-Lesezeichen-Verwenden ist das Zigarre-am-Geldschein-Anzünden des kleinen Mannes.
- Du wirfst mir vor, immer nur um mich selbst zu kreisen? Immerhin habe ich ein Selbst, um das ich kreisen kann!
- Es sind schon Gescheitere gescheitert.
- Fun from far away, but far away from fun up close.
- Klar, jeder entwickelt sich weiter. Ich zum Beispiel habe damit aufgehört, mich für toll zu halten, und damit angefangen, toll zu sein.
- Einen Zentner Leichtigkeit, bitte.
- Shut up to avoid extermination.
- Danke. Ich werde nicht behaupten, du hättest mich nicht gewarnt.
- Ich wäre dankbar, wenn die Frage nicht aufkäme.
- Ich vermeide das gerne.
- What a shame! What an absolute disgrace!
- Du irrst.
- Du lügst. (d.h. du irrst)
- You might want to realize…
- Streu mir mehr der zarten Rosen.
- Bedingt komisch.
- Your happiness is my priority, Ms Free Spirit.
- Irgendwie will ich mein Geld zurück. (Vorzugsweise auf kostenlose Enttäuschungen anzuwenden.)
- Ich war jung und brauchte das Geld. (Vorzugsweise sind damit Taten zu rechtfertigen, die 30 Sekunden zurückliegen und keinerlei finanziellen Vorteil brachten.)
- Ich war jung und hatte das Geld.
- My doctor advised against it.
- Mit einem guten Psychiater werden Sie lernen, mir zu verzeihen.
- Du kleines Kommunikationsgenie, du!
- Saftsack! Armleuchter! Kartenspiel!
- Raus aus dem Gen-Pool, schnell!
- Betonköpfe! Hardliner! Zeloten!
- In ein nahes Grab!
- Zerspring!
- Affirmative.
- He played you like a movie file.
- Wenn das dein Kindheitstraum ist, möchte ich nicht wissen, was dein Kindheitstrauma war.
- Ich bin Pazuzu, Sohn des Hanbi, König der bösen Winddämonen.
- Fuck! Mit wem soll ich jetzt talken?
- Frieg! Frieg mit Kranfreich!
- Den mach ich zum Gespenst, der mich zurückhält!
- Pars das!
- I can wire anything directly into anything!
- Du willst nach Hause gehen und dein Leben überdenken.
- Was soll ich denn noch alles tun, um meine Unfehlbarkeit zu beweisen?
- Mir foit do jetzt ka gscheiter Aphorismus ei dazu.
Übernommen von Herrn Siebert (27), Baltasar Matzbach (29), Herrn Grabbe (30, 39), Horus (31), Malik (32, 33, 45), dem Volksmund (34), Hercule Poirot (35), Mr. Incredible (36), Löwenzahn (38), Theo Sommer (40), Ephraim Kishon/Friedrich Torberg (42), Mouse (44), Max Goldt (47), dem Fönig (48), Hamlet (49), Prof. Farnsworth (51), Obi-Wan Kenobi (52) und KI (54).
Was ich immer sage
- Don’t ask.
- Was hindert dich?
- Stimmt doch gar nicht.
- What does that even mean?
- Das lässt sich ändern.
- Das lässt sich einrichten.
- Und das ist nicht nur so, das ist auch gut so.
- Was soll das
- Da ist ja schon der erste Widerspruch.
- Hübsch!
- Fühl dich gekrault.
- Das hast du schön gesagt.
- Das rulet, das ist tragfähig, das hat Gesicht.
- Das ist der Geist!
- Ingenious!
- Es sei denn.
- Das war jetzt ein bisschen übertrieben.
- Man überlebt immer wieder Erraschungen.
- Ein Mensch! Ein – eine Masse Mensch!
- Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.
- Ich bin entsetzt, ich bin empört, weil irgendjemand mich zerstört, und das prangere ich an.
- Keine Hinrichtung ohne Musik!
- Dann seid ihr tot, und wir sind schuld.
- Ich bin nur zu dekorativen Zwecken hier.
- Wassn jetz kaputt?
- Ja, muss ich holen. Soll ich?
- (um drei Uhr nachts) Was mach ich denn jetzt mit dem angebrochenen Abend?
- Nicht mal ignorieren.
- Ich will niemandem meine Sorglosigkeit aufzwingen.
- Das Fenster ist nicht zu schließen, bevor alle Möglichkeiten der Vermummung ausgeschöpft sind.
Übernommen von der englischen Sprache (1, 4, 14, 20), Malik (2, 11, 24), dem Volksmund (12, 28), Max Goldt (17), Frau Morgenstern (19), den Ärzten (21), dem Zamomin (22), einem angetrunkenen Amateurbrandschutzbeauftragten (23), Bodo (25) und Herbert Görgens (26).
Was ich mal gesagt habe
Im Internet:
- Dein Problem ist, dass du mit dem Wertesystem eines obskuren, jahrtausendealten Wüstengottes und einer Schwarte, die so sehr aus einem Guss ist wie ein Patchwork-Teppich mit Franseln dran, auf die heutige Welt loswillst.
- Der Vergleich Magneto-Hitler bezog sich ursprünglich nur auf das Rassendenken. Stilisiere das nicht zu sehr hoch, und wenn, dann unterstehe dich, mir dein Stilisat in den Mund zu legen!
- Zum 75. Geburtstag wünsche ich mir die Vereinigten Staaten von Europa. Das ist für die weltpolitische Lage extrem gut, weil es a) einfach geil klingt und b) aus ähnlichen, stichhaltigen Gründen.
- Es wäre in der Tat nicht besser, wenn man dich dazu zwingen würde, Aqua, aber das war hier wohl auch weniger die Frage. Ob es OK ist, darüber kann man sich streiten, hängt natürlich davon ab, unter welchem Aspekt man es betrachtet. Wenn du das massenweise Ausstellen von Awards auf deiner Website beispielsweise brauchst, um dich abzureagieren und sonst hingehen müsstest und ein Blutbad anrichten, um dein psychisches Gleichgewicht wieder herzustellen, dann hast du, was die Awards betrifft, in der Tat meine volle Unterstützung.
- Wenn ein Raum nicht betreten werden darf, und jemand betritt ihn trotzdem, dann wird nicht der Raum bestraft, sondern dieser Jemand, denn die Weisung ergeht nicht an das grammatische Subjekt, sondern an den semantischen Aktanten.
Im wirklichen Leben:
- I never run out of things people want me to do for them. (Still true.)
- Wer noch nicht einmal „genitivus obiectivus“ richtig schreiben kann, soll mich nicht über finite Verben belehren. Was sind finite Verben?
- Zeilenabstände justierend: Zur Sicherheit werden wir auf jede Karte in Weiß „Stirb!“ schreiben.
- Guten Morgen, Bodo. Willkommen in der Welt der Denkenden. Ich hoffe, deine Reise war angenehm und du wirst dich bald hier zurechtfinden.
- Über Briefmarken aus Briefmarkenautomaten: Naja, „hässlich“ trifft es nicht ganz, aber sie haben doch einen… sehr kühlen Charme.
- Ich würde mir nie die Beine mit Wachs entfernen.
- Steigleitung – I guess that’s Firefighterish for hydrant. (So kann man sich irren.)
- Da gehört ein Stock zwischen die Speichen. (Jugendliche mit Mofas in Frankreich. Don’t ask.)
- Abwechselnd besetzt und keiner da – das kömmt mir spanisch für.
- A truncation error was encountered trying to shrink BLOB ‚XX-RESOLVE-XX‘ to length 1048576. Wisst ihr, was das bedeutet? Feierabend!
- Sei bitte sehr heiß. *schlürft* Ich sagte, sei bitte sehr heiß!
- Rom. Ein ungeheuer trostloses Kuhkaff. Grausame Ironie des Schicksals, dass es hier keine Wolkenkratzer gibt, von denen man sich stürzen könnte.
- Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? Warum auf Nachteile verzichten, wenn man sie umsonst kriegt?
- Seit wann ist Zynismus etwas Schlechtes? (Ich habe die Frage inzwischen geklärt. Die Antwort steht in Max Goldts Text „Mein Nachbar und der Zynismus“)
- Neenee, das kommt nicht in Parenthese! Das könnte dir so passen, Satan!
- Ich kann nicht durch eine Tür gehen, wenn der Arm, der mir die Tür aufhält, im Wege ist.
- Ich könnte jetzt hier bleiben, was mich davon abhalten würde, meine Hausaufgaben zu machen. Oder ich könnte nach Hause gehen, was mich nicht davon abhalten würde, meine Hausaufgaben nicht zu machen.
- Immer, wenn man denkt, man könnte das Schlechte nicht mehr schlechter machen, wird man eines Besseren belehrt.
- Es ist alles gesagt, nur noch nicht zu jedem.
- Zeitunglesen und Radiohören geht heute als Medienabstinenz durch.
- Du störst meinen Verdrängungsprozess.
- Jesus Christus spricht: Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schätzen. (Er hat zwar nur vom Schwören gesprochen, wird mir die kleine Notlüge aber bestimmt vergeben. Ich hasse es nämlich, wenn man mich fragt: Schätz mal, wie viel das kostet/wie lang das ist/wie hoch das ist etc.)
- Es missfällt mir wie Schuppen auf den Augen.
- I can see your point up to a point.
- Ich bin hier, um meine Vorurteile zu bestätigen.
- Alle wissen immer alles ganz genau.
- Die Blinden haben das Nachsehen.
- Es ist noch nicht dieses Tages Abend.
- Ein gutes Zeichen, aber eine schlechte Sache.
- Ein schlechtes Zeichen, aber eine gute Sache.
- Ein solches Versehen ist nur mit Geld wiedergutzumachen.
- Das muss andersrum werden.
- Ich war möglichweise überlastet, wartete auf eine Eingabe oder wurde nicht mehr ausgeführt.
Mein Beitrag zur Wikipedia-Spendenaktion
Das Zitat wollte ich schon lange mal angebracht haben. Leider konnte ich nicht den ganz genauen Wortlaut anbringen, weil ich Max Goldts Verteidigung der Besserwisserei bisher nur von Lesungen kenne.
Ein bisschen Kritik muss bei dieser Gelegenheit aber auch sein: Die Wikipädie könnte so viel mehr sein als eine Enzyklopädie – nicht nur technisch und sozial, sondern auch inhaltlich. Sie sträubt sich aber ein wenig dagegen. In der deutschen Ausgabe stört mich schon lange eine Sorte von Benutzern, die ich gerne die Relevanznazis nenne. Die kennen kein größeres Vergnügen als alles von Admins löschen zu lassen, was nicht „enzyklopädisch relevant“ ist – von Studenten organisierte Fachtagungen etwa. Die englische Wikipädie kam mir da lange viel lockerer vor, aber auch da lese ich in letzter Zeit immer häufiger „This article or section may contain content that is not appropriate for an encyclopedia.“ Ich hege ja Sympathie für die Auffassung, dass Freies Wissen unteilbar ist und dass, wer von Quantendynamik spricht, von recurring characters in vergessenen 80er-Jahre-Sitcoms nicht schweigen sollte. Wird man eines Tages einen Parallelwikikosmos, eine Irrelepedia gründen müssen?
Bezahlen
Traum vom 2004-09-12
Ich bin in einem Supermarkt, an dessen einer Wand sich merkwürdigerweise auch ganz andere Geschäfte in Form von Theken befinden. Kauft man dort etwas, bezahlt man auch dort und nicht an der Supermarktkasse. Eine Theke hat Büdchencharakter, dort nehme ich mir eine Schachtel tictac und ein Päckchen Kaugummi.
„Ich möchte das nicht beides bezahlen“, sage ich.
„Aber wenigstens eins davon, ja?“, fragt die Verkäuferin leicht verschüchtert. Sie scheint das für einen hinnehmbaren Kompromiss zu halten.
„Nein, eigentlich beides nicht“, sage ich und gehe.
Auf dem Weg zum Ausgang denke ich darüber nach. Okay, ich habe jetzt keine Lust zu bezahlen, niemand hält mich auf, und so ist es billiger und bequemer. Aber dann, ich stehe in der Kassenschlange, wird mir furchtbar bewusst, dass mein Verhalten absolut inkompatibel mit den moralischen Maßstäben ist, die ich und andere an mich anlegen. Die Verkäuferin kennt jetzt mein Gesicht, und ich werde noch ewig von Schuldgefühlen gemartert werden. Soll ich so tun, als hätte ich die Erfrischungsartikel aus dem Sortiment des Supermarktes, und an der Kasse bezahlen? Nein, entscheide ich, das würde das Problem nicht lösen. Also zurück zur Theke.
„Ich möchte mich entschuldigen und nun doch bezahlen.“ Ich suche nach den Display-Kartons mit den Preisen. Aber da sind keine Kaugummi- und tictac-Kartons. Ich stehe vor einer Fleischertheke.
„Oh, äh, betraf das gar nicht…“
„Doch, schon richtig“, sagt die eine Verkäuferin kalt und verweist mich auf die daneben sitzende, die von mir Geprellte, die ich äußerlich ganz anders in Erinnerung hatte. Sie nimmt meine reuevolle Nachzahlung deutlich kühler und ungnädiger entgegen, als ich erwartet hatte.
An Wörter glauben?
Menschen glauben an Wörter. Und dieser Glaube wird oft ausgenützt. Die Wortakrobaten jonglieren mit ihren Begriffskonstruktionen und machen die Leute glauben, daß sie von Tatsachen reden und Wahrheiten zum Besten geben. Aber nur mit ein wenig sprachkritischer Logik läßt sich feststellen, daß in den meisten Fällen nur geschickt anderweitige Interessen verborgen oder inhaltsleere Worthülsen gehandelt werden. Mit Pauschalisierungen und anderen Verallgemeinerungen werden Vereinheitlichungen postuliert, um ordnungspolitischen Zwecken besser zu genügen. Die Harmonisierung der breiten Masse erfolgt über sprachliche Verallgemeinerungen.
Dem Illusionismus der sprachlichen Abstraktionen, wie er über die Medien transportiert wird, erliegen besonders Menschen mit ungenügender Bildung. Einfache Menschen wollen und müssen an die Worte glauben und den Sprechern vertrauen können, um nicht die essentielle Basis gesellschaftlichen Verkehrs zu gefährden.
Diese Passage sagt mir zwar etwas, ist mir aber zu wenig konkret. Was ist die „essentielle Basis gesellschaftlichen Verkehrs“? Mit dieser Frage verbunden ist etwas, das ich mich schon lange frage: Glaubt Lieschen Chantal Müller zum Beispiel das, was in der Bildzeitung steht? Oder liest sie sie nur zur Unterhaltung, mit einer Abgeklärtheit, die Menschen mit „genügender“ Bildung beim jubeljährlichen Durchblättern mit Einmalhandschuhen abgeht? Eigentlich müsste ich Chantal mal fragen, wenn ich das nächste Mal eine ihrer Verkörperungen in der Straßenbahn sehe.
2008 Chair Mishap
Was muss man als südafrikanischer Politiker tun, um einen Eintrag in der englischen Wikipädie zu kriegen? Das:
Nhlanhla Nenes Sprechweise erinnert mich so derart an die meines Großonkels (auch kein Leichtgewicht), dass es eine Wonne ist.
Web²
Liebe Öffentlichkeit,
hiermit reiche ich ein neues Buzzword zur Aufnahme in den allfälligen Wortschatz ein: Web². Es bezeichnet bestimmte kombinatorische Phänomene, die das Web 2.0 mit sich bringt oder mit sich bringen sollte.
Nämlich einerseits die Kombination von Webanwendungen verschiedener Anbieter zu einer verzahnten „Desktopumgebung“ bzw. „Office-Suite“. Konkret: Man klickt z.B. auf last.fm auf „Ja, ich werde dieses Konzert attenden“, und wenn man beim nächsten Mal Google Calendar öffnet, steht das schon da. Existiert bisher, so weit ich weiß, nur in Ansätzen und Träumen.
Der zweite Aspekt von Web² ist dank Social bookmarking und verwandten Phänomenen schon voll im Alltag angekommen: Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen nicht mehr nur Inhalte, sondern auch: Wer empfiehlt mir was, wer ist auf was durch meine Empfehlungen aufmerksam geworden usw.
In gespannter Erwartung deiner Antwort
ke
Nemesis
In meiner Schule gab es eine Person, die ich irgendwann zu meiner persönlichen Nemesis erklärte. Obwohl wir uns gar nicht kannten, schaffte sie es immer wieder, mir dumm zu kommen und meine gute Laune zu durchkreuzen. Einmal ranzte sie mich beim Jahrbuchverkauf gereizt an – hatte ich das Geld nicht geschmeidig genug parat gehabt? – einmal musste ich im Jahrbuch einen schnöselig-arroganten Artikel von ihr lesen und ein drittes Ereignis dieser Art habe ich vergessen. Wenn jemand in deinem Leben eine solche Rolle spielt, bezeichnet man ihn im Englischen gerne schon mal als Nemesis. Interessanterweise ist dieses Wort dem Nachnamen der erwähnten Person gar nicht unähnlich.
Nun sollte man meinen, wenn man im Abstand von ein oder zwei Jahren die Schule verlässt und sich in ganz unterschiedliche Richtungen verschlagen lässt, dann hören solche Begegnungen irgendwann auf. Aber eine Nemesis ist etwas Schicksalhaftes und verschwindet nicht einfach aus deinem Leben. So erhielt ich im vergangenen Sommer aus heiterem Himmel eine E-Mail von ihr, ich solle „endlich“ ihren Namen von meiner Website nehmen. Die Wortwahl legte meine Stirn in Zornesfalten, war ich doch in keiner mir bekannten Angelegenheit säumig gewesen. Nun ja, meine Nemesis hatte mir offenbar schon einmal eine E-Mail geschickt oder zu schicken geglaubt, die jedenfalls nie angekommen war.
Es ging darum, dass jemand ihren vollen Namen in einem Kommentar auf meiner Lehrerzitate-Website genannt hatte, und den tilgte ich denn auch prompt. Postwendend fragte meine Nemesis zurück, wie das denn sein könne, dass ihr Name trotzdem noch bei Google auftauche. Diese tiefe Unkenntnis über die Funktionsweise eines heutzutage für praktisch alle Welt unverzichtbaren Recherchewerkzeugs – und das bei einer Studentin in einem sehr anspruchsvollen ingenieurswissenschaftlichen Studiengang – erschreckte mich etwas. Jedenfalls habe ich aus der Episode gelernt, dass ich meine Nemesis wohl noch auf dem Sterbebett nicht loswerden werde. Sie wird dort auftauchen und irgendeine blöde Bemerkung machen, und das EKG wird noch einmal wie blöd zu piepen beginnen. Hat ja auch was, so ein vertrautes Ärgernis.

