Lieblingswörter (9)

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Gepriesen seien die Wörter, die in ihrer Formelhaftigkeit und leichten Altmodizität die sie Verwendenden schrullig und arglos erscheinen lassen, so wie den jungen Chorleiter, der im 21. Jahrhundert allen Ernstes fragte, ob nach der Chorprobe noch jemand ins „Wirtshaus“ gehen wolle. Wenn zum Beispiel einer sagt, er habe in einer gewissen Behörde eine Bezugsperson, mit der sich über dies oder jenes reden lasse, dann wirkt er gleich nicht mehr so wie einer, der mit seinen Kontakten angibt, sondern wie ein Kind, das sich selbst unter eine pädagogische Lupe nimmt. Trotz dieser Konnotation ist das Wort in seiner Denotation sehr non-commitant und lässt sich daher in einer Vielzahl von Situationen verwenden. Als liebenswert aus der Zeit gefallen und durch die Gegenwart stolpernd empfindet man auch die, die verkündet, sie wolle sich in einer gewissen Angelegenheit mal umtun, dabei können sich hinter dieser Formulierung die durchtriebensten erkennungsdienstlichen Pläne verstecken. Weniger durchtrieben ist eine Erkundigung, und ebenso schüchtern und umständlich wie dieses Wort, das irgendwie zu viele Affixe zu haben scheint, kommt der daher, der eine Erkundigung vornimmt, etwa die nach Beziehungsstatus und/oder Telefonnummer einer gemeinsamen Bekannten. Schließlich mag ich auch das Wort in Aussicht stellen sehr, weil es sich so schön unauffällig windet. Etwas in Aussicht zu stellen klingt nicht nach großer Unsicherheit, ist aber doch weit davon entfernt, es zu versprechen. Ein guter Satz, der das Wort verwendet, stammt wie viele gute Sätze von dem Tourismusexperten Max Goldt: „Kinder wünschen aber bunte Brausen und fettiges Eis in Aussicht gestellt zu bekommen, wenn man ihnen bei bereits Anfang Mai herrschenden Tagestemperaturen von 40 Grad im Schatten das Abschreiten dermaßen langer Promenaden schmackhaft machen möchte.“ Amen dazu.

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